DAX+2,63 % EUR/USD-0,03 % Gold0,00 % Öl (Brent)+0,09 %

Wie man chancenreiche Turnaround-Aktien identifiziert – eine Anleitung für Anleger

Anzeige
Nachrichtenquelle: The Motley Fool
04.11.2018, 09:04  |  778   |   |   

Jetzt, wo aus den internationalen Börsen etwas Luft abgelassen wurde, sollten sich Schnäppchenjäger auf die Lauer legen. Bei vielen Aktien scheint es unberechtigt, dass auch sie im Abwärtsstrudel weit mit nach unten gezogen wurden. Hier ist eine Anleitung, wie man aussichtsreiche Turnaround-Kandidaten identifiziert.

Von was reden wir eigentlich bei Turnaround-Kandidaten?

Viele verbinden mit Turnaround lediglich Krisenunternehmen, bei denen einerseits die Pleite droht, andererseits aber auch die Hoffnung besteht, dass sie doch noch die Kurve kriegen. Klassische Beispiele dafür sind Gerry Weber (WKN:330410) und Tele Columbus (WKN:TCAG17).

Aber es gibt auch mildere Formen des Turnarounds. Wenn etwa bei Alibaba (WKN:A117ME) die steile Wachstumskurve etwas abflacht oder ein Rohstoffkonzern unter fallenden Marktpreisen leidet, dann besteht kein unmittelbares Pleiterisiko. Trotzdem kann der Aktienkurs bei enttäuschten Erwartungen stark einbrechen und es können sich große Turnaround-Chancen bieten.

Daneben muss man an Unternehmen denken, die jahrelang bei stagnierenden Umsätzen und schwacher Profitabilität vor sich hindümpeln, weshalb Anleger sich von ihnen zunehmend abwenden. In solchen Fällen könnte ein neues Management durch entscheidende Weichenstellungen für eine Reaktivierung sorgen. Potenziell könnte thyssenkrupp (WKN:750000) auf diese Art für eine Überraschung sorgen.

Eine weitere Variante stellen Unternehmen dar, die aktuell noch gut laufen, wo für die Zukunft jedoch dunkle Wolken aufziehen. Viele Maschinenbauer, Autohersteller und deren Zulieferer fallen derzeit darunter. Daimler (WKN:710000) schreibt beispielsweise seit Jahren hohe Milliardengewinne, und doch tendiert die Aktie nur nach unten.

Es gibt also ganz unterschiedliche Turnaround-Ereignisse:
– Abwendung eines Pleiteszenarios
– Übertriebene Ängste verflüchtigen sich
– Ein negatives Marktumfeld hellt sich auf
– Eine neue Strategie erweckt ein Unternehmen aus seiner Lethargie
– In einen temporär gedämpften Wachstumspfad kommt wieder neuer Schwung

Allen Punkten gemeinsam ist jedoch, dass sich ein für den Aktienkurs wesentlicher Faktor erheblich besser entwickelt, als allgemein erwartet wird.

Aussichtsreiche Chancen identifizieren

Turnaround-Kandidaten zeichnen sich also vor allem dadurch aus, dass sie über eine besonders weite Spreizung von realistischen Szenarien verfügen.

Beispiel Automobilmarkt: Noch 2012 hätte man sich vielleicht gefragt, ob der weltweite Absatz zukünftig eher um 3 % oder 6 % jährlich steigen würde – nicht besonders prickelnd. Heute müssen wir uns fragen, ob etwa Daimler rapide Marktanteile verlieren oder durch das Digitalgeschäft sogar beschleunigt wachsen wird. Dazwischen liegen Welten! Ähnlich sieht es bei den Zulieferern aus, denen im schlimmsten Fall das Geschäft wegbrechen könnte, im besten Fall jedoch lukratives Zusatzgeschäft lockt, etwa beim Hybrid-Antrieb.

Da gibt es sehr vielfältige und komplexe Fragestellungen, denen man nachgehen kann: Wie gut ist die Technologieposition tatsächlich? Wird der adressierbare Markt wachsen oder schrumpfen? Zünden die neuen Plattformen und Innovationen? Droht ein Margenverfall?

Im nächsten Schritt müssen wir versuchen, ein Gefühl dafür zu bekommen, was unser analysiertes Unternehmen in den verschiedenen Szenarien wert sein könnte. Wenn sich herausstellt, dass Daimler das aktuelle Gewinnniveau von rund 9 Mrd. Euro nachhaltig verteidigen oder sogar ausbauen kann, dann wären die Stuttgarter vielleicht doppelt so viel wert wie heute (52,50 Euro zum 31.10.). Meistern sie den Branchenumbruch hingegen mehr schlecht als recht, dann könnte eine Bewertung deutlich unter Buchwert (aktuell etwa 62 Euro/Aktie) berechtigt sein. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit.

Auf diese Weise sieht man ganz gut, in welchem Ausmaß der Markt negative Szenarien einpreist. Jetzt kommt es also darauf an, wie stark deine eigene Meinung davon abweicht. Vielleicht war der Kursrückgang ja sogar völlig berechtigt. Fällt dein Urteil jedoch wesentlich besser aus, dann könntest du auf eine ausgezeichnete Turnaround-Chance gestoßen sein.

Nichts überstürzen

Das heißt aber nicht, dass du sofort mit all deinem frei verfügbaren Kapital zuschlagen solltest. Schließlich zeigt sich immer wieder, dass Turnaround-Prozesse sehr zäh verlaufen können. Oft zerstören Leerverkäufer über Monate jeden Versuch, eine Trendwende im Aktienkurs einzuleiten. Ein anderer Punkt ist, dass institutionelle Anleger sehr konservativ agieren. Sie nutzen nur selten ihre Fantasie, um eine mögliche Trendwende vorherzusehen, sondern warten geduldig auf harte Fakten. Vorher passiert bis dahin meistens nicht viel beim Aktienkurs.

Ähnlich sieht es bei Analysten aus, die oft Trendfolger sind. Aktien, von denen sich Anleger abwenden, werden kaum zum Kauf empfohlen, egal wie stark der Kurs sinkt. Erst wenn alle Lichter auf Grün stehen, springen sie wieder auf den Zug auf. Dann kann der operative Turnaround eines Unternehmens aber schon monatelang gestartet sein, denn die vergangenheitsorientierten Quartalszahlen sind ja in der Regel erst rund zwei Monate nach Quartalsende verfügbar.

Um also nicht vom guten Timing abhängig zu sein, bietet es sich an, schrittweise in Turnaround-Kandidaten zu investieren. Wenn du eine klare Vorstellung davon hast, wie deine Favoriten eigentlich bewertet werden sollten, dann kannst du dich sogar über weitere Kursrückgänge freuen. Mit gezielten Nachkäufen erhöht sich so die Gewinnchance. Trotzdem muss man Nieten einkalkulieren. Denn selbst wenn du die Wahrscheinlichkeit eines Negativszenarios aus den besten Gründen als niedrig einschätzt, kann es doch letztlich eintreten.

Über einen größeren Zeitraum sollten die erfolgreichen Investitionen allerdings trotz solcher Fehlschläge für eine gute Gesamtrendite sorgen – wenn du planvoll und konsequent handelst und einen guten Riecher für Turnaround-Aktien hast.

So nimmst du die Finanzen eines Unternehmens richtig auseinander

Bist du nicht sicher, wie du die Bilanz eines Unternehmens richtig analysierst? Dann solltest du dir eine Kopie unseres Sonderberichts "15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen" schnappen, in dem dir Analyst Bernd Schmid genau zeigt, wie du das professionell machen kannst – und einige böse Überraschungen vermeidest. Klick einfach hier, um in diesen kostenlosen Sonderbericht zu einsteigen.

Mehr Lesen

Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.


The Motley Fool GmbH – Disclaimer für Anlageempfehlungen

Disclaimer für The Motley Fool GmbH Research Publikationen Hinweis: Auf diesen Seiten findest du Rechtshinweise und die Veröffentlichungen gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR (Marktmissbrauchsverordnung (EU) Nr. 596/2014) für alle Wertpapieranalysen und Empfehlungen von The Motley Fool GmbH („The Fool“ nachher) bezüglich aller Unternehmen, die gegenwärtig von dieser beobachtet wird.

Diese Seiten wurden zuletzt am 18. Apr 2017 aktualisiert.

Rechtshinweis / Disclaimer Die Anlageempfehlungen von The Fool enthalten ausgewählte Informationen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Analysen stützen sich auf allgemein zugängliche Informationen und Daten („die Information“), die als zuverlässig gelten. The Fool hat die Information jedoch nicht auf ihre Richtigkeit oder Vollständigkeit geprüft und übernimmt für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Information keine Haftung. Etwaige unvollständige oder unrichtige Informationen begründen keine Haftung von The Fool für Schäden gleich welcher Art, und The Fool haftet nicht für indirekte und/oder direkte Schäden und/oder Folgeschäden. Insbesondere übernimmt The Fool keine Haftung für in diesen Analysen enthaltene Aussagen, Planungen oder sonstige Einzelheiten bezüglich der untersuchten Unternehmen, deren verbundener Unternehmen, Strategien, konjunkturelle, Marktund/oder Wettbewerbslage, gesetzlicher Rahmenbedingungen usw. Obwohl die Analysen mit aller Sorgfalt zusammengestellt werden, können Fehler oder Unvollständigkeiten nicht ausgeschlossen werden. The Fool, deren Anteilseigner und Angestellte übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen oder Schlüsse, die aus in den Analysen enthaltenen Informationen abgeleitet werden. Sollten wesentliche Angaben unterlassen worden sein, haften The Fool für einfache Fahrlässigkeit. Der Höhe nach ist die Haftung von The Fool auf Ersatz von typischen und vorhersehbaren Schäden begrenzt. Die Anlageempfehlungen stellen weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Es ist möglich, dass Gesellschafter, Geschäftsleitung oder Angestellte von The Fool in verantwortlicher Stellung, z.B. als Mitglied des Aufsichtsrats, in den in Analysen genannten Gesellschaften tätig sind, oder eine Investitionsposition darin haben. Die in Anlageempfehlungen enthaltenen Meinungen können ohne Ankündigung geändert werden. Alle Rechte vorbehalten.

Zusätzliche Informationen für Kunden in den USA Die Anlageempfehlungen sind ein Produkt von The Fool. The Fool ist der Arbeitgeber oder Auftraggeber des jeweiligen Research Analysten, der den Report erstellt hat. Der Research Analyst ist keine mit einem US regulierten Broker-Dealer verbundene Person und unterliegt damit auch nicht der Aufsicht eines US regulierten Broker-Dealer.

Erklärung gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR sowie Delegierter Verordnung (EU) Nr. 2016/958 („DelVO“) Bewertung Die Bewertung, die der Anlageempfehlung für das hier analysierte Unternehmen zugrunde liegt, stützt sich auf allgemein anerkannte und weit verbreitete Methoden der fundamentalen Analyse, wie z.B. Discounted Cash Flow (DCF)-Modell, Terminal Multiple Bewertung, Peer-Gruppen-Vergleich, „Sum of the parts“ Modell oder ein ähnliche, häufige und weit verbreitete fundementale Bewertungsmethode.

Das Ergebnis dieser fundamentalen Bewertung wird als Basis der Empfehlung benutzt, obwohl es auch von der Einschätzung des Analysten bezüglich möglichen Industrieveränderungen, alternativen möglichen Zukünfte, Unternehmensstrategienergebnisse, Wettbewerbsdruck, usw. angepasst. Die letztendliche Meinung des Analysten sollte nicht als einzigen Punkt von Modell betrachtet, sondern eher die überlegt am wahrscheinlichsten Ergebniss der vielen möglichen zukünftigen Auswirkungen.

Unabhängig von der verwendeten Bewertungsmethode besteht das Risiko, dass das Investitionsergebnis nicht erreicht wird, z.B. aufgrund unvorhergesehener Veränderungen der Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens, Änderungen des Managements, der Technologie, der konjunkturellen Entwicklung, der Zinsentwicklung, der operativen und/oder Materialkosten, des Wettbewerbsdrucks, des Aufsichtsrechts, des Wechselkurses, der Besteuerung, usw. Bei Anlagen in ausländischen Märkten und Instrumenten gibt es weitere Risiken, etwa aufgrund von Wechselkursänderungen oder Änderungen der politischen und sozialen Bedingungen.

Diese Analyse reflektiert die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Eine Änderung der der Bewertung zugrundeliegenden fundamentalen Faktoren kann nachträglich dazu führen, dass die Bewertung nicht mehr zutreffend ist. Ob und in welchem zeitlichen Abstand eine Aktualisierung dieser Ausarbeitung erfolgt, ist vorab nicht festgelegt worden.

Es wurden zusätzliche interne und organisatorische Vorkehrungen zur Prävention oder Behandlung von Interessenkonflikten getroffen.

Die Ergebnisse der Analysen, sowie die Meinungen der Analysten, sind nicht vor der Veröffentlichung zu den analysierten Unternehmen offengelegt.

Alle Preise von Finanzinstrumenten, die in dieser Finanzanalyse angegeben werden, sind Schlusskurse des dem jeweiligen ausgewiesenen Veröffentlichungsdatums vorangegangen Börsenhandelstages, soweit nicht ausdrücklich ein anderer Zeitpunkt genannt wird.

Bedeutung der präsentierten Anlageempfehlungen Anlageempfehlung: Erwartete Entwicklung des Preises des Finanzinstruments bis zum angegebenen Kursziel, nach Meinung des dieses Finanzinstrument betreuenden Analysten.

Kauf: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren mehr als den passenden Index steigen wird. Halten: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren entweder weniger als den passenden Index steigen wird, oder stabil bleiben wird. Verkaufen:Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren fallen wird.

Handelsregeln und Offenlegungen von Analysten und Dritten in Verbindung mit der Motley Fool GmbH Wenn ein Analyst von Motley Fool über eine Aktie schreibt, von der er oder sie selbst eine Position besitzt oder davon anderweitig profitiert, dann wird dieser Umstand am Ende eines Artikels oder Berichts erwähnt.

Wir haben Aktienempfehlung in unseren kostenpflichtigen Newslettern und wir legen auch diese Empfehlungen offen, wenn wir darüber auf unserer kostenlos zugänglichen Website schreiben (Fool.de). Um unseren zahlenden Mitgliedern gegenüber fair zu bleiben, legen wir diese Empfehlungen mindestens 30 Tage ab der ersten Veröffentlichung der Empfehlung nicht in unserem kostenlosen Content offen. Nach dieser Frist von 30 Tagen werden wir auch diese Empfehlungen offen legen.

Das amerikanische Mutterunternehmen, The Motley Fool, LLC (kurz als „Fool US“ bezeichnet) kann auch Positionen von den Wertpapieren haben, die in unseren Artikeln erwähnt werden. Da wir kein nicht-öffentliches Wissen bezüglich der Positionen unseres Mutterunternehmens haben, werden die Positionen von Fool US auch nicht in unserem kostenlosen oder Premium-Content veröffentlicht. Fool US hat seine eigene Offenlegungsrichtlinien.

Zusätzlich zu den oben erwähnten Anforderungen unterliegen wir unter zusätzlichen Handelsbeschränkungen und Richtlinien. Diese Beschränkungen verlangen, dass die Angestellten von Motley Fool:

- jede Aktie, die sie besitzen mindestens 10 volle Handelstage besitzen müssen. (Daytrading ist nicht zugelassen – als ob wir das überhaupt wollten!) - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen. - unsere Compliance-Abteilung informieren müssen, wenn sie eine Aktie kaufen oder verkaufen, egal ob sie darüber geschrieben haben oder nicht.

Wir arbeiten auch mit freiberuflichen Autoren, die:

- jede Aktie, die sie besitzen und über die sie bei Motley Fool schreiben, mindestens 10 volle Handelstage halten müssen. - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen.


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel