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ROUNDUP: Saudischer Kronprinz nennt Khashoggis gewaltsamen Tod abscheulich
Foto: Chris Boswell - 123rf Stockfoto

ROUNDUP Saudischer Kronprinz nennt Khashoggis gewaltsamen Tod abscheulich

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
24.10.2018, 18:39  |  959   |   |   

RIAD/WASHINGTON (dpa-AFX) - Der in der Khashoggi-Affäre stark unter Druck geratene saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat den gewaltsamen Tod des Journalisten als "abscheulichen Vorfall" bezeichnet. Die Tat sei "schmerzhaft" für alle Saudis und durch nichts zu rechtfertigen, sagte der Thronfolger am Mittwoch bei einer Investorenkonferenz in der saudischen Hauptstadt Raid. Sein Land unternehme alles, um die "Verbrecher" vor Gericht zu bringen.

Der Regierungskritiker Jamal Khashoggi starb nach Darstellung des islamisch-konservativen Königreichs vor drei Wochen bei einer Schlägerei im saudischen Konsulat in Istanbul. Die Türkei spricht dagegen von einem geplanten Mord, für den extra ein Einsatzkommando aus dem Wüstenstaat angereist sei. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan versprach am Mittwoch erneut, sein Land werde dafür sorgen, dass der "Mord" nicht verschleiert werde. Die Verantwortlichen könnten sich der Justiz nicht entziehen.

Die USA leiteten erste Strafmaßnahmen gegen Saudi-Arabien ein. Das Außenministerium teilte mit, 21 saudischen Verdächtigen werde entweder ihr Visum entzogen oder sie würden zu Personen erklärt, die für ein Visum zur Einreise in die USA nicht mehr in Frage kämen. Außenminister Mike Pompeo zufolge sind diese Strafen noch nicht als letzte Wort in dieser Angelegenheit.

Auch Präsident Donald Trump schließt inzwischen eine Verstrickung des 33 Jahre alten Thronfolgers Mohammed bin Salman in den Fall nicht mehr aus. Der Prinz führe derzeit in zunehmendem Maße die Regierungsgeschäfte, sagte Trump dem "Wall Street Journal". "Er hat das Sagen, und wenn es also irgendjemand gewesen wäre, dann er."

Das saudische Königshaus hatte erst nach internationalem Druck zugegeben, dass Khashoggi getötet wurde. 18 saudische Staatsangehörige wurden festgenommen. Jede Verstrickung des Kronprinzen weist das Königshaus aber zurück.

An der saudischen Version gibt es jedoch erhebliche Zweifel. Zahlreiche Spuren führen zudem ins direkte Umfeld des Kronprinzen.

Erdogan telefonierte mit dem Thronfolger, dabei ging es Regierungsmedien zufolge um "gemeinsame Anstrengungen" zur Aufklärung des Falls. Mohammed bin Salman rühmte seinerseits die gute Zusammenarbeit mit der Türkei.

Bei der Suche nach Spuren und dem Leichnam wollen türkische Ermittler als nächstes einen Brunnen im Garten des saudischen Konsulats in Istanbul untersuchen. Medienberichten zufolge hatten saudische Behörden die türkische Polizei zuvor nicht an den Brunnen herangelassen. Erst am Mittwochnachmittag sei die Erlaubnis erteilt worden, meldete die regierungsnahe Zeitung "Sabah".

Für das Weiße Haus steht in der Affäre viel auf dem Spiel, weil es enge Verbindungen zu Mohammed bin Salman pflegt. Vor allem Trumps Schwiegersohn und Nahostbeauftragter Jared Kushner pflegt gute Kontakte zu dem 33 Jahre alten Thronfolger. Das sunnitische Saudi-Arabien ist für die USA zudem ein wichtiger Abnehmer von Waffen und Partner im Kampf gegen den schiitischen Iran.

Trump sagte am Dienstagabend im Weißen Haus vor Journalisten, er habe am Vortag mit dem Kronprinzen gesprochen. Der habe nachdrücklich versichert, dass er damit nichts zu tun habe. Die Sache habe sich auf einer niedrigeren Ebene abgespielt. Trump wolle dem Glauben schenken, zitierte ihn das "WSJ": "Ich will ihnen wirklich glauben."

Trump ließ offen, wer für das "totale Fiasko", wie er es nannte, verantwortlich sein könnte. Aus seiner Sicht ist die Tötung Khashoggis dilettantisch verschleiert worden. "Die Vertuschung war eine der schlechtesten in der Geschichte von Vertuschungen."

Frankreich drohte erstmals mit Sanktionen gegen Saudi-Arabien. Bevor es dazu komme, müssten aber die Tatsachen und die Verantwortlichkeit Saudi-Arabiens klar erwiesen und von französischen Geheimdiensten bestätigt worden sein, sagte Regierungssprecher Benjamin Griveaux in Paris. "Ich wundere mich, dass sich die Debatte nur um die Frage der Waffenlieferungen dreht."

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