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Cannabis Unternehmen Cannabis Unternehmen – Wo Rauch ist, ist auch Feuer?

Gastautor: Andreas Lipkow
28.09.2018, 14:03  |  2376   |   |   

In den vergangenen Wochen waren die Aktien von nordamerikanischen Marihuana Unternehmen die Highflyer an den US-Börsen. Investoren waren von den Wachstumschancen berauscht und haben die Aktien durch ihre Käufe teilweise im Kurswert vervielfacht. Das letzte Beispiel zu dieser Kaufekstase waren die Aktien der Tilray Inc.

In den vergangenen Wochen waren die Aktien von nordamerikanischen Marihuana Unternehmen die Highflyer an den US-Börsen. Investoren waren von den Wachstumschancen berauscht und haben die Aktien durch ihre Käufe teilweise im Kurswert vervielfacht. Das letzte Beispiel zu dieser Kaufekstase waren die Aktien der Tilray Inc.


Innerhalb weniger Handelswochen haben sich die Aktien im Kurswert verzehnfacht und im Anschluss über 50 % der Gewinne wieder abgegeben.


Dabei gab es große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen und Segmenten. Die Produzenten, die Distributoren und die Finanzierer zeichneten sich durch exorbitante Kurszuwächse in Bezug auf die Cannabis Branche aus. Bisher handelte es sich hauptsächlich um sog. medizinisches Cannabis, das für die Medikation von erkrankten US-Amerikanern eingesetzt werden durfte. Dieses wurde von Ärzten für ihre Patienten verschrieben und machte einen eher überschaubaren Absatzmarkt für die Unternehmen aus. So konnten bspw. in Texas nur Epilepsiepatienten Zugang zu Cannabis, und auch nur in Form von schwachpsychoaktiver Cannabidiole bekommen.
Nun zieht nach den USA auch Kanada nach und will die ehemals illegale Droge legalisieren. Dem ersten Anschein nach soll die Legalisierung weit über die medizinische Nutzung hinausgehen. Das Marktpotential läßt sich für Kanada bisher nur schwer abschätzen und kann nur durch grobe Vergleiche mit z.B. den US-Staaten Colorado oder Kalifornien abgeleitet werden. Seit dem 1. Januar 2018 ist der Cannabis-Konsum in Kalifornien, Nevada, Maine und Massachusetts legal. Über 50 Millionen Bürger erhalten damit straffreien Zugang zu Cannabis für den privaten Gebrauch. Grundsätzlich ist Cannabis in den USA auf Bundesebene immer noch illegal, egal ob dieses angebaut oder konsumiert wird. Den US-Bundesstaaten steht es jedoch frei, vom US-Bundesrecht abzuweichen, da Drogenvergehen der jeweiligen örtlichen Gesetzgebung unterliegen. Dadurch entsteht ein föderalistisches Gesetzesdickicht von Regulierungen.

 

 


Dazu eine kurze US-Chronik der Regulatorik:

1937: Cannabis wird durch den Marijuana Tax Act auf Bundesebene illegal; dieser wird 1971 durch die Controlled Substances Act abgelöst

1973: Erste Lockerung des Acts in Oregon, es folgen weitere Staaten, einschließlich Kalifornien, wo erstmals Städte eine gewisse Straffreiheit garantieren

1996: Die Bürger Kaliforniens befürworten die Legalisierung von Cannabis im medizinischen Bereich, weitere Staaten folgen

2000: Hawaii ist der erste Staat, der die medizinische Anwendung per Dekret erlaubt

2012: Colorado und Washington sprechen sich für die Legalisierung von Cannabis aus

2014: Washington DC, Alaska und Oregon ziehen nach

2016: Mit der Legalisierung in Kalifornien öffnet sich ein riesiger Markt

2018 im laufenden Jahr sind in ca. 17 Bundessstaaten mehr als zwei Dutzend
Abstimmungen zur Liberalisierung geplant

Von den nun angestrebten rechtlichen Änderung in Kanada werden vorrangig kanadische Unternehmen profitieren. Insbesondere können sich die großen etablierten Player auf aussichtsreiche kleinere und mittelgroße Unternehmen stürzen und diese Übernehmen. Erneut macht sich Goldgräberstimmung bei den Investoren breit und es stellt sich die Frage, ob dieses Segment tatsächlich noch Wachstumspotential besitzt oder das größte Potential bereits eingepreist ist.


Eine Apple, Google und Amazon galten jahrelang als überbewertet und teuer. Die Charts sprechen im Nachgang eine andere Sprache. Ähnliches könnte sich nun im Cannabis-Sektor abspielen. Die Anfangseuphorie wurde bereits konsolidiert und befinden sich die Unternehmen in der zweiten Marktphase, der Etablierungsphase. Große Old-Economy Unternehmen, wie Coca Cola haben das Potential erkannt und schließen Allianzen mit den jungen und wilden Unternehmen aus dem Sektor.

 


Kommt jetzt die Cannabis Brause?

Letztendlich spielt aber das Marktpotential, der Konsum und die Preisgestaltung der angebotenen Produkte eine Rolle. Die Markteintrittsbarrieren der Konkurrenz und die Politik/Regulatorik. Einige Aktien haben diese Entwicklung bereits in den Kursen vorweggenommen.

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