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Quant-Experten von Robeco: Nachhaltigkeit und passives Investieren sind unvereinbar

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
05.11.2018, 17:21  |  376   |   |   
Nachhaltige Kapitalanlage verlangt aktive Entscheidungen. Deshalb kann sie nicht rein passiv sein, sagen David Blitz, Leiter für Quantitative Research, und Wilma de Groot, Leiterin des Core Quant Equity-Teams, von Robeco.Einer der größten Anlagetrends der letzten Jahrzehnte war die Verlagerung vom aktiven zum passiven Investieren. Hinter dem letztgenannten Ansatz steht der Gedanke: Aktives Management ist ein Nullsummenspiel vor Kosten. Folglich müsste das passive Abbilden von Marktindizes bei minimalen Kosten zu einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung führen.
Ein weiterer sehr beliebter Trend bei Anlegern ist es, Nachhaltigkeitsaspekte wie Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) in den Anlageprozess zu integrieren. Diese beiden Wünsche stehen jedoch im Widerspruch zueinander: Anlegern kann der eine oder der andere Wunsch erfüllt werden, aber nicht beide gleichzeitig.
Nur aktives Management ermöglicht die Integration von Nachhaltigkeit
Auf den ersten Blick mag es plausibel erscheinen, dass sich Nachhaltigkeitsaspekte effektiv auch in einen passiven Investmentansatz integrieren lassen. Insbesondere können passive Investoren aktiv auf Hauptversammlungen abstimmen und sich engagieren. Sie können ebenfalls Aktien ausschließen, die unter dem Aspekt Nachhaltigkeit am problematischsten sind, oder sich passiv für einen ESG-Index entscheiden.
Eine umfassende Integration von Nachhaltigkeit bringt jedoch viele aktive Entscheidungen mit sich. Deshalb erfordert sie ein aktives Portfolio- und Risikomanagement sowie Techniken zur aktiven Performance-Bewertung. Infolgedessen bewegen sich die Anleger – gewollt oder ungewollt – auf dem Gebiet des aktiven Managements. Passives Investieren und Nachhaltigkeitsintegration sind sehr unterschiedliche Anlagephilosophien – und deshalb nicht miteinander vereinbar.
Für passive Anlageverwalter spielt Nachhaltigkeit keine Rolle
Abstimmen ist für passive Aktienbesitzer zwar möglich. Eine Studie belegt jedoch, dass sie sich in mehr als 90 Prozent der Fälle auf die Seite der Unternehmensleitung stellen.*  Das Geschäftsmodell passiver Anlageverwalter bildet den Marktindex so nah wie möglich ab. Keine Rolle spielt es dagegen, ob die Kapitalmanager abstimmen oder sich engagieren. Im Unterschied dazu besteht bei aktiven Managern die Hauptaufgabe darin, durch eigene Tätigkeiten Mehrwert zu schaffen. Aktives Verhalten in Abstimmungen und Engagement können wirksame Instrumente dafür sein.
Die Autoren der Studie führen weiter aus, dass passive Manager – abgesehen davon, Unternehmen mit schlechter Publicity zu drohen – in Wahrheit nur sehr wenig tun können, wenn Zielgesellschaften ihr Engagement nicht ernst nehmen. Ihre Positionen in Unternehmen, die zu ESG-Themen nur Lippenbekenntnisse abgeben, können sie nicht wirklich verkaufen, denn sie sind gegenüber ihren Anlegern ja gerade dazu verpflichtet, das gesamte Marktportfolio zu replizieren.
* Fichtner, J., Heemskerk, E.M. und J. Garcia-Bernardo, 2017. "Hidden power of the Big Three? Passive index funds, re-concentration of corporate ownership, and new financial risk." Business and Politics, Vol. 19 (2), S. 298-326.

Reiner Negativausschluss passiver Ansätze lässt keine positive ESG-Auswahl zu
Dennoch können passive Manager anbieten, einen breiten Marktindex zu verfolgen, aber jene Aktien auszuschließen, die unter ESG-Kriterien am problematischsten sind. Beliebte Ziele für den Ausschluss sind sogenannte "Sin Stocks" (zum Beispiel Tabak und Alkohol) oder umstrittene Unternehmen wie Hersteller von Streumunition. Immer öfter werden auch Produzenten von Kraftwerkskohle in Ausschlusslisten aufgenommen.
Die Abweichungen in der Wertentwicklung gegenüber dem Marktindex dürften gering sein, solange die Anzahl der ausgeschlossenen Aktien begrenzt bleibt. Mit einer zunehmenden Zahl an Ausnahmen wird dieser Ansatz aber immer schwieriger zu verwirklichen sein. Zudem ist es eine rein negative Vorauswahl. Es lässt also kein positives Screening nach ESG-Kriterien zu, bei dem das, was man einbezieht, genauso wichtig ist wie das, was man ausschließt.
Einige passive Anleger sind der Überzeugung, dass dieses Problem gelöst werden kann, indem man einem ESG-Index folgt, also einem Index, der nur aus Aktien mit den besten ESG-Profilen besteht. Doch Fakt ist: Obgleich Techniken des passiven Managements verwendet werden können, um die Wertentwicklung eines solchen Index zu replizieren, hat er alle Merkmale eines aktiven Portfolios.
Die Aktivität eines ESG-Index ist auch dadurch höher, dass sich die ESG-Profile von Unternehmen im Laufe der Zeit ändern. Hinzu kommt, dass sich ESG-Kriterien selbst ändern können: Was vor 20 Jahren noch als nachhaltig galt, hält womöglich heutigen Maßstäben nicht mehr stand.
Das Beste aus beiden Welten?
Aber wie wäre es mit einer alternativen Lösung: mit einem aktiven, nachhaltigen Ansatz, der nahe beim passiven Marktindex bleibt? Vereint das womöglich das Beste aus beiden Welten?
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