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Italien und Griechenland Südeuropa-Schulden: Gefahr einer Euro-Krise 2.0?

09.10.2018, 13:13  |  4335   |   |   

Der Ausverkauf italienischer und griechischer Staatanleihen deutet auf einen massiven Vertrauensverlust der Anleger hin. Die Gefahr von Finanzierungsnöten, die erst in eine Bankenkrise und dann in eine neue Euro-Krise führen könnten, wächst.

Untrügliches Zeichen für den wachsenden Vertrauensverlust der Anleger in Italien und Griechenland sind die steigenden Anleihen-Renditen. Infolgedessen sinken die Anleihen-Kurse. Immer mehr Anleger flüchten aus italienischen und griechischen Staatsanleihen.

Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen italienischen Staatsanleihen stieg auf ein Viereinhalb-Jahres-Hoch von zeitweise 3,630 Prozent. In Griechenland wuchs die Rendite der zehnjährigen Staatsbonds auf ein Vier-Monats-Hoch von 4,665 Prozent. Auch die Leitindizes der Börsen in Mailand und Athen sowie der italienische und griechische Bankenindex gaben gestern nach.

Im Fall Griechenland basteln derzeit Teams der griechischen Regierung und des Euro-Rettungsschirms (ESM) an einem Rettungsplan, wallstreet:online berichtete hier. Italien, mit seiner Staatsverschuldung, die siebenmal so hoch ist wie die von Griechenland, ist das weitaus größere Problem. Zahlen aus diesem Jahr verdeutlichen das Kernproblem Staatsdefizit: So war Italien im Mai mit knapp 132 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet. Nur Griechenland erreichte mit 178,6 Prozent einen noch höheren Wert innerhalb der EU.

Den derzeitigen Streit zwischen Italien und der EU, der zu massiven Vertrauensverlusten an den Finanzmärkten führt, kommentiert Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: "Zwar kam die Regierung mit der finalen Version ihres Etatplans der EU bei der geplanten Neuverschuldung entgegen, senkte jedoch auch ihre Wachstumsprognose für 2018 von 1,5 auf 1,2 Prozent. Die Kombination aus weiterhin hohem Defizit und schwachem Wachstum erhöhte die Risikoprämie am Markt (…) Die Entwicklung dürfte nun von der Beziehung Italien - EU bestimmt sein. Dass der Lega-Vorsitzende Matteo Salvini letzte Woche behauptete, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker habe Europa und Italien ruiniert, ist dafür keine gute Basis".

Martin Lück, vom weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock, spricht die Gefahr einer Eurokrise, ausgelöst durch die italienischen Manöver, explizit an: "Die Populistenregierung hat zwar Ihr Defizitziel für 2020 und 2021 leicht gesenkt, auf nunmehr 2,1 Prozent und 1,8 Prozent. Dies dürfte aber nur unter günstigsten Annahmen bezüglich Wachstum und Inflation den Schuldenstand gerade eben konstant halten. In jedem Fall steht der Plan weiter in eklatantem Widerspruch zu den Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Es droht Zoff mit der EU-Kommission und eine Herabstufung durch die Ratingagenturen. Die Angst vor einer Neuauflage der Eurokrise bleibt greifbar".

Wenn italienische Institute ihre Verbindlichkeiten nicht mehr fristgerecht bedienen könnten, wären die Konsequenzen einer möglichen Bankenkrise auch bei deutschen Instituten spürbar: "Die Commerzbank besaß allein im Juni entsprechende Papiere im Wert von 8,5 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank hält italienische Anleihen und Staatspapiere im Wert von 18 Milliarden Euro", schreibt Gabor Steingart. Die im MDax gelisteten Papiere der Commerzbank fielen gestern um 4,6 Prozent, im Dax zählten die Deutsche Bank und im EuroStoxx50 die italienische Bank Intesa SanPaolo zu den Schlusslichtern.

Quellen:

Deutsche Bank

BlackRock

Gabor Steingarts "Das Morning Briefing"

Reuters

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