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Marktkommentar: David Zahn (Franklin Templeton): Verantwortliches Investieren
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Marktkommentar David Zahn (Franklin Templeton): Verantwortliches Investieren

Nachrichtenquelle: Asset Standard
08.10.2018, 11:05  |  509   |   |   

Das Bewusstsein und die Sorge um die Umwelt haben sich in der breiten Öffentlichkeit grundlegend verändert.

In den 16 Jahren seit der erstmaligen Vorstellung der Prinzipien für verantwortliches Investieren (Principles for Responsible Investment, PRI) haben sich das Bewusstsein und die Sorge um die Umwelt in der breiten Öffentlichkeit grundlegend verändert. In der Welt der Vermögensverwaltung spiegelt sich dies bislang jedoch nicht unbedingt wider.

David Zahn, Head of European Fixed Income, hat kürzlich an der jährlichen PRI Conference in San Francisco teilgenommen hat und erkennt bei Anlegern und Anlageverwaltern zunehmend Veränderungsbereitschaft.

Nach unserer Teilnahme an der diesjährigen Principles for Responsible Investment Conference (PRI) in San Francisco (ganz in der Nähe der Firmenzentrale von Franklin Templeton in San Mateo) ist uns eines sehr deutlich geworden: Anleger und Anlageverwalter müssen proaktiv auf die sich ändernde Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber der Umwelt eingehen.

Die Konferenz fand statt, während Hurrikan Florence gleichzeitig die US-Ostküste heimsuchte. Da überrascht es nicht, dass Klimarisiken für viele Teilnehmer ganz oben auf der Tagesordnung standen. Zudem wurde viel darüber diskutiert, wie Anleger Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) beurteilen und steuern.

Wir sind davon überzeugt, dass die wichtigste Kraft im Umgang mit Umwelt- und Sozialbelangen die Art und Weise sein dürfte, wie wir unser Geld anlegen. Unserer Ansicht nach hat dies einen noch größeren Einfluss als Anstrengungen von Nichtregierungsorganisationen oder zwischenstaatliche Abkommen.

Daher war es ernüchternd, bei einer kurzen Umfrage per Handzeichen festzustellen, dass nur etwa 10 % der Konferenzteilnehmer Portfoliomanager oder Investmentrisikoträger waren.

Dieser geringe prozentuale Anteil deutet in unseren Augen darauf hin, dass die Integration von ESG-Prozessen innerhalb der Vermögensverwaltungsbranche bei weitem noch nicht das zu wünschende Niveau erreicht hat.

Mehrere Redner bei der Konferenz hoben hervor, wie wichtig es ist, ESG-Prozesse zu integrieren, anstatt ESG als separate Disziplin zu behandeln.

Ein integrierter Ansatz für ESG

Bei Franklin Templeton arbeiten wir daran, ESG-Aspekte zu einem integralen Bestandteil unserer Beurteilung von Sektoren und künftiger geschäftlicher Chancen zu machen.

Als aktive Vermögensverwalter halten wir es für wichtig, genau zu verstehen, wie breitere makroökonomische Themen wie CO2-Ausstoß und Wasserbelastung die längerfristigen strategischen Risiken und Chancen für die Vermögenswerte in unseren Portfolios beeinflussen.

Unsere Research-Teams haben Zugang zu Tools, die es ihnen ermöglichen, ESG-Daten selbst zu erarbeiten, anstatt sich auf ein separates Team verlassen zu müssen, dass einen Overlay für Finanzbewertungen liefert.

Diese Tools umfassen neben Ratings und Research-Ergebnissen externer Anbieter auch unsere eigenen, selbstentwickelten Modelle.

Latente Risiken können zu schnell zu Überraschungen führen

Wenn Unternehmen nicht angemessen auf Aspekte wie etwa eine Bekämpfung des Klimawandels, eine Anpassung an klimatische Risiken, Wasserknappheit oder Cybersicherheit eingehen, stellt dies unserer Ansicht nach mehr als nur eine ökologische oder soziale Herausforderung dar. Wir betrachten diese Themen als wirtschaftliche Faktoren und wollen sie daher aus Risiko- und Ertragsperspektive genau verstehen.

Wir sind der Ansicht, dass diese Belange zusätzliche Quellen potenzieller Risiken und Chancen für Anlagen identifizieren, die häufig unterhalb der Oberfläche von Daten aus Unternehmens- und Staatsbilanzen lauern.


Und als Anleger müssen wir uns latenter Risiken bewusst sein, die womöglich im Risikoregister schlummern, dann plötzlich jedoch sehr schnell zum Vorschein kommen können.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Kunststoff. Noch vor fünf Jahren machten sich nur die wenigsten Sorgen um die Verwendung von Plastik. Heute hingegen gilt es als globales Thema, und immer mehr Länder verabschieden Richtlinien und Sanktionen zur Verringerung der Umweltbelastung durch Kunststoff.

Diese Themen können so schnell und plötzlich ganz oben auf der Tagesordnung stehen, dass sie erhebliche Auswirkungen auf Anlagen haben können. Daher müssen sie unbedingt im Rahmen eines integrierten ESG-Ansatzes berücksichtigt werden.

Die Rolle der Millenials

Eine neue Anlegergeneration übernimmt bei dieser Veränderung der Stimmungslage eine Vorreiterrolle. Wir erkennen, dass viele junge Anleger, insbesondere die sogenannten Millenials, offenbar sehr viel stärker als andere Generationen darauf achten, wo ihr Geld zum Einsatz kommt.

In vielen Fällen scheinen diese jüngeren Anleger mehr darauf bedacht zu sein, dass ihr Geld im Hinblick auf Umweltbelange in guten Händen ist. Für sie geht es bei der Anlage nicht ausschließlich darum, Gewinne einzustreichen.

Dennoch deuten die bisherigen Erkenntnisse darauf hin, dass sich diese beiden Aspekte – sich umweltfreundlich zu verhalten und Geld zu verdienen – nicht unbedingt gegenseitig ausschließen müssen.

Der ehemalige Vizepräsident der USA Al Gore erklärte den Konferenzteilnehmern in seiner Eröffnungsrede: „Die Vorstellung, dass Umwelt und Wirtschaft im Konflikt zu einander stehen, ist falsch.“

In der Vergangenheit waren viele Anleger davon ausgegangen, dass ein ESG-orientierter Ansatz niedrigere Renditen bedeuten würde.

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