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Absurdestes IPO des Jahres 2018 WESTWING ist eine echte Geldvernichtungsmaschine!

Gastautor: Volker Glaser
09.10.2018, 00:02  |  5770   |   |   

Die im Jahre 2011 gegründete Westwing Group AG steuert auf das glatte Börsenparkett zu. Wir können vor diesem Börsengang und der Aktie nur warnen. Unserer Meinung nach hat das Unternehmen an der Börse nichts zu suchen. Es fehlt sogar an der Börsenreife. Westwing sieht sich selbst als führende Marke und Plattform im Home & Living eCommerce in Europa. Die Westwing Group AG hat die Spanne für den Börsengang pro Aktie auf 23 bis 29 Euro festgelegt.

Begleitet wird das Unternehmen zum IPO von der Berenberg Bank. Laut einer Mitteilung der Bank von vergangener Woche soll die Emission auf Basis einer Bandbreite zwischen 26 und 29 Euro bereits voll gezeichnet sein. Das bisherige Grundkapital ist eingeteilt in 15.54 Mio. Aktien. Größter Aktionär ist Rocket Internet mit einem Anteil von 30 %. Es folgen die Investoren Kinnevik AB, Len Blavatnik, Summit Partners und Tengelmann Ventures. Zum Börsengang werden 4.4 Mio. neue Aktien angeboten. Der Greenshoe: Zusätzlich 660 000 neue Aktien. Insgesamt könnte sich der Brutto-Emissionserlös in der Spitze auf bis zu 145 Mio. Euro belaufen, der vollständig Westwing zufließt. Das Unternehmen kann das Geld gut gebrauchen. In den letzten Jahren war das Unternehmen eine echte Geldvernichtungsmaschine. Geld hat Westwing bisher nie verdient. 2017 versenkte die Bude satte 33 Mio. Euro bei Umsätzen von 220 Mio. Euro. In einer Studie der Berenberg Bank werden für 2018 Einnahmen von 259 Mio. Euro erwartet und ein bereinigtes EBITDA von 4 Mio. Euro. Netto werden erneut 14 Mio. Euro platt gemacht. 2010 soll sich der Verlust auf 5 Mio. Euro reduzieren. Das bereinigte EBITDA wird dann bei 9 Mio. Euro gesehen, und der Umsatz soll sich auf 311 Mio. Euro belaufen. Für 2020 schätzt Berenberg Bank endlich mal einen Nettogewinn. Er soll sich auf atemberaubende 1 (in Worten: eine) Mio. Euro belaufen. Das bereinigte EBITDA wird 2020 auf 16 Mio. Euro geschätzt und der Umsatz auf über 350 Mio. Euro. Das entspricht einer bereinigten EBITDA-Marge von 4.5 %. Sexy ist das alles nicht. Dazu müssen Sie wissen, dass zum Börsengang die Erwartungen meist so hoch liegen, damit sich die Aktien auch besser verkaufen lassen. Problem: Die meisten Unternehmen verfehlen die Erwartungen „ihrer“ IPO-Bank oft sehr massiv. Wir gehen davon aus, dass Westwing die Erwartungen der Berenberg Bank nicht erreicht. In der Spitze errechnet sich für Westwing ein Börsenwert von sage und schreibe bis zu 600 Mio. Euro. Absurd! Die Kosten für den Börsengang könnten sich schätzungsweise auf ca. 7 Mio. Euro belaufen.

Wie Westwing-CEO und Gründer Stefan Smalla auf die Aussage kommt, „wir haben ein sehr erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt und uns als führende Marke für Home & Living eCommerce in Europa etabliert“, ist uns angesichts der Historie und der Zahlen der Gesellschaft ein Rätsel und bleibt wohl sein Geheimnis. Erfolgreich scheint das Management indes beim Einsammeln von Geldern zu sein. In den letzten Jahren hat Westwing einen ordentlichen dreistelligen Millionenbetrag durch den Schornstein gejagt. Die neuen Mittel will das Unternehmen in erster Linie für Investitionen in die Technologieplattform einsetzen sowie ihre Kundenerfahrung nutzen, um das internationale Marktwachstum voranzutreiben. Darüber hinaus soll ein Teil der Erlöse aus dem Börsengang für die Schuldentilgung verwendet werden. Aktuell ist das Unternehmen in 11 Ländern Europas aktiv. Bleibt zu hoffen, dass die Gelder für das Wachstum ins „internationale Marktwachstum“ damit besser investiert sind als in der Vergangenheit. Das noch junge Unternehmen hat sich bereits schon wieder aus den Ländern Brasilien, Russland und Kasachstan zurückgezogen. Für die Tilgung von Schulden ist ein Betrag von 20 bis 25 Mio. Euro vorgesehen. Diese Gesellschaft, die Rocket Internet zuzurechnen ist, wird’s freuen. Sie bekommt ihr Geld von rund 15 Mio. Euro zurück, für ein Darlehen, welches bisher mit 10.75 % ordentlich verzinst wurde.

Neben Smalla wurde Westing von Delia Fischer gegründet. Sie agiert als Creative Director im Vorstand und ist ehemalige Redakteurin. Regelrecht geschockt sind wir allerdings, dass die „Gründer“ gar nicht bzw. fast gar nicht an „ihrem“ Unternehmen beteiligt sind. Fischer hält überhaupt keine Aktien an Westwing. Smalla besitzt wenigstens noch über 400 000 Stücke. Aber das ist schon fast lächerlich. Smalla hat aber zumindest ordentlich Optionen, während diese bei Fischer überschaubar ausfallen. Ist der Börsengang übrigens vom Erfolg gekrönt und in Abhängigkeit des volumengewichteten Aktienkurses in den ersten 30 Tagen nach dem IPO, kann sich der insgesamt dreiköpfige Vorstand über einen netten Bonus freuen, der sich kumuliert auf 1.8 Mio. Euro belaufen kann. Jeder der 3 Vorstände soll pro Jahr übrigens 615 000 Euro fix verdienen. Fischer erhält weitere 160 000 Euro für PR-Zwecke. Angesichts eines negativen Eigenkapitals zum 30. Juni 2018 und auflaufender „Gewinnrücklagen“ – der bilanzielle Fachbegriff für die Aufbauverluste von Westwing - von sage und schreibe negativen 276 Mio. Euro, finden wir die Vergütung schon sehr fürstlich und reichlich überzogen. Nicht nur einem Schwaben zieht es da fast die Schuhe aus, was in der eCommerce-Welt an Gehaltshoppern unterwegs ist.

Wir raten die Aktie von Westwing strikt zu meiden. Aufgrund der absurden Bewertung könnte die Aktie sogar ein Paradies für Shortseller werden. Per Ende Juni 2018 lag der bereinigte Buchwert pro Aktie übrigens bei 1.08 Euro je Aktie.

www.vorstandswoche.de

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