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Berlin Jüdische Repräsentanten entsetzt über "Juden in der AfD"

Nachrichtenagentur: Redaktion dts
25.09.2018, 00:14  |  1529   |  11   |   
Berlin (dts Nachrichtenagentur) - AfD-Mitglieder jüdischen Glaubens planen für den 7. Oktober die Gründung einer offiziellen Vereinigung "Juden in der AfD" - offizielle und prominente Vertreter der jüdischen Gemeinden reagieren darauf mit Befremden bis Entsetzen. "Wie jüdische Menschen ihre Mitgliedschaft in einer solchen Partei vor sich selbst rechtfertigen können, ist nicht zuletzt angesichts der anhaltenden Verharmlosung der Zeit des Nationalsozialismus, die man mit Begriffen wie `Vogelschiss` und `Denkmal der Schande` verbindet, völlig unverständlich", sagt Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der "Bild". "Man sollte sich nicht täuschen lassen: Die AfD ist und bleibt eine Partei, in der Antisemiten sich pudelwohl fühlen können."

Die AfD habe "seit ihrer Gründung entscheidend dazu beigetragen, die gesellschaftliche Debatte in unserem Land zu vergiften und antisemitische Ressentiments wieder salonfähig zu machen." Die AfD benutze Juden als "Feigenblatt für plumpen AfD-Rassismus", so auch Elio Adler vom Berliner Verein "WerteInitiative". Die vermeintliche Juden- bzw. Israel-Freundschaft der Partei diene "zur Legimitation, um gegen Muslime zu agitieren". "Wir halten jedes Engagement in dieser Partei für falsch", sagt Adler. Publizist Michel Friedman, früher Funktionär beim Zentralrat der Juden, sagte "Bild": "Die AfD ist die Partei, die geistige Brandstiftung wieder salonfähig macht. Niemand sollte in die AfD eintreten, ein Jude erst recht nicht." Denn: "Das ist eine menschenverachtende, demokratiefeindliche Partei". Die AfD sei "keine Partei wie jede andere", sagt Maram Stern vom Jüdischen Weltkongress. Sie stehe "nicht mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes", hetze offen gegen Minderheiten. Zudem sei sie religionsfeindlich, etwa wenn sie fordere, zentrale jüdische Traditionen wie das Schächten oder die religiöse Beschneidung zu verbieten. "Wer in einer solchen Partei mitmacht als Jude, tut das sehendes Auges und sollte wissen, auf was er sich einlässt", sagt er. Auch er warnt davor, dass Juden diese Partei legitimieren: "Ich glaube nicht, dass man der AfD einen Koscherstempel geben sollte." Die AfD als ganzes sei nicht antisemitisch, dulde aber antisemitische Ausfälle wie die Relativierung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, sagt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zu "Bild". "Die Motivationslage für das Engagement von Juden innerhalb der AfD ist mir nicht bekannt und wirft einige Fragezeichen auf", sagt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zu "Bild". Er erwarte eine größere Diskussion über dieses Engagement.


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Kommentare

Ob wohl die Mehrheit jüdischer Mitbürger glücklich ist über die "Forderung" ihres Repräsentanten, des Herrn Schuster, Deutschland müsse aufgrund seiner Nazivergangenheit alle "Schutzsuchenden" aufnehmen?

Weiß der Mann wirklich nicht, dass in Frankreich schon jetzt Juden vermenhrt wegen zahlenmäßig stark gestiegener moslemischer Übergriffe das Land in Richtung Israel verlassen?

Will er das selbe für in Deutschland lebende Juden erreichen oder steckt etwa noch ein ganz anderer Wunsch dahinter, den ich mir gar nicht vorstellen mag.

Frau Knobloch hat seinerzei bei der großen Welle Herrn Seehofer brieflich gebeten, seiner patriotischen Pflicht nachzukommen und den ungezügelten Zuzug einzugrenzen. Hat sie nun etwa neue Anweisungen von "oben"? Wo auch immer dieses Oben sein mag.

Zu Herrn Friedmann ist nun wirklich nichts mehr zu sagen. Wer Zwangsprostituierte quasi missbraucht, der sollte künftig lieber ganz still in der Menge untertauchen. Schade, dass da die heutigen Gesetze noch nicht galten.

Ich vermute, dass gerade aus Osteuropa, vornehmlich der SU, stammende Juden sich in der AfD gut vertreten fühlen. Sie alle kennen die Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie und wollen keine neue Diktatur erleben. Es beginnt mit Worten, mit Ausgrenzung (Kein Ausschank an AfDler, Wirte werden genötigt, Einrichtungen und Außenwände verwüstet und beschädigt usw.) Als hätte es das alles in Deutschland nicht schon einmal gegeben.

Im Übrigen muss es jedem Menschen selbst überlassen bleiben, in welchen demokratischen Einrichtungen er sich vertreten fühlt und wo nicht. Etwas anderes als die Nazikeule zu schwingen bleibt den frustrierten und geschockten Altparteilern nicht mehr. Allerdings fallen immer weniger Dumme darauf herein. Videos von Parlamentsreden sind oftmals sehr interessant und lehrreich.
Auch wenn ich diese unsoziale Partei aktuell nicht wählen würde, ist das absoluter Unsinn, was da wieder über die AfD in die Welt gesetzt wird.
Ich habe lange in der ersten DDR gelebt. Und was soll ich sagen, die Unterschiede werden immer geringer. Das betrifft auch den Lumpenjournalismus und die Sprachlosigkeit der politischen Klasse.

Deshalb kommt mir diese Konstruktion auch sehr bekannt vor:
"Die Motivationslage für das Engagement von Juden innerhalb der AfD ist mir nicht bekannt und wirft einige Fragezeichen auf"
kommen mir sehr bekannt vor. Die eigene Ignoranz als "Argument" einführen, das haben schon damals die SED-Funktionäre gern getan.

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