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Die peinliche Pleite der Robo-Fonds

Gastautor: Sven Weisenhaus
06.11.2018, 09:46  |  1186   |   |   

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

in dem fiktionalen Thriller „Angst“ von Bestsellerautor Robert Harris („Enigma“) geht es um einen Super-Algorithmus, der auf spektakuläre Weise (nicht nur) die Märkte beherrscht. In der Realität sind die ersten Systeme, die auf denselben Methoden basieren, aber noch peinlich weit von solchen Ergebnissen entfernt.

Künstliche Intelligenz soll Algo-Tradern auf die Sprünge helfen

Schlagzeilen haben solche „Algo-Trader“ („Algo“ ist die Kurzform von Algorithmus, also den Softwareroutinen, die diese Systeme steuern) dagegen schon öfter gemacht. Erstmals wurden sie – in ihrer einfachsten Form – im berühmten Crash von 1987 auffällig, als sie massenhaft Stop-Orders „automatisch“, also unkontrolliert, in den Markt gegeben haben und damit den damaligen Kurseinbruch maßgeblich vorangetrieben haben sollen.

Vor einigen Jahren machte dann eine neue Art von Algorithmen Furore, und zwar diejenigen von sogenannten Hochfrequenz-Tradern. Sie sollen unter anderem diverse sogenannte Flash-Crashs ausgelöst bzw. verstärkt haben, z.B. den bisher spektakulärsten vom 6. Mai 2010, als der Dow Jones innerhalb von Minuten einen blitzartigen 10%-Einbruch und eine ebenso dynamische Erholung erlebte und manche US-Aktien zeitweise um mehr als 90 % verloren.

Gut, solche „Kinderkrankheiten“ und „Unfälle“ gibt es bei allem Neuen. Aber nun – endlich! – sollen diese Systeme der ultimative Weg sein, die Märkte zu beherrschen, fast wie in Harris‘ Roman. Künstliche Intelligenz (KI; englisch: Artificial Intelligence, AI) soll ihnen auf die Sprünge helfen. Von ihr träumen Forscher seit Jahrzehnten, doch inzwischen scheint sie aufgrund leistungsfähiger Computer und Software erstmals möglich zu sein.

Eine verlockende Aussicht – und der Traum jedes Anlegers

Das Besondere daran ist, dass – anders als bisher – diesen Systemen keine festen Regeln per Software mehr vorgegeben werden, nach denen sie sich richten (wie bei schnöden Stop-Orders). Die Software fungiert dagegen als selbstlernendes System, das aus diversen Daten (charttechnische, fundamentale usw.) seine Regeln selbst findet und dann entsprechende Entscheidungen trifft.

Nicht nur, wer jemals versucht hat, ein Tradingsystem zu „basteln“, kann ermessen, wie verlockend diese Aussicht ist: Damit gäbe es theoretisch die Möglichkeit, alle verfügbaren Informationen zu berücksichtigen, die für die Kursverläufe relevant sind. Egal, ob Konjunkturdaten, Unternehmensergebnisse und -nachrichten, Branchen-News oder Informationen über die Konkurrenz, politische Beschlüsse, Geldpolitik, Rohstoffe, Wetter, und, und, und – all das könnte ein solches System erfassen, auswerten und daraufhin genau die richtigen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen treffen.

Im Prinzip wäre ein solches System erstmals in der Lage, die Effizienzmarkthypothese nicht nur zu bestätigen, sondern auch in der Praxis umzusetzen! Wenn es genau ein solches System gäbe, träfe es stets die richtigen Entscheidungen – alle anderen „Börsianer“ (egal, ob menschliche Akteure oder andere, unvollkommenere automatische Systeme) hätten das Nachsehen.

Die Gretchen-Frage für alle Privatanleger

Lassen Sie diese Erkenntnis erst einmal richtig sacken – und beantworten Sie dann für sich die folgende (Gretchen-)Frage: Wenn es tatsächlich ein solches System (oder mehrere) gibt – wie wahrscheinlich ist es, dass es jemand genau Ihnen anbietet, damit Sie ebenfalls davon zu profitieren?

Genau, das Ganze klingt doch eher wie ein Hightech-Finanzgeheimnis institutioneller und hochvermögender Investoren. Wir Kleinanleger bleiben doch bei sowas stets außen vor. (Okay, automatische Stop-Orders können wir inzwischen auch platzieren, aber gab es je einen Fonds für Hochfrequenzhandel für Privatanleger?)

Die Robos marschieren inzwischen in Massen auf

Erstaunlicherweise gibt es aber dennoch erste Fonds, die solche KI/AI-Methoden einsetzen (ich nenne sie „Robo-Fonds“), seit geraumer Zeit auch für Privatanleger. Die sogenannten Robo-Advisors, die (angeblich) ebenfalls mit den gleichen Methoden arbeiten, schießen mittlerweile sogar schon fast wie Pilze aus dem Boden.

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