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DAX: Top-Formation und weitere Warnsignale

Gastautor: Sven Weisenhaus
09.10.2018, 11:31  |  1132   |   |   

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

in diesem Jahr mussten wir uns bereits zweimal mit möglichen Top-Formationen im DAX beschäftigen – zunächst Ende April und dann noch einmal Anfang August. Nun gibt es dazu erneut Anlass, und die Zahl der Warnsignale nimmt dabei zu.

Diamant als neue Top-Formation?

Im April sah alles nach einer SKS aus (Schulter-Kopf-Schulter-Formation), die sich aber bald danach als formal hinfällig erwies. Im August war es bestenfalls noch eine sehr verschobene (und damit keine regelgerechte, sondern eine unzuverlässige) SKS oder ein ebenso unsicherer Diamant (auf den ein Leser in einem Kommentar zu dem damaligen Beitrag hinwies).

Inzwischen zeichnet sich das Szenario des Diamants aber recht konkret ab. Dazu der folgende Chart:

DAX-Monatsschart ab 2009 (1)

Charttechnisch ist ein Diamant eine zweiteilige Formation, bei der sich zunächst ein nach rechts öffnendes Dreieck bildet, dem sich ein klassisches, „schließendes“ Dreieck anschließt. Dadurch entsteht eine Raute – das typische Symbol des Diamanten (siehe blaue Linien).

Was diese Top-Formation auf keinen Fall ist

Nun spielt in der Charttechnik häufig die Symmetrie der Formationen eine große Rolle und damit sind wir auch schon beim wichtigsten Kritikpunkt an dieser Formation: Dieser „Diamant“ ist auf der Unterseite sehr flach – seine Tiefs liegen zumindest in einer relativ schmalen Zone (grünes Band).

Diese Zone kann man mit etwas gutem Willen auch als „Linie“ auffassen, wodurch man geneigt sein könnte, diese Formation auch weiterhin als SKS anzusehen. Und tatsächlich findet man derzeit einige Analysen, die genau das behaupten.

Allerdings gilt natürlich weiterhin das, was ich im August über diese vermeintliche SKS sagte: Es ist keine – daher eignet sich diese Formation zumindest nicht für das klassische Trading. Doch es besteht nach wie vor die Gefahr, dass es trotzdem eine Top-Formation wird. Und die nun mögliche Diamant-Formation erhöht diese Gefahr deutlich. Zudem gibt es andere Gefahrensignale, die dieses Szenario stützen.

Der Diamant als charttechnisches Mysterium

Bevor ich auf diese Gefahrensignale detaillierter eingehe, kurz einige Hinweise zu diesem vermeintlichen Diamanten. Diese Formation ist so selten, dass es – abgesehen von der Rauten-Form – keine konkreten Regeln gibt, wie sie auszusehen hat. Das hängt auch damit zusammen, dass schon die linke Seite der Formation – das sich öffnende Dreieck – charttechnisch weitgehend unbestimmt ist. Zu diesem gibt es außer den beiden äußeren Begrenzungslinien ebenfalls keine weiteren Anhaltspunkte, z.B. eine typische Umsatzentwicklung (siehe unterer Chartteil). Das gilt dann folglich auch für den Diamanten insgesamt.

Die klassische Charttechnik behandelt daher den Diamanten auch recht stiefmütterlich, zumal sich einige Beispiele finden lassen, bei denen Diamanten keine Top-, sondern Fortsetzungsformationen waren.

Das ist nicht so abwegig, wie es klingt. Dazu brauchen wir uns nur den psychologischen Ablauf während der Bildung dieser Formation zu veranschaulichen: Der erste (linke) Teil des Diamanten – das sich öffnende Dreieck – ist die bekannte Broadening Formation, die eine deutliche Unsicherheit der Marktteilnehmer signalisiert.

Der psychologische Ablaufplan der Diamant-Formation

Diese Broadening Formation endet in neun von zehn Fällen bearish – wenn das also einmal nicht geschieht, sondern ein klassisches Dreieck (und damit ein Diamant) folgt, ist das zunächst ein ermutigendes Zeichen! Schließlich setzen sich die Bären nicht sofort durch, sondern die Bullen erreichen erst einmal einen Aufschub – auch wenn es vorerst nicht mehr als ein Abwarten ist.

Und wenn sich in dieser Wartezeit die Zweifel und Unsicherheiten verflüchtigen, die zu der Broadening Formation geführt haben, dann kann es natürlich auch weiter aufwärts gehen!

Die aktuellen Unsicherheiten hat Sven Weisenhaus hier zuletzt mehrfach erwähnt: die fundamentale Überbewertung von Aktien, die Liquiditätsverknappung durch die Notenbanken und die potenziell steigenden Zinsen, die dadurch mögliche Belastung der Schwellenländer sowie natürlich auch der andauernde Handelsstreit oder eine mögliche Krise in Italien. All diese Unsicherheiten sind nach wie vor vorhanden – verflüchtigt hat sich bisher keine davon!

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