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Wenn verwirrende Kräfte an Börse und Märkten zerren, musst du schlauer sein

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
12.10.2018, 11:30  |  339   |   |   

Es herrscht Chaos an der Börse. Wilde Meldungen zu Konjunktur, Crash und Desaster stürzen von allen Seiten auf uns ein. Dabei den Überblick zu behalten, wird immer schwieriger. Deshalb ist es jetzt für Anleger entscheidend, etwas Abstand zu diesem Getöse zu bekommen und gezielt Chancen am Aktienmarkt zu nutzen.

Verrückte Zeiten

Es gehört zur Natur der Börse, dass es zu jedem Wertpapier zwei Meinungen gibt – sonst könnten sich kaum Preise bilden. Aber so extrem wie derzeit war es lange nicht mehr. Mr. DAX kündigt eindringlich eine schwere Krise an mit großen Verlusten für Anleger. Mohamed El-Erian entgegnet jedoch, dass zumindest die US-Wirtschaft aus seiner Sicht noch auf Jahre hinaus robust wachsen werde. So konträr die Ansichten, so stark die nervösen Ausschläge der Märkte.

Ähnliches lässt sich etwa bei Bitcoin und Kryptowährungen insgesamt beobachten. Der eine spricht von einem baldigen Abschluss der „Bodenbildung“, und der andere sieht den „Kollaps“ nahen. Beim Öl erwartet der eine schon in Kürze dreistellige Fasspreise und die andere prognostiziert eine neue Schwemme. Manch einer sieht die Schwellenmärkte in der Nähe des Abgrunds, während der nächste Experte dazu rät, umzuschichten und die zum Teil stark zurückgekommenen Niveaus zu kaufen.

Zinsentwicklung, Schuldenberge oder Preisblasen werden uns schon bald ins Desaster führen – oder eben nicht. Und als ob das alles nicht schon chaotisch genug wäre, prasseln auch noch Nachrichten über Naturkatastrophen, Konflikte und Unruhen auf uns ein. Es ist nicht leicht, sich in dieser Gemengelage zurechtzufinden. Aber was tun? Alles verkaufen und sein Geld der möglichen Inflation in den Rachen werfen? Oder aggressiv nachkaufen und noch stärkere Kursrückgänge riskieren? Nicht so schnell.

Verzerrungen machen es noch komplizierter

Zunächst müssen wir uns über einige Faktoren klar werden, die das Chaos treiben. Dazu gehören natürlich die Störungen der globalen Lieferketten, die durch Strafzölle verursacht werden. Deren kurzfristige Wirkung ist entgegengesetzt. Angekündigte Erhöhungen führen zu Hamsterkäufen, Absenkungen zum Abwarten der Kundschaft. Deshalb hat sich das Handelsdefizit der USA zunächst noch ausgeweitet, während die reduzierten Autozölle Chinas zunächst nichts einbrachten.

Bis alle Marktteilnehmer sich an die neuen Bedingungen angepasst haben und alles sich wieder einpendelt, können Monate vergehen. Das muss man im Hinterkopf behalten, wenn man den oft brotlosen Versuch unternimmt, Statistiken zu Volkswirtschaften und Handelsdaten zu interpretieren.

Auch das neue Abgastestverfahren WLTP macht alle verrückt. Zuerst wurde auf Halde produziert und aggressiv vermarktet. Dann ging fast gar nichts mehr. Insbesondere der Volkswagen (WKN:766403)-Konzern kam mit der Zertifizierung nicht hinterher. Brutale Absatzeinbrüche waren die Folge. Erst Mitte 2019 soll alles wieder seinen normalen Gang gehen, meint BMW (WKN:519000)-Chef Harald Krüger. Das Ganze zieht sich natürlich durch die gesamte Lieferkette, sodass die kommenden Quartalszahlen voll von Sondereffekten sein werden. Davon dürfen wir uns nicht allzu sehr beeindrucken lassen.

Sich nicht treiben lassen

Anstatt sich in solchen kurzfristigen Details zu verfangen, sollte man lieber versuchen, das Gesamtbild im Auge zu behalten. Ein DAX-Stand von rund 11.500 Punkten (Eröffnung 11.10.) kann nicht mehr als teuer bezeichnet werden, wenn man bedenkt, dass wir diese Niveaus schon 2015 gesehen haben und uns nun über 2.000 Punkte unterhalb des Allzeithochs vom Januar befinden. Die meisten Konzerne sind hochprofitabel, und attraktive Aktien, die unter Buchwert notieren, über 5 % Dividende bezahlen oder ein erwartetes 2018er-KGV von unter 10 aufweisen, gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Zahlreiche Qualitätsaktien sind mehr als ein Drittel billiger zu bekommen als noch vor einigen Monaten.

Dabei sind die Argumente für einen anstehenden Abschwung keinesfalls stärker als diejenigen, die für eine weiter anhaltende robuste Konjunktur sprechen. Deshalb bleibt es wahrscheinlich die beste Strategie, sich einfach weiterhin auf die Analyse einzelner Unternehmen zu konzentrieren und Schritt für Schritt dort zuzugreifen, wo eine verlockende Bewertung auf eine starke Marktposition, hohe Cashflows und spannende Wachstumspotenziale trifft.

Wir wissen nicht, was kurzfristig passiert, aber Kaufleute wissen seit Generationen: „Der Gewinn liegt im Einkauf.“

Angst vor einem Bärenmarkt?

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