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Könnte Wintershall DEA noch vor Saudi Aramco an die Börse kommen?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
13.10.2018, 09:00  |  922   |   |   

Sowohl die sich gerade formierende Wintershall DEA als auch Saudi Aramco wollen zukünftig das Panorama für dividendenhungrige Aktieninvestoren bereichern. So wie es aussieht, hat es BASF (WKN:BASF11) damit eiliger, und das hat auch seine Gründe.

Unterschiedliche Motivationen

BASF ist gerade dabei, den größten unabhängigen Öl-und-Gas-Konzern Europas zu schmieden. „Unabhängig“ bedeutet in diesem Fall, dass die zukünftige Wintershall DEA im Gegensatz zu den integrierten Ölmultis kein Petrochemiegeschäft und auch keine Tankstellen haben wird. Das DEA-Netz wurde ja bereits Anfang des Jahrtausends an Shell verkauft (wer erinnert sich noch an die Werbespots aus den 90ern? „Hier ist DEA – Hier Tanken Sie auf …“). Der neue Konzern wird sich also auf das sogenannte Upstreamgeschäft (Exploration, Entwicklung und Förderung) sowie den Pipelinetransport konzentrieren und dann an vielfältige Großabnehmer liefern.

Umgekehrte Entwicklung bei Saudi Aramco, dem arabischen Marktführer: Dort wurde gerade gemeldet, dass gemeinsam mit der französischen Total (WKN:850727) ein gigantischer Petrochemiekomplex in der Hafenstadt al-Dschubail am Persischen Golf entstehen soll. Bereits seit 2016 besteht mit ARLANXEO ein gemeinsam mit LANXESS (WKN:547040) betriebenes Joint Venture in den Niederlanden. Gleichzeitig besteht wohl die Absicht, beim saudischen BASF-Konkurrenten Sabic einzusteigen und an weiteren Standorten in massive Weiterverarbeitungskapazitäten zu investieren. Ganz klar: Saudi Aramco will nicht nur als Ölpumper an die Börse gehen, sondern als echter integrierter Ölmulti.

Während der Ölpreiseinbruch von 2015 beschleunigend auf die Entwicklung der Börsenpläne wirkte, können sich die Scheichs nun wieder entspannter zurücklehnen und den IPO sorgfältig planen. Ende 2020 wird als allerfrühester Zeitpunkt genannt, also vielleicht in gut zwei Jahren. Anders sieht es bei BASF aus.

BASF will kein Rohstoffkonzern mehr sein

Lange Jahre hat Wintershall den Ludwigshafenern treue Dienste geleistet. Die Tochter stabilisierte den BASF-Tanker bei hohen Rohstoffpreisen und sorgte stets für eine zuverlässige Versorgung mit dem schwarzen Gold.

Heute braucht BASF diesen Faktor kaum noch. Vielmehr wirkt er eher wie ein Bremsschuh. Längst hat sich der Konzern von der Grundchemie abgewendet und den Fokus auf Spezial- und Agrarchemie gelegt, die beide hohe Wertschöpfungsanteile aufweisen und daher viel weniger abhängig vom Ölpreis sind. Außerdem sorgen sie für eine sehr breite Diversifizierung durch die Vielfalt der Absatzmärkte. Deshalb ergibt es Sinn, Wintershall aus dem Kerngeschäft herauszulösen.

Innovationsstarke Produktsegmente wie Nahrungsmittelzusätze, Pflanzenschutz, Batteriematerialien und Hochleistungskunststoffe will BASF in Zukunft noch stärker in den Vordergrund rücken. Nachhaltige Lösungen sollen vorangetrieben werden. Fossile Brennstoffe passen da kaum mehr ins Konzept, weshalb ein Börsengang im Laufe des Jahres 2020 wahrscheinlich sein wird. Im Februar wurde sogar über einen möglichen Zeitpunkt im Frühjahr 2020 spekuliert, nun wird vom Management das zweite Halbjahr als realistischer angesehen.

Die nächsten Schritte

Infolge der Fusionsvereinbarung von Ende September wurde bei BASF direkt die Buchhaltung umgestellt. Wintershall läuft jetzt als „nicht fortgeführter Geschäftsbereich“ und fließt daher rückwirkend zum 1. Januar 2018 nicht mehr direkt in die Kalkulation von Umsatz und operativem Gewinn (EBIT) ein, sondern nur noch angehängt in das Nettoergebnis.

Schon in rund einem halben Jahr hoffen die beteiligten Unternehmen, dass der beabsichtigte Deal vollzogen werden kann. DEA wird dann in die Wintershall eingebracht, die wiederum Aktien an LetterOne ausgibt, sodass BASF zunächst zwei Drittel der Anteile halten wird. Zu einem späteren Zeitpunkt will BASF zusätzlich sein Pipeline- und Gasspeichergeschäft einbringen, wofür es weitere Anteile gibt.

Vor dem Börsengang wird die BASF dann 72,7 % an dem neuen Gebilde besitzen und damit wählen können, ob sie die Mehrheit behalten oder doch lieber die eine oder andere Milliarde Euro mehr erlösen will. Vieles dürfte davon abhängen, wie sich bis dahin der Ölpreis und die Versorgungssituation entwickeln. Auch die Geopolitik wird nicht zu vernachlässigen sein, weil vieles von den Beziehungen Europas zu Russland abhängt.

Läuft allerdings alles wie geplant, dann können wir in rund zwei Jahren in einen dividendenstarken deutschen Öl-und-Gas-Konzern investieren. Saudi Aramco wird gleichzeitig vielleicht konkrete Vorbereitungen für den eigenen Börsengang in die Wege leiten. Als Hauptwettbewerber wird sie dann im Börsenprospekt aber möglicherweise eher die BASF als Wintershall DEA nennen. Das ausgegebene Ziel lautet schließlich, bis 2020 der größte integrierte Energie-und-Chemie-Konzern zu werden.

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