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Warum Stop-Loss-Orders schädlich für deine Renditen sein können

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
15.09.2018, 09:31  |  870   |   |   

Es ist so etwas wie der heilige Gral des Investierens: das Market Timing. Wenn man immer zum richtigen Zeitpunkt ein- und aussteigt, kommt man logisch betrachtet zu den besten Renditen, da man nur in Aufwärtsphasen investiert ist, in Abwärtsphasen aber nicht.

Ein weit verbreiteter Ansatz, um bei Kurseinbrüchen rechtzeitig auszusteigen, ist das Platzieren von sogenannten Stop-Loss- oder Trailing-Stop-Loss-Orders. Hierbei ist es nicht nötig, zu jedem Zeitpunkt in Sekundenschnelle verkaufen zu können, wenn eine Aktie einbricht. Stattdessen überlässt man das einem Computerprogramm: Fällt der Kurs unter eine bestimmte Marke, wird die Position automatisch verkauft.

Das klingt in der Theorie hervorragend. Dennoch sind wir Fools der Meinung, dass Stop-Loss-Orders eine schlechte Idee sind. Doch wie kommen wir darauf? Schauen wir uns ein paar Gründe an.

Verkauf um jeden Preis

Wenn man es genau nimmt, gibt es zwei Arten von Stop-Losses, die jeweils eigene Risiken mit sich bringen.

Die normale Stop-Loss-Order wandelt sich bei einem Kurseinbruch, der die Trigger-Marke erreicht, automatisch in eine limitlose Verkaufsorder um. Bei limitlosen Verkaufsorders läuft man immer Gefahr, viel zu günstig zu verkaufen – theoretisch könnte der Computer deine Aktien sogar für 0,01 Euro verkaufen, obwohl deine Stop-Loss-Schwelle bei 96 Euro lag. Gerade bei weniger gehandelten Aktien ist das gar nicht so unwahrscheinlich.

Die zweite Art ist das Stop-Loss-Limit. Hier wird beim Erreichen der Schwelle eine Verkaufsorder platziert, die zum Kurs der Stop-Loss-Schwelle limitiert ist. Hier liegt das Risiko darin, dass deine Verkaufsorder gar nicht ausgeführt werden könnte, wenn es keinen Marktteilnehmer gibt, der zu deinem Kurs kaufen möchte. Der Kurs dümpelt also weiterhin nach unten, während deine limitierte Verkaufsorder unangetastet im Orderbuch der Börse verweilt.

Neben diesen eher technischen Risiken gibt es aber noch einige andere Gründe, die uns davon abhalten, Stop-Loss-Orders zu mögen.

Unbegründete Kursbewegungen

Aktienmärkte sind meistens nervös und schwanken unnötig wild herum. Während wir Fools uns auf das langfristige Investieren fokussieren, geht es an der Wall Street oft um das Erreichen kurzfristiger Maßgaben. Werden diese nur knapp verfehlt, können heftige Kursabschläge die Folge sein. Dabei hat das Verfehlen kurzfristiger Kennzahlen oft keinen langfristigen Einfluss auf das Unternehmen.

Im Idealfall kannst du solche unbegründeten Abschläge sogar noch zum Nachkaufen nutzen, um Anteile deines Unternehmens günstig einzusammeln. Wenn du aber eine Stop-Loss-Order platziert hast und diese durch so einen langfristig ungerechtfertigten Kurssturz ausgelöst wird, hast du zum einen die Aktien unnötig günstig verkauft und hast zum anderen das Problem, dass du den Zeitpunkt für den Wiedereinstieg finden musst.

Timing des Wiedereinstiegs

Hier kommen wir zum nächsten Problem an der ganzen Sache. Rechtzeitig verkaufen, schön und gut – aber irgendwann möchte man schließlich auch wieder einsteigen, am besten zum günstigsten Zeitpunkt.

Leider ist es nicht so leicht, wieder zu investieren, „sobald der Kurs wieder dreht“. Woher soll man wissen, ob der kürzlich erreichte Tiefstkurs wirklich der tiefste bleiben wird oder ob es noch weiter runter geht? Wir können es nicht wissen. Doch wenn wir nicht investiert sind, laufen wir Gefahr, große Gewinne zu verpassen:

Verpassen der besten Tage

Kapitalmarktstrategen der Fondsgesellschaft Fidelity International haben herausgefunden, dass die historischen hohen Renditen der Aktienmärkte größtenteils auf nur wenige Tage mit starken Kurssteigerungen zurückzuführen sind: Wenn man am 31. Dezember 1998 1.000 Euro in den MSCI Europe investiert hätte, dann hätte man bis zum 31. Mai 2016 sein Geld in etwa verdoppelt.

Wenn man aber ausgerechnet die zehn besten Börsentage des Zeitraums verpasst hätte, würde sich der Gewinn auf magere 23 Euro belaufen. Hätte man sogar die besten 40 Tage verpasst, wären von den anfänglich 1.000 Euro nur 324 Euro übrig geblieben – man hätte also zwei Drittel seines Geldes verloren!

Du siehst also, wie wichtig es ist, durchgängig im Markt investiert zu sein, um die besten Tage nicht zu verpassen. Und was für den breiten Markt gilt, das gilt auch für Einzelaktien.

Fazit: Einfach laufen lassen!

In der Theorie scheinen Stop-Loss-Orders wirklich intelligent zu sein: Einen Teil der Abwärtsbewegung durch rechtzeitiges Verkaufen nicht mitnehmen und günstiger wieder einsteigen. Das mag in einigen Fällen sogar gelingen.

Wie du gesehen hast, gibt es aber einen Haufen Probleme dabei: Du hast mehrere Risiken bei der Ausführung der Verkaufsorder. Du könntest grundlos verkaufen, obwohl es eigentlich besser gewesen wäre, nachzukaufen. Du hast das Problem, einen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg finden zu müssen – und wenn du den verpasst, könnten dir die besten Börsentage entgehen.

Wir Fools machen uns nicht gerne Gedanken über solche Dinge. Wir lieben es, Qualitätsunternehmen zu kaufen und die Aktien langfristig zu halten, durch alle Schwächephasen hindurch. Das ist der Weg, der bisher die meisten Börsenerfolge generiert hat.

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