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Marktkommentar: Stephan Rieke (Oddo BHF): Internationale Aktienmärkte im Korrekturmodus
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Marktkommentar Stephan Rieke (Oddo BHF): Internationale Aktienmärkte im Korrekturmodus

Nachrichtenquelle: Asset Standard
15.10.2018, 10:20  |  473   |   |   

Die Ende September von einem Bündel an Belastungsfaktoren angestoßene Korrekturbewegung hat fortgesetzt.

Die an den Eurobörsen Ende September von einem Bündel an Belastungsfaktoren (u.a. Brexit, italienischer Budgetentwurf, Handelskonflikte, steigende Kapitalmarktrenditen) angestoßene Korrekturbewegung hat sich nahtlos fortgesetzt.

"Meinung am Freitag" vom 12.10.2018


Aktienmärkte:

Der gestrige Handelstag endete erneut mit flächendeckend roten Zahlen. Für den bisherigen Wochenverlauf weisen die EWU -Leitindizes durchwegs kräftige Verluste aus (Euro STOXX 50: -4,1%, DAX 30: -4,7%, CAC: -4,7%). Unter den STOXX-Sektoren mussten diese Woche Finanzdienstleister (-6,9%), Industrie- (-6,8%) und Chemiewerte (-6,7%) die stärksten Verluste hinnehmen, nur die defensiven und im bisherigen Jahresverlauf stark vernachlässigten Telekommunikationswerte (-0,6%) schlossen in Sichtweite der Null-Linie. Die Wall Street ging gestern mit -2,1% erneut in die Knie, der S &P 500 liegt damit per Saldo - 5,4 % unter dem Schlusskurs der Vorwoche . Kräftig unter Abgabedruck standen im bisherigen Wochenverlauf konjunktursensitive Marktsegmente wie Grundstoffe (-7,0%) und Industrie (-6,9%) sowie die Technologiebranche (-6,8%). An den asiatischen Leitbörsen kam es heute zu kräftigen Rückkäufen, trotzdem beschloss der Nikkei 225 die Handelswoche mit einem Abschlag von -4,6%, der südkoreanische KOSPI 200 mit -4,0%; der chinesische CSI 300 liegt derzeit -8,0% unter Vorwochenniveau.


Renten und Währungen:

Das gestern veröffentlichte EZB -Protokoll der September-Sitzung wurde am Rentenmarkt nur am Rande wahrgenommen. Die Notenbanker machen sich offensichtlich etwas Sorgen über einen aus den internationalen Handelskonflikten resultierenden generellen Vertrauensverlust; derzeit seien aber die negativen Folgen noch begrenzt. 10J .-Staatsanleihen der EWU -Kernländer konnten sich im Wochenverlauf leicht befestigen während Peripherieanleihen von den schwächeren italienischen Staatspapieren in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Euro (aktuell: 1,159 US-$) zeigte sich erstaunlich resistent gegenüber den Eskapaden der italienischen Politik (siehe unten) und legte diese Woche per Saldo 0,6% zu.


Edelmetalle und Rohstoffe:

Gold (aktuell: 1218 US-$/Unze) machte gestern einen kräftigen Sprung nach oben und legt damit im Wochenverlauf 1,7% zu. Rohöl (Brent-Future aktuell: 81,2 US-$) das letzte Woche kurzzeitig die Marke von 85 US-Dollar überschritten hatte, litt zuletzt unter kräftigen Gewinnmitnahmen; der gestern gemeldete Anstieg der US-Rohöllagerbestände fiel mit 6 Mio. Barrel deutlich höher aus als erwartet.


Konjunkturelles Umfeld:

Aus den Vereinigten Staaten wurden gestern eine stärker als erwartet rückläufige Inflationsrate für September ( 2,3% nach 2,7%; Kernrate allerdings unverändert 2,2%, jew. ggü. Vj.) und leicht steigende Erstanträge für Arbeitslosenhilfe (214.000 nach 207.000) gemeldet.

Aus China kamen heute Morgen die Außenhandelsdaten für September (Importe: 14,3% nach 20,0%, Exporte: 14,5% nach 9,8%; jew. ggü. Vj.) und aus Deutschland die finale Inflationsrate für September ( 2,3% nach 2,0%, jew. ggü. Vj.). Um 11:00 Uhr erwarten uns die neuesten EWU -Outputdaten des produzierenden Gewerbes (August e: 0,4% ggü. Vm.) und um 16:00 Uhr das vorläufige US -Verbrauchervertrauen (Uni Michigan) für Oktober (e: 100,4).


Italienische Regierung auf Konfrontationskurs mit Brüssel

Am 15. Oktober wird die italienische Regierung der EU-Kommission ihren Haushaltsentwurf für das kommende Jahr zur Überprüfung vorlegen. Die vom römischen Finanzministerium im letzte Woche aktualisierten mittelfristigen Stabilitätsprogramm veröffentlichten Prognosen gehen für 2019 von einem Haushaltsdefizit von -2,4% des BIP aus und -2,1% bzw. –1,8% für die Folgejahre. Mit der Schuldenaufnahme sollen die umfangreichen Versprechungen aus dem Wahlkampf (zumindest teilweise) finanziert werden; die geplanten Defizite weichen sehr stark von den von der Vorgängerregierung vorgelegten Zielgrößen (2019: -0,8%, 2020: 0%, 2021: 0,2%) ab. Dazu kommt, dass die dabei zugrunde gelegten Kosten der „Wahlgeschenke“ eher zu knapp kalkuliert und die Schätzungen des zukünftigen Wirtschaftswachstums zu optimistisch ausgefallen sein dürften. Unter diesen Voraussetzungen ist alles andere als eine strikte (vorläufige) Zurückweisung des Haushaltsentwurfs durch die EU-Kommission nicht vorstellbar. Sollte die italienische Regierung ihren Budgetentwurf nicht ausreichend überarbeiten, könnte ihn Brüssel am 30. Oktober final ablehnen und bei anhaltend mangelnder Kooperationsbereitschaft Roms ein Defizitverfahren einleiten. Nach den jüngsten Erfahrungen muss man leider davon ausgehen, dass dieser ganze Prozess von einem provozierenden „Krieg der Worte“ begleitet sein dürfte. Zudem werden bis Ende Oktober die Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor‘s ihre Bonitätseinschätzung für italienische Staatstitel überprüfen, es droht eine Abstufung. Das Rating läge damit nur mehr eine Stufe über „Ramsch“, was wiederum zu einer weiteren Ausweitung der Zinsdifferenz gegenüber deutschen Pendants führen könnte; derzeit liegt der Spread für 10-jährige Anleihen schon bei über 300 Basispunkten. Italiens Europaminister Savona forderte schon jetzt von EZB-Präsidenten Draghi, im Falle einer Spreadausweitung auf über 400 Basispunkte, müsse die Europäische Zentralbank intervenieren. Der über die Entwicklung zunehmend besorgt scheinende EZB-Präsident traf sich derweil mit dem italienischen Staatspräsidenten Mattarella, der über verfassungsrechtliche Möglichkeiten verfügt, die ausgabefreudige römische Regierungskoalition zu bremsen. Da (zumindest derzeit) keinerlei konstruktive Signale seitens der italienischen Regierung zu erkennen sind, muss man sich darauf einstellen, dass uns dieses sehr belastende Thema noch das ganze 4. Quartal über beschäftigen wird, möglicherweise sogar bis zu den Ende Mai 2019 stattfindenden EU-Parlamentswahlen.





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