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Grüner Fisher "US-Anleihen: Chinas neue Waffe?"

Gastautor: Thomas Grüner
17.10.2018, 15:30  |  283   |   |   

Handelskonflikt am Limit

Einmal mehr rückt die angespannte Lage zwischen China und den USA in die Schlagzeilen. Die USA drohen damit, praktisch alle chinesischen Importe mit Strafzöllen zu belegen. Wie üblich bereitet China Gegenmaßnahmen vor, sieht sich aber bald mit einem Problem konfrontiert. Denn im vergangenen Jahr haben die USA chinesische Güter im Wert von 505 Milliarden US-Dollar importiert, China dagegen „nur“ 130 Milliarden US-Dollar an US-Gütern. China wird somit den Punkt erreichen, an dem vergleichbare Gegenmaßnahmen nicht mehr möglich sind. Es stellt sich also die Frage, welchen Trumpf China als nächstes ausspielen könnte.

US-Anleihen als Alternative

Eine mit großer Sorge diskutierte Theorie führt an, dass China als Vergeltungsmaßnahme in großem Stil US-Staatsanleihen abstoßen könnte, um der US-Wirtschaft damit zu schaden. Die langfristigen US-Zinsen würden ansteigen und die US-Wirtschaft mit einer höheren Zinsbelastung konfrontieren. Auf der anderen Seite muss man sich natürlich die Frage stellen: Wie realistisch ist dieses Szenario?

China würde sich selbst schaden

Die hohen Bestände in ausländischen Anleihen tragen zur Funktionsweise der chinesischen Währungspolitik bei. Von offizieller Seite werden die Bewegungen des Yuan über einen internationalen Währungskorb gemanagt, der sich am jeweiligen Handelsvolumen orientiert. Dadurch sollen die Währungsschwankungen graduell gehalten werden. Sollte sich China nun entschließen, auf einen Schlag den Bestand an US-Anleihen zu verkaufen, würde der Yuan in die Höhe schießen - sobald China die entstandene Liquidität zurück in die eigene Währung konvertiert. Für eine exportorientierte Nation stellt dies ein äußerst problematisches Szenario dar. Die exportierenden Unternehmen wären gezwungen, ihre Preise entweder nach oben anzupassen und damit Marktanteile zu verlieren, oder eben sinkende Margen und Verluste beim Währungstausch hinzunehmen. Beide Varianten wären für die chinesische Wirtschaft mit hohem Schaden verbunden. Ganz abgesehen davon würde eine Schwäche der US-Wirtschaft auch unmittelbar auf die chinesische Wirtschaft zurückfallen. 18,4 Prozent der chinesischen Exporte werden von den USA gekauft.

Was wäre wenn?

Angenommen, China entschließt sich tatsächlich zu einem drastischen Schritt und stößt sämtliche US-Anleihen ab - dann sollte man zuerst einmal festhalten, dass China nur sechs Prozent der US-Schuldtitel hält. Der Löwenanteil liegt in den Händen der US-Investoren, der Fed und der US-Regierung, welche in Summe 71 Prozent der ausgegebenen Schuldtitel halten. Weitaus wahrscheinlicher wäre wohl ein schrittweiser Verkauf, der von anderen Marktteilnehmern aufgefangen werden könnte. Einige von ihnen würden bei einem chinesischen Verkauf neue Chancen wittern und US-Anleihen zu einem relativ günstigen Kurs zukaufen. Märkte sind am Ende IMMER Angebot und Nachfrage, und der Einfluss Chinas auf die amerikanische Schuldensituation ist begrenzt.

Fazit

Der Handelskonflikt geht in die nächste Runde, China muss sich alternative Maßnahmen zu den üblichen Strafzöllen überlegen. Der Verkauf von US-Anleihen in großem Stil erscheint unwahrscheinlich, da sich China wirtschaftlich ins eigene Fleisch schneiden würde. Ein schrittweiser Verkauf wäre eine denkbare Variante, aber auch dadurch sind keine nachhaltig negativen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft oder den Anleihemarkt vorprogrammiert. Von November 2013 bis März 2016 hat China seinen US-Anleihebestand ebenfalls um 20 Prozent verringert - ganz ohne nennenswerte Folgen für die aufblühende US-Wirtschaft.

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Gastautor

Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung „Grüner Fisher Investments“ mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern. Grüner Fisher Investments arbeitet eng mit „Fisher Investments“, einem der größten amerikanischen Vermögensverwalter zusammen. Weitere Informationen unter: www.gruener-fisher.de. Bitte beachten Sie den dort hinterlegten Disclaimer sowie die Nutzungsbedingungen.

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