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Währungskrise Erdoğans vergeblicher Kampf gegen die Abwertung: Immobilien-Verträge nur noch in Lira

13.09.2018, 12:33  |  3660   |   |   

Der neue Schachzug des türkischen Präsidenten Erdoğan, Immobilien-Verträge in Euro und US-Dollar zu verbieten, vergrößert das Misstrauen der Anleger. Der Verfall der türkischen Lira schreitet weiter voran.

In der Türkei dürfen Immobiliengeschäfte wie zum Beispiel Kauf- und Mietverträge in Zukunft nicht mehr in ausländischen Währungen wie Euro oder US-Dollar abgeschlossen werden. Das geht aus einem Amtsblatt hervor. Außerdem müssen ebenfalls alle bereits in einer ausländischen Währung abgeschlossenen Verträge binnen 30 Tagen auf die türkische Lira umgeschrieben werden, so "Reuters". Immobilienverträge in Euro oder Dollar sind in der Türkei weit verbreitet.

Mit dieser neuen Maßnahme will Präsident Recep Tayyip Erdoğan den massiven Kursverfall der Lira aufhalten. Die türkische Währung verlor im Vergleich zum US-Dollar im zweiten Quartal 24 Prozent. Seit dem zweiten Quartal beschleunigte sich die Abwertung um weitere 31 Prozent (Stichtag: 11.09.2018).

Die Währungskrise droht die türkische Wirtschaft zu erdrücken. Das türkische Bruttoinlandsprodukt fiel im Jahresvergleich von 7,4 Prozent im 1. Quartal auf 5,2 Prozent im 2. Quartal - eine stark fallende Tendenz, analysiert Forex-Experte Folker Hellmeyer. Zudem wird die durch den Währungsverfall die steigende Auslandsverschuldung, die türkische Unternehmen erdrückt, zum größeren Problem. Immer mehr Konkurse in der Privatwirtschaft könnten eine tiefe Rezession auslösen, so Hellmeyer.

Unterdessen hat die türkische Notenbank den Leitzins von 17,75 Prozent auf 24 Prozent angehoben und sich damit gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan gestellt. Die Erhöhung auf 24 Prozent fällt drastisch aus. Ökonomen hatten auf eine Erhöhung auf 22,0 Prozent gesetzt.

Noch kurz vor der heutigen Notenbank-Sitzung hatte Staatsschef Erdoğan die Währungshüter zur Senkung der Zinsen aufgefordert. Der mit großer Machtfülle ausgestattete Präsident betonte, Zinsen seien generell die Ursache von Inflation. Der Präsident gab der Notenbank die Schuld für die steigenden Preise im Land.

Die heutige Sitzung der Notenbank könnte einen Wendepunkt in der Wirtschaftskrise markieren, da die Notenbank mit der Zinserhöhung ihre Unabhängigkeit demonstrierte. So könnte Vertrauen der internationalen Anlegerschaft zurückgewonnen werden.

Quelle:


Reuters

Wertpapier
USD/TRY


9 Kommentare

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Kommentare

Dann stellt sich eigentlich nur noch die Frage, was passiert am Ende? Bei einer Währungsänderung gibt es doch noch mehr Verluste als jetzt schon. So war es 2001 mit dem Start des Euro auch, plötzlich ist dann das sowieso stark geschrumpfte mit einem Schlag nur noch die Hälfte wert. Wer nicht rechtzeitig aussteigen kann verliert.
Bei 24% Inflation, die sicherlich noch steigen wird? Dieser Wagen (Lira) fährt gegen die Wand!!!
So sicher wie das Amen im Gebet.
Sollte sich die Lira, auf lange Sicht gesehen, nicht aufwerten, wären all die Bemühungen in den Wind geschossen. Die Logik sAGt schon, dass das einfach passieren muss. Geduld ist hier die Lösung.
Die Lira wertet seit über einem Monat auf. 7Lira für einen Dollar war der Boden. Nun bekommt man weniger als 6 Lira für einen Dollar. Die unabhängige Zentralbank hat die Zinsen erhöht und nun ist es schwierig, dass die Lira noch weiter abwertet. Das wird höchstwahrscheinlich nicht passieren. Harald Weygand sieht das genau so & er ist ein sehr guter Profi-Trader. Ich will nicht wissen, was passiert, wenn der US-Pastor freigelassen wird. Das wird die Lira höchstwahrscheinlich um bis zu 5% aufwerten lassen. Die Gegenmaßnahmen gegen die Abwertung haben sich als gut erwiesen. Bleibt abzuwarten, wie lange die Lira noch aufwerten wird..
Die Probleme in der Türkei sehe ich als vollständig hausgemacht an! Ob die Lira nun von befreundeten Geldhähnen gestützt wird oder nicht, ob ein paar Prozent Plus oder Minus, was ändert das an dem internen Problem? An die Erdofans die lieber Trump für einen umgefallenen Sack Reis in China verantwortlich machen als den Ungeschickten direkt neben dem Sack: Standhaftes Leugnen eines Problems wird es selten dauerhaft beseitigen!

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