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Haben wir es im Fall von Adyen und Wirecard mit Übertreibungen zu tun?

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12.09.2018, 09:00  |  1440   |   
Noch ist Bargeld in Deutschland das bevorzugte Zahlungsmittel. In anderen Ländern der Welt ist man dagegen schon heute gegenüber alternativen Zahlungsmethoden deutlich aufgeschlossener. Beispielsweise zahlen die US-Amerikaner ihre Einkäufe gerne mit der Kreditkarte. Dank der NFC-Technologie (Near Field Communication) kann schon heute an vielen mit entsprechenden Lesegeräten ausgestatteten Kassen auch hierzulande mithilfe einer Girocard, Kreditkarte oder mit dem Smartphone kontaktlos bezahlt werden.
 
Mit einer steigenden Akzeptanz solcher Bezahlmethoden dürfte das Bargeld immer mehr in den Hintergrund geraten. Einige träumen schon davon, dass dieses eines Tages sogar vollständig verschwindet. Kreditkartenanbieter, Finanzinstitute und Zahlungsabwickler rechnen sich im Zuge der Entwicklung neuer Bezahlmethoden große Chancen aus. Entsprechend groß ist derzeit auch die Begeisterung von Börsianern in Bezug auf die Firmen, die die Zahlungssysteme von morgen schaffen. Im Fokus stehen hierzulande derzeit vor allem zwei Unternehmen: Wirecard aus Aschheim bei München und Adyen aus Amsterdam.
 
Im Fall von Wirecard hat die jüngste Euphorie dazu geführt, dass der Zahlungsabwickler ab 24. September im deutschen Leitindex DAX vertreten sein wird. Auch Adyen sorgte für Furore. Am 13. Juni 2018 wagte sich das Unternehmen auf das Börsenparkett. Das IPO erfolgte zu einem Ausgabepreis von 240 Euro. Gleich am ersten Handelstag schoss der Wert der Adyen-Aktie auf über 400 Euro. Seitdem setzte sich der steile Anstieg fort.
 
Adyen ermöglicht Händlern reibungslose Zahlungsabläufe – online, mobil und am Point-of-Sale. Der zunehmende Online-Handel und die Verbreitung neuer Bezahlmethoden bescherten dem Unternehmen zuletzt ein beeindruckendes Wachstum. Laut Unternehmensangaben von 22. August wuchs das über die Adyen-Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um 43,1 Prozent auf 70 Mrd. Euro. Die Umsatzerlöse kletterten um 67,3 Prozent auf 156,4 Mio. Euro, während der Nettogewinn um 74,6 Prozent auf 48,2 Mio. Euro schoss. Aufgrund der Entwicklung neuer Bezahlmethoden will Adyen ähnlich stark weiterwachsen.
 
Anleger sollten trotz der jüngsten Euphorie rund um Adyen und andere Branchenvertreter bedenken, dass das niederländische Unternehmen erst seit einigen Monaten an der Börse ist. Bisher ging es für die Aktie fast nur in die Höhe. Aufgrund des jüngsten Stimmungshochs könnten die positiven Aussichten, die sich dem Unternehmen in Bezug auf die Entwicklung neuer Zahlungsmethoden bieten, jedoch bereits eingepreist und nur der anfänglichen Euphorie geschuldet sein. Die Fallhöhe ist entsprechend hoch. Zudem entfällt bei der Konzentration auf einen einzelnen Wert die Risikostreuung. Schließlich ist Adyen nicht das einzige Unternehmen, das die zukünftigen Bezahlmethoden im Blick hat. Im Solactive Mobile Payment Index wird die Kursentwicklung von 20 internationalen Unternehmen abgebildet, die im elektronischen beziehungsweise mobilen Payment-Sektor tätig sind. Mit dem passenden Index-Zertifikat (WKN: DS8PAY / ISIN: DE000DS8PAY5) hat Deutsche Bank X-markets den Index für Anleger investierbar gemacht.
 
Alternativ könnten spekulative Anleger, die steigende Kurse der Adyen-Aktie erwarten und lediglich den niederländischen Zahlungsabwickler im Blick haben, mit einem WAVE XXL-Call der Deutschen Bank (WKN DS6NFR) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,33, die Barriere bei 528,30 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem WAVE XXL-Put der Deutschen Bank (WKN DS6NFU, aktueller Hebel 5,68; Barriere bei 719,50 Euro) auf fallende Kurse der Adyen-Aktie setzen.
 
Stand: 11.09.2018

Disclaimer

Gastautor

Christian-Hendrik Knappe
Produktexperte X-markets, Deutsche Bank AG

Der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirtschaftler ist als Produktexperte von X-markets, Deutsche Bank mitverantwortlich für die Produktpalette und den Vertrieb von Hebelprodukten und Anlagezertifikaten. Er schreibt Kolumnen für verschiedene Finanzportale und vertritt die Deutsche Bank bei diversen Finanzmessen und Börsentagen. Seine berufliche Laufbahn startete er 1999 bei der Börse in Stuttgart als Händler. Seit 2007 gehört Knappe zum X-markets-Team der Deutschen Bank.

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