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Gold, Geld und Illusionen – Die Tragödie unseres Währungssystems

Gastautor: mack-weise
09.10.2018, 15:19  |  4131   |   |   

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2008? Die in den USA geplatzte Immobilienkreditblase fraß sich mit Wucht durch die Bilanzen ihrer Finanziers und plötzlich stand im September mit der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers sogar das Weltfinanzsystem unmittelbar vor der Kernschmelze! Unter großem Druck entschieden sich die westlichen Regierungen seinerzeit für die »Rettung« ihrer bankrotten Bankensysteme, und in Deutschland sah sich Bundeskanzlerin Merkel sogar gezwungen, dem im Oktober einsetzenden Banken-Run mit einem gewagten Bluff zu begegnen: Sie garantierte via einer »politischen Willenserklärung« die Spareinlagen aller Deutschen!

Doch trotz der zahlreichen und historisch beispiellosen Interventionen seitens Regierungen und Notenbanken war die „Gefahr eines Zusammenbruchs des Finanzsystems“ nach Aussagen von EZB-Verantwortlichen auch in den nachfolgenden drei Jahren nicht gebannt. So schaute die Welt sowohl im Mai 2010, als Griechenland zum ersten Mal Pleite gehen wollte, aber nicht durfte, erneut in den Finanzabgrund, als auch noch ein weiteres Mal im November 2011, als die Risikoprämien auf Staatsanleihen der anderen europäischen Pleitekandidaten in die Höhe schossen.

Erst als die Europäische Zentralbank (EZB) im Sommer 2012 als letzte bedeutende Notenbank garantierte, im »Notfall« ebenfalls unbegrenzt Geld drucken zu wollen, beruhigte sich die Lage an den internationalen Finanzmärkten augenscheinlich, was die »Alles-wird-gut«-Politiker und Ökonomen inzwischen als ein Zeichen dafür werten, dass die schwerste Finanzkrise seit Ende des 2. Weltkrieges per Notenbankinterventionen überwunden werden konnte.

Finanzkrise, Bankenkrise, Eurokrise, Schuldenkrise – das sind die typischen Namen jener Dauerkrise, die das Finanzmarktgeschehen seit 2008 dominieren. Betrachtet man allerdings unser Weltwährungssystem seit seiner Etablierung 1944/1971 bis hin zu der heutigen als »alternativlos« bezeichneten »Rettungspolitik« etwas genauer, so wird nur noch eine – finale – Krise sichtbar: die unseres Kreditgeldsystems – mit dem US-Dollar als Weltreservewährung im Zentrum!

„Die Unterdrückung des Goldes und die unbegrenzte Expansion von Fiat-Falschgeld haben zu den monetären, wirtschaftlichen und politischen Krisen und Kriegen des 20. Jahrhunderts geführt.“ (Ferdinand Lips, 1931–2005, Schweizer Bankier)

Obwohl die Welt mit goldgedeckten Währungen, die vor dem 1. Weltkrieg sogar in einem relativ reibungslos funktionierenden und Jahrzehnte währenden internationalen Goldstandard mündeten, die besten Erfahrungen gemacht hatte, verständigten sich Politiker und Ökonomen auf der internationalen Währungskonferenz von Bretton Woods (1944), nicht mehr zu dem vom einflussreichsten Ökonomen der damaligen Zeit, J. M. Keynes, als „barbarisches Relikt“ disqualifizierten Goldstandard zurückzukehren.

Stattdessen wurde ­– »der Tragödie des Weltfinanzsystems erster Teil« – ein Gold- und Kreditgeld-Experiment gestartet, in dessen Zentrum nicht mehr Gold, sondern der US-Dollar als neue Weltleitwährung stand. Zwar genoss die Währung der stärksten Volkswirtschaft damals weltweit hohes Vertrauen, doch erst die Garantieerklärung der über rund 2/3 der weltweiten Goldreserven verfügenden USA, internationale Notenbank-Dollarguthaben jederzeit auf Basis eines »gefixten« Wechselkurses (35 USD pro Unze) in Gold einzutauschen, machten den so in Gold wertbestimmten US-Dollar letztlich zur weltweit akzeptierten Leitwährung.

Doch bereits Anfang der 1960er Jahre zeigte der 16 Jahre zuvor »gefixte« Goldpreis deutlich an, was von der begonnenen US-Dollar-Inflation und der Defizitwirtschaft der USA (Handelsbilanzdefizite, Ausweitung der staatlichen Wohlfahrtsprogramme zwischen 1949 und 1960 um 150%) zu halten war.

Da eine fällige Abwertung des US-Dollars gegenüber Gold politisch aber einem Offenbarungseid gleichgekommen wäre, wurde auf Initiative der USA (!) der Beschluss gefasst, den Goldpreis künftig zu … manipulieren!

Zusammen mit Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und Groß-britannien bündelten die USA nur ein Jahr später ihre »Goldkräfte« im »Londoner Goldpool«, dessen erklärtes Gründungsziel es war, sowohl den Goldpreis mittels physischer Marktinterventionen nicht über die festgelegte (!) 35,20-USD-Grenze steigen zu lassen, als auch … die „private Nachfrage nach Gold zu entmutigen.“

Mit viel Glück und noch viel mehr Goldeinsatz gelang es den Währungsmanagern letztlich auch, den Goldpreis über die nachfolgenden Jahre »politisch korrekt« an der von ihnen gesetzten Preisgrenze »festzunageln«. Als aber der amerikanische Finanzminister Henry Fowler Mitte 1968 noch selbstbewusst die Feststellung traf: „Das Gold ist die Sonne, der Dollar der Mond, diese Distanz ist unveränderlich“, konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass die USA der Welt damals rund 70 Milliarden USD in Gold schuldeten, sie aber nur noch für circa 11 Milliarden USD Gold besaßen.

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