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Marktkommentar: David Zahn (Franklin Templeton): Italien am Wendepunkt
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Marktkommentar David Zahn (Franklin Templeton): Italien am Wendepunkt

Nachrichtenquelle: Asset Standard
17.10.2018, 09:25  |  357   |   |   

Die von der populistischen Regierung Italiens vorgeschlagenen Ausgabenpläne sorgten Anfang Oktober unter Anlegern für Konsternierung.

David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, betrachtet, wie die zunehmende Beliebtheit der Koalitionsregierung die Reaktion der Europäischen Union beeinflussen könnte. Darüber hinaus untersucht er die Auswirkungen auf die Eurozone insgesamt.

Italienische Anlagen haben ein sehr volatiles Halbjahr hinter sich, seitdem die im März abgehaltenen Parlamentswahlen des Landes zur Bildung der ersten populistischen Regierung innerhalb der Europäischen Union (EU) geführt haben.

Nun, da sich die Regierung auf die Vorstellung ihrer Ausgabenpläne für die kommenden Jahre vorbereitet, befindet sich das Land unserer Einschätzung nach an einem Wendepunkt. Und dies könnte in unseren Augen potenzielle Folgen für den Rest Europas haben.


Die Schlüsselrolle Italiens in der Eurozone

Wir gehen davon aus, dass das wirtschaftliche Wohlergehen Italiens für die Zukunft des Projekts Eurozone von zentraler Bedeutung sein dürfte. Italien ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft des Blocks. Vor allem aber weist das Land unter allen Ländern der Währungsunion die höchste Verschuldung auf.

Ohne die Beteiligung Italiens könnte die Eurozone unserer Ansicht nach im aktuellen Format nicht wirklich funktionieren.

Die Aussichten auf einen weiteren Anstieg der Verschuldung, die bereits heute bei 2,3 Bio. EUR liegt, bereitet nicht nur Anlegern Sorgen, sondern auch der EU, die strikte Obergrenzen für Haushaltsdefizite vorgibt.

Daher ziehen die Haushaltspläne der italienischen Regierung erhebliche Aufmerksamkeit auf sich.


Populistische Regierung wird immer beliebter

Beide Koalitionspartner hatten in ihrem Wahlprogramm Maßnahmen vorgeschlagen, die zu einem höheren Haushaltsdefizit beitragen würden, wie etwa niedrigere Steuern und höhere Ausgaben. Heute wollen sie diese Versprechen einlösen, wenn die Regierung ihre Ausgabenpläne für die nächsten drei Jahre vorlegt.

Der ursprüngliche Vorschlag der italienischen Regierung, der ein Haushaltsdefizit von 2,4 % in den Jahren 2019, 2020 und 2021 vorsah, wurde von den Märkten und den Behörden in Brüssel mit Unmut aufgenommen.

Die abschließenden Ausgabenpläne müssen bis zum 15. Oktober zur Genehmigung bei der EU eingereicht werden. Die aktuellen EU-Vorschriften verlangen von den Mitgliedstaaten, bestimmte Defizitgrenzen einzuhalten. Wir gehen jedoch davon aus, dass die beiden Seiten in diesem Fall wohl zu einem Kompromiss kommen dürften.

Meinungsumfragen scheinen auf eine zunehmende Unterstützung für die italienische Regierung hinzudeuten. Bei den im März abgehaltenen Parlamentswahlen hatten die beiden Koalitionsparteien gemeinsam knapp über die Hälfte der Stimmen erzielt. Jüngste Umfragen legen nahe, dass sie inzwischen die Unterstützung von ca. 60 % der Wähler genießen.

Wenn sich diese Umfragen bewahrheiten, macht dies hinsichtlich des Regierungsmandats der Koalitionsregierung einen großen Unterschied, und wir könnten uns vorstellen, dass diese Unterstützung den Politikern ein größeres Selbstvertrauen geben könnte, ihre Pläne voranzutreiben.

Die Umfrageergebnisse könnten auch den von Brüssel verfolgten Ansatz beeinflussen: den Entscheidungsträgern ist klar, dass bei einem Austritt Italiens aus der Eurozone das gesamte Projekt einer Einheitswährung scheitern könnte.

Die Märkte werden die abschließenden Haushaltsvorschläge zweifellos genau unter die Lupe nehmen – nicht nur die Gesamtzahlen, sondern auch die jeweiligen Detailvorgaben. Wenn die Beobachter den Eindruck erhalten, dass die Wachstumsannahmen zu optimistisch sind, könnten die Märkte beginnen, die Realisierbarkeit der Pläne in Frage zu stellen.

Sollten sich die Zahlen jedoch als realistisch erweisen, dürften die Märkte unserer Einschätzung nach positiver reagieren.


Mögliche Auswirkungen auf die Verschuldung Italiens

Wenn es Italien gelingt, sein Haushaltsdefizit unterhalb der Marke von 2 % pro Jahr zu halten, würde sich die Schuldendynamik des Landes unserer Einschätzung nach nicht dramatisch verändern. Italien wäre auch weiterhin stark verschuldet, die Situation würde sich aus unserer Sicht jedoch nicht deutlich verschlechtern.

Andererseits scheinen die Märkte derzeit eine Verschlechterung einzupreisen, was eine geringe Wahrscheinlichkeit widerspiegelt, dass das Land die Eurozone verlassen könnte.

Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen waren zuletzt dramatischen Schwankungen ausgesetzt – von den Mitte September verzeichneten Tiefstständen von ca. 2,79 % bis hin zu ca. 3,63 % Anfang Oktober. Diese Volatilität ist sehr hoch und unterstreicht unserer Ansicht nach, wie groß die Sorgen der Anleger sind.

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