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Rohstoffe: Saudi-Arabien verwirrt den Ölmarkt
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Rohstoffe Saudi-Arabien verwirrt den Ölmarkt

Gastautor: Commerzbank
26.10.2018, 15:00  |  1498   |   |   

Energie: Was erwartet der weltgrößte Ölexporteur und das wichtigste OPEC-Mitglied, Saudi-Arabien, für die kommenden Monate und wie gedenkt es darauf zu reagieren? Die jüngsten Äußerungen sind teilweise widersprüchlich und änderten sich häufig. Hatte man in der vorherigen Woche als Reaktion auf mögliche Sanktionen noch mit Exportkürzungen gedroht, so vollzog man zu Wochenbeginn eine Kehrtwende und stellte Produktionssteigerungen von 1 bis 2 Mio. Barrel täglich in Aussicht. Und nun eine erneute Wende? Das Beobachtungskomittee der an den Produktionskürzungen beteiligten OPEC- und Nicht-OPEC-Länder (JMMC) stufte gestern die Versorgungssituation am Ölmarkt als sehr komfortabel ein und verwies mit Sorge auf die jüngsten Lagerbestandsanstiege. Der saudi-arabische OPEC-Governor Al-Aama sieht angesichts von steigenden Lagerbeständen den Ölmarkt bereits in diesem Quartal auf dem Weg in Richtung Überschuss. Laut Energieminister al-Falih könnte daher die Notwendigkeit eines Eingriffs bestehen. Wir sehen darin vor allem die Besorgnis über die jüngste Ölpreisschwäche. Denn wegen des zu erwartenden Exportstopps Irans im Zuge der US-Sanktionen ab übernächster Woche dürfte sich die Angebotssituation kurzfristig sogar anspannen. Man kann also die Worte von saudischen Vertretern als ein Signal interpretieren, dass man ein Preisniveau von ca. 80 USD pro Barrel als komfortabel erachtet und anpeilt. Dadurch wird der Ölpreis wieder zum Politikum und lässt sich somit kaum nur durch fundamentale Entwicklungen erklären. Stärkere Preisreaktionen auf die Tagesnachrichten und eine höhere Volatilität sind somit wahrscheinlich.

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Edelmetalle: Gold handelt stabil über 1.230 USD je Feinunze. Der schwächere Euro führt dazu, dass Gold auf 1.085 EUR je Feinunze steigt, den höchsten Stand seit Ende Juni. Der Euro geriet gestern Nachmittag während der EZB-Pressekonferenz unter Druck, nachdem EZB-Präsident Draghi ausweichend auf eine Journalistenfrage antwortete, wie sich die EZB im Falle einer Verschärfung des EU-Haushaltsstreits mit Italien verhalten würde. Zuvor hatte bereits ein enttäuschender ifo-Index den EZB-Zinserhöhungserwartungen für das nächste Jahr einen herben Dämpfer versetzt.
China hat im September überraschend wenig Gold aus Hongkong importiert. Gemäß Daten der Hongkonger Statistikbehörde beliefen sich die Netto-Goldimporte Chinas aus Hongkong auf nur 11,1 Tonnen. Dies waren fast zwei Drittel weniger als im Vorjahr und die geringsten monatlichen Einfuhren seit Mai 2011. Woher die Importschwäche kommt, ist für uns nicht ersichtlich, zumal die Schweizer Handelsdaten vor gut einer Woche höhere chinesische Importe haben erwarten lassen. Zudem waren die Goldpreise im September recht niedrig, auch in CNY gerechnet. Dennoch haben die Chinesen diese niedrigen Preise nicht als Kaufgelegenheiten erachtet. Die schwache Nachfrage könnte sich im Oktober fortgesetzt haben, da die Goldpreise in China in den letzten Wochen stark gestiegen waren. Auch die indische Goldnachfrage ist wegen der deutlich gestiegenen lokalen Preise derzeit nur verhalten. Damit erhält der Goldpreis von dieser Seite her momentan keine Unterstützung.

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Industriemetalle: Die Metallpreise halten sich im Umfeld fallender Aktienmärkte und Ölpreise weiterhin erstaunlich gut. Wie lange die Metallpreise ihr Terrain noch verteidigen können, ist angesichts der zunehmend schwächeren Konjunkturdaten fraglich. Heute könnten allerdings gute US-BIP-Daten für das dritte Quartal den Preisen Unterstützung geben.
In China wird offenbar die Aluminiumproduktion gedrosselt. Grund hierfür sind aber nicht die möglichen angeordneten Produktionskürzungen während der bevorstehenden Wintersaison – hierzu gibt es bislang noch keine Nachrichten aus China –, sondern in erster Linie die derzeit schwachen Margen. Denn die Aluminiumpreise sind sowohl an der LME als auch an der SHFE in den letzten Wochen (weiter) gefallen, während die Rohmaterialkosten (insbesondere Alumina) gestiegen sind. Der chinesische Research-Anbieter SMM hat die durchschnittlichen Produktionskosten in China für die letzte Woche auf 14.400 CNY je Tonne taxiert, was leicht über dem Preis für den meistgehandelten Aluminium-Futures-Kontrakt an der SHFE liegt. Einige chinesische Schmelzen haben daher eigenen Angaben zufolge bereits ihre Produktion gedrosselt (um zusammen mehrere Hunderttausend Tonnen), andere wollen dies in Kürze tun. Eine geringere Produktion, die sich auch in niedrigeren chinesischen Exporten niederschlagen sollte, dürfte die Aluminiumpreise stützen. An der LME ist der 3-Monats-Future dennoch unter die Marke von 2.000 USD je Tonne auf den niedrigsten Stand seit Anfang April gerutscht.

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