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Finanzkrise Gefangen im Boom-Bust-Zyklus

07.10.2018, 18:59  |  1126   |   |   

In diesen Tagen feierte die Finanzwelt ein Jubiläum. Wobei nach Feiern wohl den wenigsten zu Mute sein wird. Am 15. September jährte sich zum zehnten Mal der Tag, an dem die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz beantragen musste.

Entgegen einer ersten Einschätzung, dass die Folgen überschaubar blieben, löste die Insolvenz dieser Bank eine große globale Finanzkrise aus. Rückblickend hat der 15. September 2008 die Welt für immer verändert. In den folgenden Monaten kam es zu einem „spill over“, zu einer Ansteckung, von der Finanz- auf die Realwirtschaft. Aus der Finanzkrise wurde eine Wirtschaftskrise. Deutschland rutschte in die tiefste Rezession, seit Ökonomen hierzulande in den 1970ern begannen, das Bruttoinlandsprodukt zu messen.

Tiefgreifender Einschnitt

Die folgende Wirtschaftskrise war ein tiefgreifender Einschnitt im Bewusstsein der Menschen. Denn die Folgen betrafen jeden, nicht nur die Aktionäre. Ganze Staaten drohten in den folgenden Monaten in den Staatsbankrott zu schlittern. Die Regierungen und Notenbanken mussten gigantische Hilfspakete auflegen, schafften die Zinsen faktisch ab und pumpten Milliarden auf Pump in den Finanzmarkt.

Griechenland alleine musste mit fast 290 Milliarden Euro dreimal von den anderen Euro-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) gerettet werden. Erst seit wenigen Wochen kann sich das Land wieder selber an den Finanzmärkten refinanzieren. Doch trotz harter Reformen liegt die Schuldenlast immer noch bei rund 180 Prozent der Wirtschaftsleistung. Mehr als 40 Jahre soll Athen noch eisern weitersparen, um sie abzutragen. Kein Land der Welt hat das jemals geschafft. Auch Italien schlingert immer noch am Rande des Staatsbankrotts. Dort beläuft sich der Schuldenstand auf 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Wohlhabende hatten Hypothekenvolumen am stärksten aufgebläht

Auslöser der Krise war das Platzen der Immobilienblase in den USA ein Jahr zuvor. Am Anfang ging man davon aus, dass die Banken zu großzügig Immobiliarkredite an nicht solvente Haushalte, sogenannte Subprime-Schuldner, vergeben hatten. Die Ursprungsthese lautete, das gierige Banken diesen „Habenichtse“ großzügig Hypotheken ermöglicht hätten. Als dann die Häuserpreise fielen, seien diese schlechten Schuldner in existenzielle Not geraten und hätten mit ihren Schulden alles nach unten gerissen Aus diesem Grund spricht man heute noch gerne von der Subprime-Krise.

Neuere Untersuchungen zeichnen allerdings ein anders Bild. Drei US-Ökonomen haben in aufwendiger Arbeit einen riesigen Datensatz der Kreditdaten von Amerikanern untersucht: Ab 2004 kam es am US-amerikanischen Immobilienmarkt zu einem Boom. Die Immobilienpreise zogen massiv an. Die Ökonomen untersuchten, wer in dieser Phase mehr Kredite erhalten hatte, die guten, mit hohen Einkommen und guter Kredit-Historie oder die schlechten Schuldner. Das Ergebnis überraschte. Denn es waren nicht die Subprime-Schuldner, die plötzlich mehr und höhere Hypotheken erhalten hatten. Bei diesen hatte es kein Kreditwachstum gegeben.

Das Gegenteil war der Fall, die Haushalte mit den besten Kreditprofilen hatten ihr Hypothekenvolumen am stärksten aufgebläht. Die wohlhabenden Amerikaner fingen im großen Stil an mit Immobilien zu spekulieren. Kredite bekamen sie einfach, da sie über das beste Kreditprofil verfügten. Als 2007 die Immobilienpreise plötzlich implodierten, bekamen diese Investoren am schnellsten Probleme. Eine riesige Verkaufswelle setze am Häusermarkt ein. Diese Spekulanten trieben mit ihren vielen Zwangsvollstreckungen die Preise für Häuser insgesamt in die Tiefe. Ganze Wohnquartiere entwerteten sich über Nacht. In der Folge wurden dann alle mitgerissen, auch die Subprime-Schuldner, die gar nicht spekuliert hatten.

Banken gaben Risiko an Dritte weiter

Die Banken trugen dann ihren Teil dazu bei, das die Immobilienkrise der USA zu einer Finanzkrise der ganzen Welt wurde. Denn sie wussten, dass die Gefahr eines Kreditausfalls mit jeder weiteren Hypothek die sie vergaben zunahm. Sie gaben das Risiko einfach an Dritte weiter, indem sie strukturierte Finanzprodukte schufen. Diese brachten sie als Mortgage Backed Securities oder Collateralized Mortgage Obligations in Umlauf. Sie zerstückelten die Hypotheken und schnürten sie zu neuen Paketen innerhalb dieser Produkte zusammen.

Ratingagenturen und Finanzmathematiker bescheinigten ihnen, dass die Risiken dadurch schrumpften und nicht wuchsen. Die Banken verkauften diese Papiere dann in alle Welt und sie verteilten sich im globalen Finanzsystem. Die Banken verdienten mit der Zweitverwertung der Hypotheken nicht schlecht. Es führte auch dazu, dass Banken bei der Vergabe von Krediten noch großzügiger sein konnten. Zum einen gingen sie von wachsenden Immobilienpreisen aus, zum anderen trugen das Risiko ohnehin Dritte.

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