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Marktkommentar: Neil Dwane (Allianz GI): Die Inflation könnte schneller steigen, als viele denken
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Marktkommentar Neil Dwane (Allianz GI): Die Inflation könnte schneller steigen, als viele denken

Nachrichtenquelle: Asset Standard
08.10.2018, 10:05  |  528   |   |   

Inflation oder Nicht-Inflation? Diese Frage stellen sich derzeit viele Anleger.

Es ist für die wenigsten eindeutig, wie die aktuellen Daten zu interpretieren sind. In seiner aktuellen Publikation schreibt Neil Dwane darüber, dass Inflation schneller steigen kann, als man denkt und wie sich Anleger darauf vorbereiten können.

27.09.2018

Das Wichtigste in Kürze

  • Auch wenn die Inflation derzeit gebannt scheint, sollte sie nicht unterschätzt werden: Ölpreise, Währungsschwankungen und Handelskonflikte könnten einen unerwarteten Inflationsschub auslösen.
  • Durch das gleichzeitige Auftreten inflationärer Faktoren und struktureller disinflationärer Kräfte (Alterung der Gesellschaft, Rückgang der Erwerbsbevölkerung usw.) steigt das Risiko, dass Notenbanken falsche geldpolitische Entscheidungen treffen.
  • Für Notenbanken ist eine anziehende Inflation wahrscheinlich eher ein Grund zur Freude und weniger ein Anlass, diese Regung im Keim ersticken zu müssen, wie es noch vor Jahrzehnten üblich war.
  • Anstatt darüber zu diskutieren, wie hoch die Inflation nun tatsächlich ist oder weshalb sie nicht auf historisch übliche Niveaus zurückkehrt, sollten Anleger ihre eigene Sorglosigkeit in puncto Inflation hinterfragen.


Anleger sollten die Inflation nicht unterschätzen: sie mag zwar nicht gleich auf historische Niveaus zurückkehren, die Voraussetzungen für einen unerwarteten Anstieg sind jedoch gegeben. Zum Schutz vor Kaufkraftverlust sollten Investoren neben Aktien und inflationsindexierten Anleihen auch auf reale Assets wie Rohstoffe und Immobilien setzen.

Einst war sie unter Investoren gefürchtet, doch seit fast vier Jahrzehnten spielt die Inflation keine große Rolle mehr – weder in der Weltwirtschaft noch in den Strategien vieler Investoren. Sorglosigkeit macht sich breit, sowohl unter Verbrauchern (die sich über niedrige Inflationsraten freuen) als auch unter Anlegern (die bei niedriger Inflation keinen Druck verspüren, höhere Realrenditen erzielen zu müssen).

Notenbanken streben dagegen in der Regel ein bestimmtes Inflationsniveau an, um das Wachstum ihrer Volkswirtschaften zu unterstützen. In den zurückliegenden Jahren lag dieses Inflationsziel bei 2 % p.a. Nach der Finanzkrise haben die Zentralbanken die Geldmenge mit niedrigen Zinsen und quantitativen Lockerungsmaßnahmen jedoch massiv ausgeweitet, ohne dass es zu einer wesentlichen Inflationierung kam.

In den Jahren nach Finanzkrise ist die Inflation trotz massiver Geldmengenausweitung der Notenbanken kaum gestiegen

Die Inflation wird durch mehrere disinflationäre Kräfte (wie etwa die Alterung der Gesellschaft und der Rückgang der globalen Erwerbsbevölkerung) in Schach gehalten, deren Dynamik bislang nicht nachzulassen scheint. Hinzu kommen steigender Wettbewerbsdruck und die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft, die den Unternehmen das Anziehen der Preisschraube erschweren. Im Zuge dieser beunruhigenden Entwicklungen steigt das Risiko, dass Notenbanken bei der Umsetzung ihres Inflationsmandats falsche geldpolitische Entscheidungen treffen.


Gründe für einen möglichen Inflationsanstieg

Auch wenn die Inflation derzeit gebannt scheint, sollte sie nicht unterschätzt werden. Nach unserer Einschätzung gibt es mehrere Gründe, die für einen möglichen unerwarteten Inflationsanstieg sprechen:

  • Die Ölpreise scheinen weiterhin um die Marke von 75 USD pro Barrel zu pendeln, was sich als inflationsfördernd erweisen könnte. Ein Ölschock im Nahen Osten könnte die Preise noch weiter nach oben treiben.
  • Die divergierende Notenbankpolitik der großen Währungsräume trägt zur Volatilität an den Devisenmärkten bei. Vom Außenhandel abhängige Länder laufen Gefahr, über schwächere Währungen Inflation zu importieren – mit negativen Folgen für die realen Konsumausgaben und Investitionen.
  • China treibt die Reform der Staatsunternehmen voran und verlagert den Fokus seiner Exporte von der Beschäftigungssicherung auf die Wertschöpfung. Von höherpreisigen Gütern könnten Exporteure profitieren, während Verbraucher darunter leiden.
  • Handelskonflikte sind hoffentlich nur ein kurzlebiges Phänomen, die Spannungen zwischen den USA und China oder anderen Staaten könnten jedoch einen leichten Anstieg der globalen Inflation zur Folge haben.
  • Assetpreise wurden durch „billiges“ Geld und hohe Schuldenhebel aufgebläht, doch auch auf dem Immobilienmarkt könnten Probleme auftreten, wenn die Kaufpreise und Mieten weiter steigen, die Konsumausgaben sinken und die wirtschaftliche Ungleichheit zunimmt.
  • Höhere Löhne und Rohstoffpreise schlagen sich in steigenden Produktionskosten nieder, weshalb den Unternehmen am Ende nur die Wahl zwischen Preisanhebungen und Margeneinbußen bleiben könnte.


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