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Was man über die Hochstufung von General Motors wissen sollte

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.10.2018, 12:30  |  391   |   |   

Jeden Tag werten die Wall-Street-Analysten einige Aktien auf, stufen andere herab und beginnen bei manch anderen mit der Berichterstattung. Doch wissen diese Analysten überhaupt, wovon sie reden? Heute nehmen wir eine hochkarätige Empfehlung der Wall Street unter die Lupe …

Die Nachricht brach wie ein Donnerschlag über die Wall Street herein: Honda Motor (WKN:853226) wird 750 Mio. US-Dollar in die Abteilung für selbstfahrende Autos (autonomous vehicle = AV) von General Motors (WKN:A1C9CM) namens Cruise investieren. Zusätzlich wird Honda weitere „2 Mrd. US-Dollar im Lauf von 12 Jahre“ investieren, um „ein spezielles autonomes Fahrzeug für Cruise zu finanzieren und zu entwickeln, das eine Vielzahl von Anwendungsszenarien abdecken und in großen Stückzahlen für den weltweiten Einsatz hergestellt werden“ kann.

Mit insgesamt 2,75 Mrd. US-Dollar ist das das Vierfache der rund 600 Mio. US-Dollar, die GM vor ein paar Jahren für den Erwerb von Cruise ausgegeben hat, und mehr als die 2,25 Mrd. US-Dollar, die vor wenigen Monaten Softbank in Cruise investiert hat. Doch für diese Investition wird Honda nur etwa 5,7 % der Anteile an Cruise erhalten — etwa ein Viertel dessen, was Softbank für seine kleinere Investition im Mai erhalten hat. In einer Erklärung zur Investition enthüllte GM, dass mit Hondas Investition „die Bewertung von Cruise auf 14,6 Mrd. US-Dollar gestiegen ist“.

Wie sich herausstellt, hat GM ein sehr gutes Geschäft gemacht, als das Unternehmen 2016 Cruise kaufte.

Die Aufwertung von General Motors

Die Analysten von Wolfe Research haben die Aktien von General Motors auf ‚Outperform‘ hochgestuft, wie wir heute Morgen von StreetInsider.com erfahren haben (Abonnement erforderlich). Aber obwohl Wolfe laut SI die autonome Fahrzeugsparte von General Motor zu einem zentralen Bestandteil seiner These gemacht hat, kam dieses Upgrade, bevor die Honda-Investition angekündigt wurde.

GMs „AV-Geschäft“ (das ist Cruise) „rückt 2019 in den Vordergrund“, argumentierte Wolfe Research in einer Prognose, die sich weniger als 24 Stunden später als vorausschauend erwiesen hat. Obwohl wir keine weiteren Details zu diesem Punkt von Wolfes Kaufthese haben, scheint sich das mit einem ähnlichen Upgrade zu decken, das unser Auto-Spezialist John Rosevear bereits im Juli erörtert hat.

Damals wurden Analysten von RBC Capital Markets zitiert, die argumentierten, dass ein solches Unternehmen bis 2030 bis zu 800.000 neue Fahrzeuge auf die Straße bringen könnte, wenn General Motors mit Hilfe von Cruise ein „Transportnetzwerkunternehmen“ aus Elektroautos mit autonomer Cruise-Software aufbaut (wie GM es im nächsten Jahr tun will). Das alles könnte 31,9 Mrd. US-Dollar für Cruise und eine Betriebsgewinnmarge vor Steuern von 29 % generieren. Das wären mehr als 9,25 Mrd. US-Dollar pro Jahr. Angenommen, GM besitzt zu diesem Zeitpunkt noch etwa 75 % der Anteile an Cruise, könnte dies bis zu 6,9 Mrd. US-Dollar zusätzlichen Betriebsgewinn für GM bedeuten.

Zum Vergleich: GM hat in den letzten 12 Monaten einen gesamten Betriebsgewinn von nur etwas mehr als 8 Mrd. US-Dollar erzielt.

Psst! GM baut immer noch LKWs

Allein diese Perspektive würde wahrscheinlich ausreichen, um die Investoren zu überzeugen. Aber wie Wolfe feststellt, ist GM nicht nur mit autonomen Fahrzeugen vorangekommen, sondern bereits „wohl einer der am besten gemanagten Auto-Hersteller der Welt mit Fokus auf von Natur aus profitablere und ertragreichere Produkte und Geschäfte“.

Derzeit ist GM damit beschäftigt, den Übergang zur Produktion von „brandneuen“ Full-Size-Pickups wie dem GMC Sierra und Chevy Silverado Baujahr 2019 zu vollziehen. Wolfe glaubt, dass die mit dieser Umstellung verbundenen Kosten die Bewertung des Unternehmens „belastet“ haben. (Die Betriebsgewinne der letzten 12 Monate waren tatsächlich niedriger als in den letzten fünf vollen Geschäftsjahren –laut Daten von S&P Global Market Intelligence.)

Aber während der Übergang fortschreitet und sich in Richtung höherer Umsätze entwickelt, scheint Wolfe zuversichtlich, dass die Gewinne von GM auch steigen werden. Werden sie sich so weit verbessern, dass das Unternehmen wieder eine Betriebsgewinnmarge von über 7 % erreicht wie in den Jahren 2016 und 2017? Vielleicht. Aber selbst bei vorübergehend rückläufigen Gewinnen ist anzumerken, dass die Betriebsgewinnmarge von GM mit 5,6 % die von Ford mit 3,5 % um mehr als 2 volle Prozentpunkte übertrifft.

Was die Investoren noch wissen müssen

Zugegebenermaßen sieht die Aktie von General Motors heute etwas riskant aus. Im Gegensatz zu Ford, das trotz der geringeren operativen Gewinnmarge profitabel bleibt, weist GM derzeit negative Gewinne (und einen negativen freien Cashflow) aus. Im Vergleich zu GM lässt das die Ford-Aktie mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,4 und der Dividendenrendite von 7,9 % wie eine sicherere Investition aussehen.

Und doch investiert Honda in die autonome Fahrzeugtechnologie von GM — nicht in die von Ford — was darauf hindeutet, dass GM die stärkere Position in diesem Wettbewerb haben könnte.

Ein letzter zu berücksichtigender Grund ist, was Hondas Allianz mit GM für Tesla und seine Autopilot-Technologie bedeutet. Offensichtlich erhöht sich die Produktion des Model 3, und je schneller es vorwärts geht, desto schneller könnte der Autopilot zum Standard in der autonomen Fahrzeugsoftware werden. Andererseits könnte eine Kooperation zwischen GM und Honda mit einem gemeinsamen Jahresabsatz von 15 Mio. Autos pro Jahr dieses Gleichgewicht stören — wenn sie ihre Idee eines Robotertaxis schnell genug verwirklichen können.

Mit zusätzlichen 2,75 Mrd. US-Dollar in der Hand sollte man dem Ziel ein Stückchen näher kommen.

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