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Ein schlechter Grund, jetzt Lufthansa-Aktien zu verkaufen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.10.2018, 10:52  |  409   |   |   

Steigende Kerosinpreise drücken den Ausblick für die Lufthansa (WKN:823212)-Aktie. Einige Analysten und Marktbeobachter raten Anlegern bereits zum Verkauf. Zu Recht? Ich denke, es spricht im Moment vielmehr für die Kranich-Airline.

Lufthansa macht seine Aktionäre nicht mehr glücklich

Noch vor einem Jahr beschlich mich ein diffuses Gefühl bei der Lufthansa. Irgendetwas schien in der Luft zu liegen, sodass ich zur Vorsicht riet (siehe meinen Artikel vom 5. Oktober 2017). Das war vielleicht nur ein Zufallstreffer, aber Tatsache ist: Dem Top-Performer vergangener Jahre ist seither der Sprit ausgegangen.

Die Gründe sind vielfältig: Der Handelsstreit bedroht das Cargo-Geschäft, bei Eurowings ist noch etwas Sand im Getriebe und der Konkurrenzkampf bleibt hart. Am meisten Beachtung finden jedoch die steigenden Treibstoffkosten. Der Kerosinpreis ist in Europa über die letzten zwölf Monate laut Daten des Internationalen Flugverkehrsverbands IATA um 41 % gestiegen. Ein Citigroup-Analyst kam in einer Veröffentlichung vom 08.10. deshalb zu dem Schluss, dass „düstere Zeiten“ auf die europäischen Airlines zukämen und die Lufthansa besonders hart betroffen sein werde.

Sein Kursziel setzte er mit 18 Euro noch ein Stück unterhalb des aktuellen reduzierten Niveaus von gut 19 Euro (Stand 08.10.). Aber ich finde, dass man eine Reihe von Gründen finden kann, die gerade jetzt für die Lufthansa-Aktie sprechen.

Grund 1: Der Ölpreis kann sich auch ganz anders entwickeln

Wann immer der Ölpreis ein Stück nach oben zieht, treten Marktbeobachter auf den Plan, die die kurzfristige Entwicklung weit in die Zukunft fortschreiben. Dreistellige Kurse für Brent-Erdöl seien bald wahrscheinlich, heißt es dann. Auch wenn das natürlich eine Möglichkeit ist, würde ich behaupten wollen, dass Kurse um 60 Euro ebenso wahrscheinlich sind.

So wie es aussieht, wird es Wege geben, dass Iran trotz der US-Sanktionen sein Öl vermarkten kann. Zudem werden die Marktteilnehmer kreativ, wenn sich der Fasspreis der 100-Dollar-Marke annähert. Dann werden beispielsweise Vorräte angezapft, zuvor stillgelegte Lagerstätten wieder hochgefahren und neue beschleunigt in Betrieb genommen. Fast überall wird der Rohstoff bei weiter steigenden Preisen so schnell wie möglich aus der Erde geholt, um von der Hochpreisphase zu profitieren. Gleichzeitig werden auf der Nachfrageseite Effizienzpotenziale noch stärker ausgeschöpft, um den Verbrauch zu senken.

Auch die zunehmende Kopplung der Energiemärkte birgt Potenzial zur Preisregulierung. Kerosin kann beispielsweise auch aus Erdgas hergestellt werden. Mittel- bis langfristig kommt dann noch Biokerosin aus modifiziertem Zuckerrohr oder Algen hinzu. Auch die Nutzung von überschüssigem Wind- und Sonnenstrom zur Herstellung und Weiterverarbeitung von Methanol hat zuletzt wichtige technische Hürden überwunden. Das mag sich auf absehbare Zeit noch nicht direkt auf den Kerosinpreis auswirken, aber innerhalb einer langfristigen Perspektive sollte man solche Faktoren im Hinterkopf behalten, denke ich.

Kurzfristig wichtiger ist jedoch, dass die höheren Kerosinkosten gar nicht voll auf die Bilanz durchschlagen. Zum einen ist durch Absicherungsgeschäfte der tatsächlich von der Lufthansa bezahlte Preis um einiges niedriger. Zum anderen kann sie durch Treibstoffzuschläge beim Ticketpreis einen Teil zurückholen.

Grund 2: Kostensenkungspotenziale stützen den Gewinnausblick

Wie jedes andere Unternehmen auch, hat die Lufthansa einige Herausforderungen zu bewältigen. Das Gute dabei ist, dass sie das aus einer Position der Stärke heraus angehen kann. Durch die Übernahmen der letzten Jahre konnte sie ihre Marktanteile insbesondere in Europa weiter ausbauen.

Während der Aufwand für Integration und Restrukturierung zukünftig abnehmen wird, dürften die gehobenen Synergien stetig zunehmen. Zudem investiert der Konzern seit Jahren in die Digitalisierung, die auf der einen Seite für mehr Effizienz sorgt und auf der anderen Seite die Kundenbindung durch innovative Mehrwertleistungen erhöhen kann. Nur wenige europäische Konkurrenten verfügen über die Finanzkraft, um ähnlich umfassende Programme voranzutreiben.

Insgesamt bin ich daher optimistisch, dass die Lufthansa profitabel durch den Konjunkturzyklus kommen wird.

Grund 3: Die Aktie ist unglaublich billig

Ein europäischer Marktführer in einer langfristig wachsenden Branche, profitabel und gut kapitalisiert – da würde man doch eigentlich mit einer ambitionierten Bewertung der Aktie rechnen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Der gesamte Konzern wird gerade mal mit lachhaften 9 Mrd. Euro bewertet.

Dabei soll der Umsatz in diesem Jahr auf 38 Mrd. Euro steigen, also mehr als das Vierfache der Marktkapitalisierung. Der Gewinn je Aktie im ersten Halbjahr belief sich auf 1,44 Euro. Für das Gesamtjahr sollten rund 4 Euro drin sein, was ein verrücktes Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 5 ergäbe, das bei stabil gehaltenem Gewinnniveau langfristige Renditen von 20 % verspricht. Es kommt noch besser: In der Bilanz standen zuletzt beachtliche 9,7 Mrd. Euro Eigenkapital. Damit bekommen Aktionäre für jeden Euro, den sie in die Airline investieren, 1,08 Euro an Substanz.

Zu rechtfertigen wäre dieser Umstand, wenn wirklich düstere Zeiten bevorstünden. Daran habe ich jedoch wie dargelegt meine Zweifel. Die Lufthansa-Aktie kann man denke ich ruhigen Gewissens langfristig in seinem Depot belassen.

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