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Investieren in BMW: Können BMW-Anleger von Teslas Problemen profitieren?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
06.10.2018, 09:36  |  1303   |   |   

Die US-Börsenaufsicht SEC hat am letzten Freitag ernst gemacht und Elon Musk wegen seines „funding secured“-Tweets angeklagt. Mittlerweile gibt es einen außergerichtlichen Deal, wonach Elon Musk als Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten muss. Während Anlegern von Tesla möglicherweise schwierige Zeiten bevorstehen, sollten sich BMW-Investoren fragen, ob diese Probleme eine Chance für BMW darstellen.

Drama um Elon

Zur Vorgeschichte: Elon Musk hatte im August dieses Jahres getweetet, dass er erwäge, Tesla (WKN: A1CX3T) für 420 US-Dollar pro Aktie von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung dafür sei bereits gesichert („funding secured“). Diese Aussage wurde ihm nun zum Verhängnis, da die SEC sie als „falsche und irreführende öffentliche Aussage und Auslassung“ interpretierte.

Dass die SEC so schnell nach dem Vorkommnis mit der Klage herausrückte, ist durchaus bemerkenswert. Es scheint, als wolle sie ein Exempel statuieren. Eine Verurteilung hätte im schlimmsten Fall für Elon bedeutet, dass er dauerhaft vom Börsenhandel oder jeglicher Führungsposition in einem börsennotierten Unternehmen ausgeschlossen worden wäre.

Der Deal mit der SEC

So schlimm kommt es nun aber doch nicht. Während es am Freitag noch realistisch war, dass Elon das Unternehmen als CEO verlassen muss – was meiner Meinung nach massive negative Konsequenzen für Tesla bedeutet hätte –, sah die Welt am Montag schon wieder ganz anders aus. Elon und Tesla sind nun doch einen Deal mit der SEC eingegangen. Elon wird demnach für mindestens drei Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten und es müssen zwei zusätzliche unabhängige Vorstände ins Unternehmen geholt werden. Außerdem fällt eine Strafe von je 20 Mio. US-Dollar für Elon und Tesla an.

Der Deal sollte Tesla-Investoren etwas beruhigen: Einerseits darf Elon Musk als CEO bleiben und damit das operative Geschäft weiterhin leiten. Andererseits könnte eine neue Aufsichtsstruktur etwas mehr Stabilität in das Unternehmen bringen.

Probleme bei Tesla noch nicht überwunden

Was sich bereits jetzt ohne Zweifel sagen lässt, ist, dass die vielen negativen Schlagzeilen rund um Elon Musk dem Unternehmen Tesla schaden. Das Unternehmen sollte sich eher auf die Produktion und den Verkauf seiner Autos konzentrieren, was ohnehin eine große Herausforderung zu sein scheint. Elon hat dazu ja bekannterweise die Begriffe „Production und Delivery Logistics Hell“ erfunden.

Abgesehen von den operativen Problemen, sieht auch die finanzielle Situation bei Tesla nicht optimal aus: Bis Juni 2018 hat Tesla bereits 1,4 Mrd. US-Dollar Verluste gemacht. Dazu kommen noch etwa 10,5 Mrd. US-Dollar Schulden. Demgegenüber stehen derzeit Barmittel von lediglich ca. 2,2 Mrd. US-Dollar. Tesla-Bären rechnen daher damit, dass sich das Unternehmen demnächst wieder Geld am Kapitalmarkt besorgen muss. 

Manchmal frage ich mich auch, ob sich die Probleme bei Tesla und die Eskapaden von Elon Musk negativ auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirken. Auf Glassdoor hat Tesla ein Ranking von 3,4 (von 5) Sternen, 57 % würden das Unternehmen einem Freund weiterempfehlen und 79 % befürworten CEO Elon Musk. Ich hätte da ehrlich gesagt mit etwas höheren Werten gerechnet, zumal Elon Musk häufig als einer der besten Unternehmer unserer Zeit bezeichnet wird (zumindest von Tesla-Bullen).

Man darf durchaus behaupten, dass Tesla im Moment auf mehreren Fronten mit Problemen kämpft. Können Investoren vom Konkurrenzunternehmen BMW (WKN: 519000) davon profitieren?

BMW sehr stabil

Ein kurzer direkter Vergleich zeigt, dass BMW das eindeutig stabilere Unternehmen ist:

BMW kommt auf ein Glassdoor-Ranking von 4,1. Stolze 81 % würden das Unternehmen einem Freund weiterempfehlen und 90 % befürworten CEO Harald Krüger. Das sind eindrucksvolle Werte, die Tesla eindeutig in den Schatten stellen. Zudem wurde Harald Krüger 2018 zum beliebtesten Manager des Jahres gekürt.

Auch finanziell geht es den Münchnern weitaus besser: Im ersten Halbjahr 2018 wurde bereits ein Vorsteuergewinn von 6 Mrd. Euro eingefahren. Die Barmittel liegen bei etwa 9 Mrd. Euro.

Das Unternehmen ist jedoch nicht frei von Schulden: Insgesamt stehen 75,2 Mrd. Euro an langfristigen Rückstellungen und Verbindlichkeiten zu Buche. Dabei muss man aber aufpassen, denn 56,8 Mrd. Euro sind dem Finanzarm des BMW-Konzerns zuzurechnen. Die verbleibenden 18,4 Mrd. Euro Schulden, die dem operativen Bereich zugerechnet werden können, sind aber auch nicht ohne.

BMW kämpft selbst mit Problemen

Auch wenn die Zahlen von BMW auf den ersten Blick um einiges besser aussehen als bei Tesla, haben BMW-Investoren im Moment keinen Grund zum Feiern. Schließlich müssen sie gerade die Hiobsbotschaft verdauen, dass zumindest auf kurze Sicht die Gewinne doch nicht so sprudeln werden wie erwartet.

Das Konzernergebnis vom letzten Jahr (10,7 Mrd. Euro) soll 2018 nicht erreicht werden. Zwar wurden bis zum August dieses Jahres 1,6 % mehr Autos ausgeliefert als im selben Zeitraum des Vorjahres. Trotzdem bleibt der Ausblick für das Unternehmen eher mager. Blickt man zum Beispiel in die etwas fernere Zukunft, so rechnet BMW weltweit mit einer jährlichen Steigerung von 2 % bei Verkäufen im Premiumsegment bis 2031 – nicht unbedingt eine Wachstumsrate, die einem den Atem stocken lässt.

Vor Kurzem wurden bei The Motley Fool bereits einige Risiken der Autobranche diskutiert. Vor diesen Risiken ist natürlich auch BMW nicht gefeit. Zudem plagen den Konzern derzeit kostspielige Rückrufaktionen in Korea, China und den USA. Und auch der Handelsstreit zwischen den USA und China macht BMW zu schaffen, zumal China ein wichtiger Wachstumsmarkt ist.

Günstige Bewertung als Chance?

Diese Faktoren erklären die scheinbar sehr günstige Bewertung der BMW-Aktien (Zahlen vom 03.10.2018): Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,48 sowie eine Dividendenrendite von fast 5 % auf Basis der erwarteten Ergebnisse für 2018 wirken attraktiv. Bedenkt man aber die oben erwähnten Herausforderungen und Wachstumsprognosen, ist es schwer zu erkennen, welche Katalysatoren die BMW-Aktie in nächster Zukunft antreiben sollen.

Meiner Meinung nach befindet sich die Aktie zu Recht bereits seit einigen Jahren im Seitwärtsgang. Und Foolishe Investoren wissen, dass ein niedriges KGV nicht unbedingt ein Kaufsignal bedeutet (oft sogar das Gegenteil).

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass der BMW-Konzern über ein herausragendes Markenportfolio, viel Branchenerfahrung, ein solides Management und starke Finanzen verfügt. Im Vergleich zu Tesla und Elon Musk erscheinen diese stabilen Qualitäten heute doppelt strahlend. In einem defensiven Portfolio könnte die BMW-Aktie daher durchaus eine Überlegung wert sein.

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