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Drei Zentralbanken, drei sehr unterschiedliche Situationen

Gastautor: w:o Gastbeitrag
13.09.2018, 14:56  |  518   |   |   

Während es bei der Bank von England und der EZB mehr auf Nuancen ankam, war es bei der Entscheidung der Türkischen Zentralbank ein Bangen um das Ergebnis. Der Markt war besorgt, dass die Zentralbank nur wenig oder gar nicht die Zinsen erhöhen würde, was der Krise in der Türkei neuen Zunder geben würde.

Aber trotz der Bemerkungen von Präsident Erdogan zum Gegenteil nur Stunden zuvor, hat die Zentralbank entschieden den Zins um 3 Prozentpunkte von 21% auf 24% zu erhöhen. Diesen Schritt wird der Markt wahrscheinlich als ausreichend starkes Signal ansehen, um der Krise zumindest etwas entgegenzuwirken.

Anders die Situation bei der Bank von England, wo kein einziger Analyst oder Volkswirt eine Anhebung der Zinsen erwartet hatte und somit sich nach der Verkündung auch nicht viel bewegte. Aber nur weil es auf der Oberfläche ruhig aussieht, heißt das nicht, dass sich im Tiefen nicht viel bewegt.

Die Bank von England merkt nämlich an, dass die derzeitige Zinspolitik auf einer konjunkturellen Annahme beruht, die von einer relativ ruhigen Anpassung der Konjunktur nach dem Brexit ausgeht. Das ist natürlich nicht unbedingt gegeben. Von daher erwarten wir nicht unbedingt in der nächsten Zeit eine Zinserhöhung von der Bank of England. Der Markt scheint das auch so zu sehen, da die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch vor dem Brexitdatum bei 30% einpreist wird.

Kurz nach der Türkischen und der Englischen Zentralbank gab dann auch die EZB ihr Votum bekannt, das ähnlich wie bei der Bank of England zum größten Teil bereits vorher schon feststand. Der Markt hatte keine Änderung erwartet, und somit musste er auch nicht reagieren.

Die einzige Unsicherheit war, ob das Ende des Wertpapierankaufprogrammes bestätigt wird, denn die EZB hatte sich hier die Option für den Risikofall noch etwas offen gelassen. Aber ab September wird nun der Ankauf auf EUR 15 Milliarden reduziert, aber noch nicht beendet.

Auch ähnlich wie bei der Bank von England erwartet der Markt auch in naher Zukunft keine Zinserhöhung. Hier finden wir, dass der Markt evtl. etwas zu optimistisch ist, und fasst schon davon ausgeht, dass mit dem Euro, den Emerging Markets oder dem Handelskrieg etwas schief läuft. Sollte das aber nicht eintreffen, wird die EZB vielleicht doch schneller die Zinsen anheben müssen als der Markt es heute einpreist.

Autor: Garland Hansmann, Portfolio Manager Investec Multi Asset Credit

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