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ROUNDUP Schwächstes Wachstum in der Eurozone seit mehr als vier Jahren

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
30.10.2018, 13:11  |  416   |   |   

LUXEMBURG (dpa-AFX) - Die Wirtschaft in der Eurozone ist im Sommer so schwach gewachsen wie seit über vier Jahren nicht mehr. Besonders enttäuschend war die Entwicklung in Italien. Ökonomen verweisen aus Sondereffekte und hoffen auf eine Erholung im vierten Quartal.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe im dritten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal zugelegt, teilte das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg nach einer Schnellschätzung mit. Im Vorquartal war die Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen. Volkswirte hatten für die Monate Juli bis September erneut mit einem Zuwachs in dieser Größenordnung gerechnet.

Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal wuchs die Wirtschaft in der Eurozone im dritten Quartal um 1,7 Prozent. Hier waren 1,8 Prozent prognostiziert worden, nachdem es in dieser Betrachtung im zweiten Quartal einen Anstieg um 2,2 Prozent gegeben hatte.

"Das magere Plus ist teilweise auf die Probleme der Automobilindustrie mit dem neuen Emissionstestverfahren zurückzuführen, die in Deutschland das Wachstum im Sommer wohl zum Erliegen gebracht haben", erklärte Volkswirt Christoph Weil, Volkswirt bei der Commerzbank den Rückgang. Die Bundesbank hatte zuletzt von einer "Wachstumspause" im Sommer in Deutschland berichtet.

Noch schwächer als die Wirtschaft der Eurozone insgesamt entwickelte sich Italien. Das BIP stagnierte hier im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal, wie aus den am Vormittag veröffentlichten Zahlen der Statistikbehörde Istat hervorgeht. Volkswirte hatten hingegen mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet.

Experte Weil machte auch hier die Probleme in der Automobilindustrie verantwortlich. In Italien ist eine schwache Konjunkturentwicklung besonders problematisch, da das Land derzeit einen Konflikt mit der EU-Kommission über den Staatshaushalt austrägt. Ein künftig verhalteneres Wachstum würde zu einem noch höheren Defizit im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt führen.

Hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist auch das Wachstum in Frankreich. Das BIP legte hier im dritten Quartal um 0,4 Prozent zu. Volkswirte hatten mit 0,5 Prozent gerechnet. Zudem schwächten sich im September die Konsumausgaben stärker als erwartet ab.

Ökonomen hoffen nun auch eine Erholung des Wachstums in der Eurozone im vierten Quartal. Dann dürften die Probleme in der Automobilindustrie weitgehend behoben sein. Die ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Stimmungsindikatoren aus der Eurozone machen aber noch keine große Hoffnung. So ist die von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsstimmung auf den niedrigsten Stand seit Mai 2017 gesunken. Es war der zehnte Rückgang in Folge. Auch das Geschäftsklima BCI fiel auf den tiefsten Stands seit Mai 2017.

"Ob das unterliegende Wachstumstempo der ersten Jahreshälfte wieder erreicht wird, ist angesichts der fallenden Stimmungsindikatoren alles andere als sicher", kommentierte Weil. Gefahren wie ein Handelskriegs zwischen den USA und China oder ein harter Brexit könnten die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dämpfen.

Der Euro reagierte mit Kursverlusten auf die schwachen Daten. Er fiel auf ein Tagestief von 1,1347 US-Dollar. Durch das schwache italienische Wachstum wurden die Kurse italienischer Staatsanleihen belastet. Die Rendite stieg um 0,10 Prozentpunkte auf 3,433 Prozent./jsl/jkr/zb

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