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Interview Sleepz: Management und Investition sorgen für Neustart

09.10.2018, 12:35  |  6924   |   

Die im Prime Standard notierte Sleepz AG (ISIN: DE000A2E3772), so der Name der früheren bmp Holding AG, erfindet sich gerade neu als Online-Anbieter rund um das Thema Schlaf sowie „Home & Living“.

Bisher wurde die Strategie von der Börse sehr skeptisch beäugt, vor allem auch weil das dafür nötige Kapital fehlte. Um richtig durchzustarten und zwei komplementäre Unternehmen – die Urbanara und die Stil Art Möbel (SAM) – zu übernehmen, braucht Sleepz mindestens 5 Mio. Euro. Das Geld sollte eigentlich durch eine Wandelanleihe eingesammelt werden, deren Platzierung allerdings schleppend voranging. Der Kapitalmarkt erwartete eigentlich ein Scheitern, was auch das Ende von Sleepz hätte bedeuten können. Dementsprechend niedrig ist der aktuelle Aktienkurs.

Am Freitag kamen dann allerdings die rettenden Ankerinvestoren: Die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft Heliad und die Apeiron Investment Group garantieren zusammen 5 Millionen Euro Cash-Zufluss – 2 Millionen Euro über die Wandelanleihe und 3 Millionen Euro über ein direktes, langfristiges Darlehen. Oliver Bormann, der noch für die „alte bmp“ stand, scheidet aus dem Vorstand aus. Somit ist der Weg frei für eine neue Ära. Wir haben mit dem neuen Vorstand Alexander von Tschirnhaus über seine Pläne gesprochen.

Herr von Tschirnhaus, e-commerce ist doch eigentlich ein miserables Geschäft. Es wird einfach nachhaltig kein Geld verdient, und wenn überhaupt, sind die Margen kaum mit der Lupe zu erkennen. Am Ende wird doch Amazon der einzige Gewinner sein. Oder sehen Sie das anders?

Das sehe ich zumindest teilweise anders. Richtig ist meiner Meinung nach, dass reine Plattformen, also Wiederverkäufer von austauschbaren Waren, nicht dauerhaft erfolgreich gegen Amazon werden bestehen können. Dafür sind integrierte, so genannte „direct-to-consumer“ Firmen, die eigene Produkte selbst produzieren, die ganze Wertschöpfungskette kontrollieren und dann auch online vertreiben, extrem erfolgreich und machen ab einer bestimmten Größe auch stattliche Gewinne. Deren Produkte und Marken können dann in einem gesunden Mix vor allem über die eigenen Online-Shops, aber ebenso stationär und auch über Plattformen wie Amazon vertrieben werden. Man verdient dann aber eben an allen Umsätzen, kann die Preisgestaltung kontrollieren und entgeht so dem harten, unrentablen Preiskampf bei Drittmarken. So schaffen wir es beispielsweise bereits heute, unsere eigene Matratzenmarke „Wolkenwunder“ auf Amazon sehr erfolgreich unter den Top-10 Matratzen zu platzieren und damit den „Vertriebskanal Amazon“ sehr erfolgreich für uns zu nutzen. Und das ist genau das Geschäftsmodell, welches wir mit Sleepz über verschiedene Marken nun noch konzentrierter ausbauen wollen.

Bisher ging auch diese „direct-to-consumer“ Strategie eher schleppend voran. Die Zahlen Ihrer Gesellschaft waren alles andere als gut. So richtig zu funktionieren scheint also auch dieses Modell nicht. Aus welchem Grund sollten Anleger jetzt investieren, wenn die Vergangenheit für Aktionäre doch eher frustrierend war?

Wir wollen nichts beschönigen. Die Vergangenheit der bisherigen Sleepz AG hat bestimmt keinen Platz in der Ruhmeshalle verdient. Das ist uns bewusst und das zeigt auch die Entwicklung des Aktienkurses. Auch die Entwicklung der Zahlen war bisher enttäuschend. Es wurde sehr viel versprochen, aber leider zu wenig geliefert. Doch damit ist jetzt Schluss. Für mich ist die Vergangenheit abgehakt. Wir schauen jetzt nach vorne und werden mit einer viel leistungsfähigeren Ausstattung an Ressourcen nun endlich Gas geben können. Vor allem fehlte es uns bisher an einer kritischen Größe. Mit den beiden schon kommunizierten Übernahmen erreichen wir diese allerdings sehr schnell. Durch das Zentralisieren von Bereichen wie IT, Einkauf, Finanzen, Marketing und Logistik realisieren wir enorme Kosteneinsparungen in Höhe von mehreren Millionen Euro. Bereits 2019 auf Monatsbasis und spätestens 2020 auf Jahresbasis werden wir aufgrund dieser beiden Übernahmen die Profitabilitätsschwelle erreichen. Weiteres Wachstum – sowohl anorganisch als auch organisch – wird dann profitabel sein. Wir treten an, um ein hochprofitables Unternehmen zu formen.

Gibt es noch ein Risiko, dass die beiden Übernahmen nicht klappen?

Nein, beide Unternehmen sind bereit für die Übernahme.

Können Sie uns bitte Urbanara kurz erklären.

Urbanara ist eine sehr etablierte und starke Marke für hochwertige Heimtextilien und Wohnaccessoires. Das Unternehmen hat eine extrem hohe Kundenzufriedenheit und überdurchschnittlich viele Wieder-Käufer, also Kunden, die regelmäßig bestellen. Das alles hat sich das Management rund um Christian Salza, der einer der besten e-commerce Manager in Deutschland ist, durch perfekt auf die Kundengruppen abgestimmte Sortimente und extremen Fokus auf Qualität, natürliche Materialien, beste Verarbeitung und Transparenz erarbeitet. Es ist geplant, dass Christian nach Umsetzung der Übernahme auch in den Vorstand der Sleepz AG einzieht und mit mir zusammen die gesamte Gruppe leiten wird. Dank dieser Strategie entwickelt sich Urbanara sehr gut. Der Umsatz in 2018 wird voraussichtlich über 8 Millionen Euro liegen. Und die Firma wächst nun, nach Abschluss aller Effizienzsteigerungsmaßnahmen, mit deutlich über 20% pro Monat gegenüber dem Vorjahr.

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