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Interviews: Dr. Michael Hasenstab/Dr. Calvin Ho (Franklin Templeton): Populismus, Handel und Volatilität in den Schwellenländern
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Interviews Dr. Michael Hasenstab/Dr. Calvin Ho (Franklin Templeton): Populismus, Handel und Volatilität in den Schwellenländern

Nachrichtenquelle: Asset Standard
06.11.2018, 09:10  |  367   |   |   

Warum die EU in den kommenden Jahren vor erheblichen Herausforderungen stehen könnte.

Dr. Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro, und Dr. Calvin Ho, Vice President und Deputy Director of Research, diskutieren im Gespräch mit Katie Klingensmith die Turbulenzen in den Schwellenländern, die anhaltenden Sorgen um die Handelspolitik und die gegenläufigen Wachstumstrends in den Industrieländern.


Katie Klingensmith:  Wie schätzen Sie die globale Landschaft derzeit ein? Ich denke, alles beginnt mit dem anhaltenden Wirtschaftswachstum in den USA?

Michael Hasenstab: Wir haben eine Anerkennung, dass die US-Wirtschaft tatsächlich ziemlich stark ist – ganz gleich, ob man sich die Zahlen des ISM [Institute for Supply Management] ansieht oder die Arbeitsmarktdaten. Sogar der Tonfall der Fed [US Federal Reserve] ändert sich gerade, und sie räumt ein, dass Vollbeschäftigung herrscht und die Wirtschaft derzeit wirklich stark wächst. Wenn man sich die BIP-Zahlen anschaut – oder auch andere Zahlen – sieht die Lage robust aus, und infolgedessen sind bei Staatsanleihen erste Aufwärtsbewegungen zu beobachten, die recht markant ausfallen. Unserer Einschätzung nach ist diese Entwicklung alles andere als abgeschlossen. Wir haben auch beobachtet, dass sich der Yen wieder an der Zinsdifferenz ausgerichtet hat. Mit der Wiederwahl des [japanischen] Premierministers [Shinzō] Abe dürften die Abenomics fortgesetzt werden. Diese sehen eine lockere Geldpolitik vor, während die Fed ihre Politik strafft, und durch diese Zinsdifferenz kommt der Yen weiter unter Druck.

Allgemein haben wir bislang auch ein gewisses Maß an Schwäche beim Euro beobachtet, was Sorgen über Populismus sowie Haushaltsfragen zuzuschreiben ist. Was die Schwellenländer anbelangt, so haben dieses relativ gute Wachstumsumfeld sowie die Tatsache, dass die Türkei isoliert ist und die dortigen Probleme nicht auf die übrigen Schwellenländer übergreifen, für ein gewisses Maß an Stabilität gesorgt. 

Katie Klingensmith: Sie haben die Schwäche des Euro angesprochen, und ich weiß, dass dies ein Bereich ist, den Sie und Ihr Team sehr genau im Auge behalten. Calvin, wie schätzen Sie die aktuellen Geschehnisse im Euroraum ein? 

Calvin Ho: Nun, zunächst einmal denke ich, man sollte nicht vergessen, dass 2017 ein sehr gutes Jahr für den Euroraum war. Das Wachstum lag bei 2,4 %. Wenn man einmal zurückblickt, stellt man fest, dass das Wachstum die Marke von 2,4 % zuletzt im Jahr 2007 erreicht bzw. überschritten hatte. Im Grunde genommen war das letzte Jahr also das beste Jahr für den Euroraum. Wonach wir nun Ausschau halten, ist eine allmähliche Abschwächung des Wachstums. Der Marktkonsens liegt bei etwa 2 %, für das nächste Jahr liegt er knapp unterhalb der Marke von 2 %, aber wir sehen tatsächlich ein Abwärtsrisiko. Ein Grund, warum unsere Schätzung für das potenzielle Wachstum im Euroraum bei etwa 1,5 % liegt. Daher wird es uns nicht überraschen, wenn das Wachstum im kommenden Jahr unterhalb des Marktkonsens von 1,8 % liegt. 

Katie Klingensmith: Und der Aufstieg des Populismus bereitet Ihnen Sorgen, Michael?

Michael Hasenstab: Ich denke, dies ist sicherlich das größte Problem. Calvin und ich haben uns schon häufig darüber unterhalten, und wie er sagt: Die Währungsunion kann nicht funktionieren, wenn man nicht zuerst eine politische Union hat. Genau das ist es, was die USA über mehrere hundert Jahre entwickelt haben. Zunächst muss eine politische Union geschaffen werden, bevor dann ganz am Ende auch eine Währungsunion folgt. Europa hat eine Währungsunion geschaffen, bevor es eine politische Union gab, und hat dann versucht, dies mit Zwang zu erreichen. Und das hat funktioniert bis, ich würde sagen, vielleicht bis letztes Jahr, bis zur Immigrations- und Flüchtlingskrise. 2011 ist es Europa gelungen, gemeinsam eine Lösung zu finden, auch wenn es keine Fiskalunion und keine Bankenunion gab. Sie haben die Bankenunion mehr schlecht als recht zur Hälfte hinbekommen, und dann dafür gesorgt, dass die Fiskalpolitik funktioniert.

Das Problem ist, dass sich die Politik, die von dem getrieben wird, was den Menschen wichtig ist, dramatisch verändert hat. Heute betreffen die größten Sorgen die Flüchtlingskrise, Terrorismus oder Immigration, und diese Änderung der Wählerpräferenzen hat zur Wahl der Fünf-Sterne-Bewegung in Italien geführt. Sie hat zu einer rechtsgerichteten Regierung in Österreich geführt. Sie hat zu sehr stark rechtsgerichteten Regierungen in Ungarn und Polen geführt. Es hat zum Aufstieg nationalistischer und EU-feindlicher Parteien in Deutschland geführt. Diese Idee einer politischen Union ist also sehr schwierig, wenn man eine populistische oder ultranationalistische Stimmung unter den Wählern und den Politikern an der Macht hat, da sich diese tendenziell nach innen wenden, was genau dem Gegenteil einer politischen Union entspricht. Das ist eines der Probleme.

Das andere Problem ist, dass es beim Populismus der meisten dieser Parteien darum geht, viel Geld auszugeben. Die Eurozone kann ohne eine verantwortliche Fiskalpolitik nicht funktionieren, denn wenn sich Italien nicht fiskalpolitisch verantwortlich verhält, werden die Deutschen eine Neutralisierung der Schulden nicht unterstützen. Und ohne diese gemeinsame Entschlossenheit, an einer Art gemeinsamer Fiskalunion zu arbeiten, funktioniert die Eurozone nicht. Daher denke ich, dass Populismus… es sei denn, dies kehrt sich um, und ganz ehrlich sehen wir nirgendwo auf der Welt eine Umkehr dieses Trends… sofern es nicht zu einer Umkehr kommt, gehe ich davon aus, dass das Fundament des Euro als Währung während der nächsten 5 bis 10 Jahre auf die Probe gestellt werden dürfte. Und zwar auf eine ganz erhebliche Probe. 

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