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Finanzstabilität Staatssekretär und Ex-Goldman Sachs-Chef Kukies: Banken müssen mehr Risiken abbauen

23.10.2018, 10:27  |  1782   |   |   

Finanzstaatssektretär Jörg Kukies (SPD) spricht von Sorgen aufgrund des Handelskonflikts als Risiko für die Weltwirtschaft und sieht mehr "Handlungsbedarf" beim Risikoabbau europäischer Banken.

"Wenn jede Vorhersage eines Nobelpreisträgers einträte, hätten wir alle zwei Jahre eine Krise. Ich will aber nicht verhehlen, dass gerade die aktuellen Handelskonflikte ein Risiko für die Weltwirtschaft sind. Die Sorge wächst, das spüre auch ich bei meinen Gesprächen auf internationaler Ebene", sagte Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und Ex-Co-Chef von Goldman Sachs in Deutschland, in einem "Tagesspiegel"-Interview.

Kukies glaub nicht, dass "wir auf eine neue Finanzkrise zusteuern". Deutschland erlebe einen ungewöhnlich langen Aufschwung. "Daher würde ich aus den aktuellen Marktkorrekturen keine allzu düsteren Schlussfolgerungen ziehen. Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft in Zyklen. Wir beobachten jetzt eine gesamtwirtschaftliche Normalisierung, bei der wir allerdings die Risiken im Blick behalten müssen", wird Kukies im Interview zitiert.

Gleíchwohl räumt der Staatssekretär ein, dass "nicht alle Entwicklungen zufriedenstellend seien". Dabei nennt er Zweifel daran, "ob in den zurückliegenden Jahren überall genügend getan worden ist, um Sicherheitspuffer aufzubauen – sowohl in der Privatwirtschaft als auch bei einigen Staaten. Mit Puffer meine ich: Finanzielle Vorsorge zu treffen, damit die nächste Krise weniger durchschlägt und man in der Lage ist gegenzusteuern. Da sehe ich noch Handlungsbedarf", so Kukies. Und weiter: "Viele europäische Banken müssen noch mehr Risikoabbau betreiben. Die Neuausrichtung von Geschäftsmodellen, die nun stattfindet, ist gut und richtig. Sie hätte früher beginnen können".

Zur Situation in Deutschland befragt, stellt Kukies ein "sehr gutes" Zeugnis aus, "was den Abbau von leistungsgestörten Krediten aus den Zeiten der Finanzmarktkrise angeht. Hier haben die deutschen Banken das günstige Umfeld der vergangenen Jahre gut genutzt, um Risiken zu verringern", meint der Ex-Investmentbanker.

Die Sorge der Sparer, die aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank Angst um ihre private oder betriebliche Altersvorsorge haben, möchte Kukies abmildern. "Angesichts der Tiefe und der Dauer der Niedrigzinsphase ist die deutsche Branche gut mit der Situation umgegangen. So rangieren die deutschen Anbieter bei der Solvenzquote weit oben. Klar ist aber, dass es zunehmend herausfordender wird, wenn Zinsen sehr lange so niedrig bleiben. Hohe Zinsgarantien, die vor vielen, vielen Jahren gegeben wurden, lassen sich dann eben irgendwann nicht mehr gewähren", erklärt Kukies.

Quelle:

Tagesspiegel



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