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"Traumschiff-Mittelstandsanleihe" Klagen gegen Scope: Ratingagentur bald haftbar für schlechte Bonitätsurteile?

10.10.2018, 13:25  |  2125   |   |   

Bei einer Einigung im Fall einer Kleinanleger-Schadenersatzklage gegen die Ratingagentur Scope geht es im Kern um die Frage, ob Rating-Analysten für fragwürdige Bonitätsurteile haftbar gemacht werden können.

Im Laufe der Verhandlung einer Schadenersatzklage vor dem Berliner Landgericht ist es zu einer Einigung zwischen der Klägerin und der Ratingagentur Scope gekommen, berichtet das "Handelsblatt". Demnach habe Scope der Anlegerin angeboten, die "geforderte Summe, Anwalts- und Prozesskosten" zu erstatten. Die Anlegerin habe das Angebot angenommen.

Es ist zwar zu keinem Urteilsspruch gekommen, aber der Fall zeigt, dass die Ratingagentur offenbar einen Urteilsspruch vermeiden wollte. Man kann davon ausgehen, dass die Scope-Anwälte auf die außergerichtliche Einigung setzten, um einem womöglich für Scope ungünstigen Urteil aus dem Weg zu gehen. Ein Urteilsspruch zu Ungunsten der Ratingagentur hätte vermutlich als Präzedenzfall für weitere juristische Auseinandersetzungen zwischen Anlegern und Ratingagenturen herhalten können. Das hätte das Potenzial, das System der Ratings von Kapitalanlage-Produkten zu verändern.

Die Vorgeschichte: Die Kleinanlegerin wollte sich juristisch gegen in ihren Augen zu gute Scope-Ratings für die Mittelstandsanleihe der "MS Deutschland GmbH" wehren. Die Anlegerin hätte im Jahr 2012 die Summe von 20.000 Euro in das als "Traumschiff-Anleihe" bekannte Wertpapier gesteckt. Dabei habe sie sich auf die Bewertung der Scope-Analysten verlassen. Die Wertpapier-Spezialisten hatten die Mittelstandsanleihe des Kreuzfahrtschiffs "MS Deutschland", das als "Traumschiff" der gleichnamigen ZDF-Fernsehserie fungierte, mit der Ratingnote "A" beurteilt. Ein "A" ist die sechstbeste von 19 möglichen Rating-Noten im Scope-Beurteilungssystem.

"Die Emission weist somit unter Rating- und Risikogesichtspunkten eine gute Qualität aus mit geringem Risiko", schrieben die Scope-Analysten damals in ihrem Ratingbericht über die "Traumschiff-Mittelstandsanleihe". Aber zwei Jahre nach der Emission ging die Emittentin "MS Deutschland GmbH" pleite. Die Anlegerin sah ihre 20.000-Euro-Investition bislang nicht wieder.

Die juristischen Auseinandersetzungen im Fall "Traumschiff-Minibond" scheinen noch nicht beendet zu sein. Anwälte der Kanzlei Schirp & Partner hätten eine Klage für einen institutionellen Investor eingereicht, "der drei bis vier Millionen Euro Schadensersatz fordert", so das "Handelsblatt".

Quelle:

Handelsblatt



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