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Goldpreis: War es das mit dem Preisverfall?

Nachrichtenquelle: Rohstoffbrief.com
21.09.2018, 15:06  |  2238   |   |   

Für den Goldpreis endet eine versöhnliche Woche. Analysten glauben sogar, dass wir bereits das Jahrestief gesehen haben. Und auch die Goldaktien spüren wieder mehr Rückenwind!

Keine neuen Tiefs mehr?

Acht miese Monate hat der Goldpreis in diesem Jahr schon hinter sich. Vom hoch bei 1.356 Dollar ist die Unzenotiz auf bis zu 1.173 Dollar Mitte August gefallen. Seither aber bessert sicht die Lage sukzessive. Schon seit rund vier Wochen pendelt der Preis rund um die Marke von 1.200 Dollar. In der Zwischenzeit ist der US-Handelskrieg eskaliert und die Aktienmärkte in den USA erlebten gestern Abend neue Allzeithochs. Dennoch testet der Goldpreis keine neuen Tiefs mehr, wie die Charttechniker gerne sagen. Vielmehr konnte sich der Preis zuletzt von der runden Hundertermarke nach oben absetzen und notiert aktuell bei rund 1.205 Dollar je Unze.

US-Dollar: Märkte preisen Zinserhöhungen bereits komplett ein

Die Gründe für die neu gewonnen Stabilität bei Gold sind sicherlich beim US-Dollar zu suchen. Die Krise in einigen Emerging Markets hat sich zumindest zeitweise abgeschwächt. Vor allem aber scheint der Markt die Zinserhöhungsphantasien inzwischen völlig eingepreist zu haben, wie die Devisenanalysten der Commerzbank heute schreiben. Die Federal Reserve wird wohl 2019 diese Politik beenden. Dann sind andere Notenbanken mit Zinserhöhungen dran. Nicht unbedingt die Europäische Zentralbank, aber einige, die in ihrem Fahrwasser segeln. Der US-Dollar hat fast auf den Tag genau zum Tief des Goldpreises sein Jahreshoch gegenüber dem Euro markiert. Seither aber hat der Greenback rund 5 Cent verloren. Insofern scheint diese Aufwertung vorerst vorbei zu sein. Das merkt man übrigens auch an den Renditen der US-Bonds. Die zehnjährige Staatsanleihe schloss gestern bei 3,09 Prozent, also nahe des Jahreshochs. Die USA müssen also mehr für ihre rekordhohen Schulden bezahlen; ein Wert, den Goldman Sachs sonst nur aus Kriegszeiten kennt. Noch dazu kehren mehr und mehr Staaten dem Dollar den Rücken zu, was vor allem an der Handels- und Außenpolitik von Donald Trump liegt.

Schweizer Goldexporte legen um 30 Prozent zu

Das der Goldpreis den Goldaktien wieder zu Schwung verhilft, lässt sich gut an der Entwicklung in Australien ablesen. Die Aktien der großen Goldproduzenten legten dort heute Morgen fast allesamt um rund 5 Prozent zu. Manch Fondsmanager vermutet, dass neben dem Goldpreis auch die überkaufte Situation zu dieser kleinen Rallye geführt hat. Und auch die Analysten sind wieder etwas optimistischer. Frank Schallenberger von der LBBW sieht die aktuelle Stabilisierung als „gutes Indiz“ dafür, dass die Bodenbildung um die Marke von 1200 Dollar gelingen könnte. In der Schweiz ist man sich noch etwas sicherer: „Wir sehen die Tiefststände für Gold in diesem Quartal“, meint Giovanni Staunovo von der UBS. Dabei dürfte Staunovo auch die jüngsten Gold-Exportzahlen seines Landes im Blick gehabt haben. Diese zogen im August um 30 Prozent gegenüber dem Vormonat an und erreichten knapp 151 Tonnen. Der Anstieg ging auf das große Interesse aus Asien zurück. Größter Abnehmer war mal wieder China (44,3 Tonnen) vor Hong Kong (39,5 Tonnen) und Thailand (21,2 Tonnen). Dass die Saisonalität eine große Rolle spielt, hatten wir bereits thematisiert. Dennoch gibt es keine große Euphorie am Markt. Im Mittel rechnen die Goldanalysten mit einem Preis von 1.250 US-Dollar bis Jahresende. Solch konservative Annahmen in einer sonst gern überzeichnenden Branche sprechen ebenfalls für steigende Kurse.

Vanguard: Abwicklung zum falschen Zeitpunkt?

Das selbst die größten Goldfans die Flinte ins Korn geworfen haben, kann man übrigens auch in Kanada beobachten. Dort strukturiert Vanguard seit Juni seinen 2,3 Mrd. Dollar schweren Precious Metal und Miningfonds um. Es ist eine Folge der miesen Entwicklung seit Mitte 2016. Allein im vergangenen Jahr fuhr man einen Verlust von knapp einem Viertel ein. Künftig soll dieses Vehikel auch am allgemeinen Aktienmarkt investieren. Seit Wochen schon werden deshalb zumeist mittelgroße und kleine Produzenten aus dem Fonds geworfen. Stattdessen dürften Tech- oder Marihuana-Werte den Weg ins Depot finden. Ob das der richtige Zeitpunkt ist, darf angesichts der hohen Bewertungen in diesen Branchen bezweifelt werden. Bis Ende September jedenfalls will das Fondsmanagement seinen Umbau abgeschlossen haben. Dann soll der Mining-Anteil bei maximal 25 Prozent liegen. Möglicherweise reduziert man also genau zum falschen Zeitpunkt sein Engagement bei Gold, Kupfer und Co. Fakt ist, dass Vanguard und auch andere Publikumsfonds zu einem Zeitpunkt aussteigen, an dem viele Miner sehr niedrig bewertet werden. Der NYSE Arca Gold BUGS Index, der die größten Goldaktien der Welt umfasst, hat binnen eines Jahres um mehr als ein Drittel an Wert verloren. In diesem Sommer scheint aber wie beim Goldpreis so etwas wie eine Bodenbildung zu gelingen. Just also, als Vanguard das Handtuch wirft.

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