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Marktkommentar: David Zahn (Franklin Templeton): Entwicklungen in Europa
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Marktkommentar David Zahn (Franklin Templeton): Entwicklungen in Europa

Nachrichtenquelle: Asset Standard
17.09.2018, 12:05  |  1031   |   |   

Drei Entwicklungen in Europa, die Sie während des Sommers womöglich verpasst haben – und eine, die noch auf sich warten lässt.

Juli und August sind in der Regel ruhigere Monate für die europäischen Märkte, da viele Teilnehmer eine Sommerpause einlegen. Aber nicht alles kam zum Stillstand.


Während die Märkte nun allmählich wieder Fahrt aufnehmen, betrachtet David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, einige Entwicklungen, die sich während der Sommermonate in Europa ereignet haben und dem ein oder anderen Beobachter womöglich entgangen sein könnten:

„Flucht hin zu Qualität“ drückt Renditen auf Anleihen europäischer Kernländer auf unrealistische Niveaus

Die Ruhe, die sich normalerweise Mitte August einstellt, wurde dieses Jahr durch Sorgen über eine Krise in der Türkei unterbrochen, die fieberhafte Schlagzeilen verursachte und Volatilität unter Schwellenmarktanlagen nach sich zog.

Wir waren der Ansicht, dass sich die wirtschaftlichen Konsequenzen größtenteils auf die Türkei beschränken dürften. Aus unserer Sicht sind die Folgeeffekte auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft der Europäischen Union gering.

Vereinzelte europäische Banken waren zwar zu einem gewissen Grad in der türkischen Lira engagiert, allgemein wurde jedoch angenommen, dass sie über ausreichend Kapital verfügen dürften, um etwaige Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Die Gefahr eines Übergreifens auf den europäischen Finanzsektor erscheint uns daher unbedeutend.


Risikobereitschaft der Anleger sinkt

Turbulenzen im Zusammenhang mit der Situation in der Türkei lösten unter einigen Anlegern jedoch eine risikofeindliche Stimmung aus, wodurch eine sogenannte „Flucht hin zu Qualität“ einsetzte.

Durch die Risikoaversion der Anleger sind die Renditen auf Anleihen der europäischen Kernländer in den letzten Monaten gesunken. Insbesondere zehnjährige deutsche Bundesanleihen büßten Mitte August 0,30 % ein.

Diese extrem niedrigen Renditen auf deutsche Anleihen ergeben aus unserer Sicht keinen Sinn, wenn man einmal das makroökonomische Umfeld der Eurozone betrachtet: Die Kerninflation liegt immer noch in der Nähe der Marke von 1 %, während sich die Gesamtinflation etwa auf 2 % beläuft.

Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte zum Ende des Jahres auslaufen, was aus unserer Sicht die Renditen auf europäische Anleihen begrenzen sollte.  Dennoch gehen wir davon aus, dass die Renditen auf zehnjährige deutsche Bundesanleihen auf mindestens 0,70 % bis 0,80 % ansteigen dürften, was immer noch einen gewissen Risikoaufschlag widerspiegeln würde.


Verdeckte geldpolitische Straffung der Bank of Japan

Eine der für die europäischen Rentenmärkte potenziell interessantesten Entwicklungen dieses Sommers fand weit von Europa entfernt statt, nämlich in Japan.

Während alles darauf hindeutet, dass die EZB zum Ende dieses Jahres beginnen wird, ihr Programm zur quantitativen Lockerung (QE) einzustellen, dürfte die Bank of Japan (BoJ) die letzte große Zentralbank sein, die weiterhin Vermögenswerte aufkauft.

Aber selbst die BoJ hat langsam und ohne viel Lärm begonnen, ihre Käufe allmählich zu verringern – eine „getarnte Drosselung“ sozusagen.


Anlagenkäufe der BoJ sinken

Die BoJ hält einen so großen Anteil des Rentenmarkts, dass sie wirklich nicht mehr so viel zu kaufen braucht wie in der Vergangenheit. Dennoch ist die Höhe der zusätzlichen QE-Käufe zuletzt gesunken.

Bei ihrer Ende Juli abgehaltenen geldpolitischen Sitzung kündigte die BoJ eine geringfügige Änderung ihres Ansatzes an. Sie erweiterte ihre Toleranz für Schwankungen der Rendite auf zehnjährige japanische Staatsanleihen auf eine Spanne von 0,20 % ober- oder unterhalb ihres Ziels von 0 %. Bis dahin hätte die Zentralbank bei einer Zielabweichung um 0,10 % eingegriffen.

Eine Erweiterung der Spanne, die sie vor einem Eingriff erlauben will, bedeutet, dass sie höhere Volatilität in Kauf nimmt – etwas, dass es an den Rentenmärkten schon seit längerer Zeit nicht mehr gegeben hat. Im Endeffekt bedeutet dies: die Zentralbank wird eine stärkere Normalisierung zulassen.

Während des vergangenen Jahres war weltweit eine Abflachung der Zinsstrukturkurven zu beobachten. Angesichts des von uns erwarteten koordinierten Zentralbankansatzes könnten die Zinsstrukturkurven unserer Meinung nach durchaus allmählich wieder einen steileren Verlauf annehmen.


Führungsvakuum in Europa, während Italien mit Haushaltsbudget auf Konfrontation mit EU zusteuern könnte

Im Laufe des Sommers ist in unseren Augen deutlich geworden, dass an der Spitze Europas ein Führungsvakuum besteht.

Weder der französische Präsident Emmanuel Macron noch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel scheinen derzeit stark genug, um alleine eine entschlossene Führung Europas übernehmen zu können. Daher werden sie zusammenarbeiten müssen.

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