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Der bessere Kauf: BYD gegen Daimler

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
08.10.2018, 09:48  |  2550   |   |   

Der chinesische Autokonzern BYD (WKN:A0M4W9) und unser deutscher Autobauer Daimler (WKN:710000) haben auf den ersten Blick zwei Dinge gemeinsam: Erstens sind beide große Autohersteller in ihrem Heimatmarkt, und zweitens kommen ihre Aktien seit Jahren nicht wirklich vom Fleck.

Da hört es aber schon auf mit den Gemeinsamkeiten: Während BYD bereits ein großer Spieler im Bereich Elektroautos ist, hängt Daimler in dieser Sache noch ziemlich hinterher. Damit scheint BYD zumindest zum jetzigen Zeitpunkt besser für die automobile Zukunft aufgestellt zu sein. Doch ist BYDs Aktie auch der bessere Kauf?

Wie sehen die Geschäftsmodelle aus?

Wie ich bereits angedeutet habe, ist BYD im Automobilgeschäft ganz anders aufgestellt als Daimler. 2017 konnte BYD über 110.000 Elektroautos und Hybride verkaufen, mehr als jeder andere Autohersteller weltweit. Auch in den beiden Jahren davor verkaufte man weltweit die meisten Autos mit alternativen Antrieben. Dazu dürfte beigetragen haben, dass in China die Elektromobilität extrem stark vorangetrieben wird.

Ebenfalls zum Automobilgeschäft zählen BYDs vollelektrische Busse sowie der Skyrail, eine Hochbahn, die auf einer Schiene fährt. Letzteres Geschäftssegment wurde erst kürzlich eingeführt und entwickelt sich dem Management zufolge zufriedenstellend, aus verschiedenen Städten besteht Nachfrage nach dem System.

Zusätzlich zum prominenten Automobilgeschäft betreibt BYD noch weitere Geschäftssparten: Das Unternehmen stellt für seine Partner in der Elektroindustrie Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen zur Verfügung und baut ganze Fertigungsanlagen für Handyhersteller. Weiterhin stellt das Unternehmen Batterien z. B. für Handys und Kameras sowie Stromspeicher für den Einsatz in (Solar-)Kraftwerken her.

BYD darf man demnach nicht als reinen Autohersteller sehen. Nur etwas mehr als die Hälfte der Umsätze BYDs stammen aus der Automobilsparte, der Rest teilt sich auf die anderen beiden Geschäftsbereiche auf.

Daimler hingegen bedient nur das Geschäft, was bei BYD als die Automobilsparte zählen würde. Dafür ist Daimler hier ein echter Riese: Den umgerechnet 6,9 Mrd. Euro Umsatz aus BYDs Autogeschäft stehen 164,3 Mrd. Euro aufseiten von Daimler gegenüber.

An Daimler mag ich sehr, dass die Marke Mercedes-Benz auf der ganzen Welt eine große Stärke besitzt – nahezu überall auf der Welt weiß man, was eine S-Klasse ist. Doch das wird Daimler nichts nutzen, wenn man den Anschluss im E-Automarkt verpasst – hier hat BYD große Vorteile: Das Unternehmen sitzt in China und ist daher quasi prädestiniert für starkes Wachstum bei den Elektroautoverkäufen. Auch die eigene Batterieproduktion von BYD ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Daher nimmt BYD hier den Punkt mit.

Und die Unternehmenszahlen?

Wenn ich in ein Unternehmen investiere, sind mir das Geschäftsmodell und die zukünftigen Perspektiven natürlich sehr wichtig. Mindestens genauso wichtig ist mir jedoch eine stabile Unternehmensbilanz, damit ich sicher sein kann, dass das Unternehmen nicht in finanzielle Engpässe kommt.

Eigenkapitalquote Liquidität II. Grades Verzinsung des eingesetzten Kapitals
BYD 33,7 % 79,0 % 11,2 %
Daimler 25,6 % 93,0 % 8,0 %

Quelle: eigene Berechnungen, Jahresabschlüsse des Geschäftsjahrs 2017

Wir sehen hier ein gemischtes Bild: BYDs Geschäft ist zu einem höheren Anteil mit Eigenkapital finanziert als das von Daimler, was für eine etwas höhere Stabilität spricht.

Bei der Ausstattung mit Liquidität schneidet jedoch Daimler besser ab als BYD: Die Liquidität II. Grades setzt das Umlaufvermögen abzüglich der Vorräte ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten und ist ein Maß dafür, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Unternehmen in Zahlungsengpässe kommt. BYD ist hier einem höheren Risiko ausgesetzt.

Bei der Verzinsung des eingesetzten Kapitals, auch ROCE genannt, kann BYD wiederum punkten: BYDs EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) lag im Verhältnis zu dessen Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital höher als das von Daimler, BYD weist also die etwas höhere Rentabilität auf.

Keines der beiden Unternehmen kann mich hier nachhaltig überzeugen. Ich finde die Liquidität II. Grades bei BYD einfach zu niedrig, als dass ich den Chinesen hier den Sieg geben könnte. Daher werden die Punkte in diesem Duell geteilt.

Wie sind die Aktien bewertet?

BYD hat also die besseren Zukunftsaussichten im Vergleich zu Daimler und der Bilanzcheck brachte keinen Sieger hervor. Nun werde ich noch überprüfen, wie die Aktien der Unternehmen an der Börse bewertet sind, um mein finales Urteil abzugeben. Denn eine zu hohe Bewertung heute kann eine geringere zukünftige Rendite bedeuten und damit eine Aktie gleich viel unattraktiver machen.

Schauen wir uns daher die Bewertung in Bezug auf einige gängige Kennzahlen an:

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
BYD 2,1 1,2 25,4
Daimler 0,9 0,4 5,5

Quelle: eigene Berechnungen, Jahresabschlüsse des Geschäftsjahrs 2017, Schlusskurse vom 5. Oktober 2018

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