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Dagmar Wöhrl: "Dem Familienunternehmer liegt es in der DNA langfristig zu denken"

06.11.2018, 10:30  |  899   |   |   

Die VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ begeistert jeden Dienstag ein Millionenpublikum. Seit 2017 als Investorin mit dabei: Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl. Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, sprach mit der CSU-Politikerin über die Parolen der Populisten, die Verantwortung von Familienunternehmen und darüber was es bedeutet „Deutscher“ zu sein.

Frau Wöhrl, welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Für mich persönlich ist Demokratie eine der wichtigsten gesellschaftlichen Errungenschaften die wir in Deutschland haben - vielleicht sogar die wichtigste. Mit Blick auf unsere Geschichte und auf die derzeitige weltpolitische Situation müssen wir uns stets vor Augen führen, dass Demokratie alles andere als selbstverständlich ist.

Als Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Bundestag bin ich durch die halbe Welt gereist. Ich habe sehr viele Staaten bereist, in denen die Menschen alles dafür geben würden, in einem demokratischen System leben zu dürfen - ohne staatliche Repressionen und Willkür der herrschenden Elite. Staaten, in denen sie die Möglichkeit zur politischen Partizipation haben und ihre Meinung frei äußern können, ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen. Demokratieförderung war für mich daher stets eines der wichtigsten Ziele der deutschen Entwicklungspolitik.

Demokratie ist eine zarte Pflanze, die jeden Tag aufs Neue gepflegt und verteidigt werden will - ein unschätzbares Gut. Die älteren Generationen haben die Schrecken totalitärer Systeme erlebt und wissen den Wert der Demokratie daher noch mehr zu schätzen. Für die meisten jungen Menschen in Deutschland ist Demokratie hingegen etwas Selbstverständliches, weil sie nie etwas anderes kennengelernt haben.

Europa ist der weltgrößte Wirtschaftsraum. Als Investorin und erfolgreiche Familienunternehmerin sind Sie auf freien Handel innerhalb der EU angewiesen. Was passiert, wenn Europa scheitert?

Ich war immer eine überzeugte Pro-Europäerin und habe die europäische Integration stets unterstützt. Der freie Austausch von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital innerhalb der EU ist für mich einer der wichtigsten Pfeiler eines gemeinsamen Europas. In vielen europäischen Grenzregionen haben wir heute staatenübergreifende gemeinsame Projekte für Bildung, Forschung und Beschäftigung. Der Bereich Außenhandel ist in der EU weitgehend vergemeinschaftet.

Wenn wir den Handel innerhalb der EU betrachten, so habe ich als Unternehmerin großes Interesse daran, dass System der offenen Grenzen zu erhalten. Eine dauerhafte Rückkehr zu innereuropäischen Grenzkontrollen würde die deutsche Wirtschaft rund 20 Milliarden Euro pro Jahr kosten und das Wachstum in Europa deutlich schwächen. Verlängerte Wartezeiten an den Grenzen erhöhen die Kosten der Unternehmen, dadurch wiederum steigen die Preise. Die Folge ist ein Rückgang bei Konsum, Export und Investitionen. Das kann ich als Unternehmerin nicht wollen.

Auf der anderen Seite ist mir als CSU-Politikerin und insbesondere mit Blick auf die illegale Migration wichtig, dass Sicherheit und Ordnung hierzulande garantiert bleiben. Das Schengen-System werden wir nur dann erhalten können, wenn wir bei der Sicherung der EU-Außengrenzen deutlich entschlossener vorangehen. Das fordert die CSU schon seit langer Zeit. Ein Scheitern Europas muss mit allen Kräften verhindert werden! Dafür müssen wir den Mut haben, eine ehrliche Bestandsaufnahme durchzuführen. Wir brauchen mehr Europa bei den großen Fragen und weniger Regulierung im „Klein-Klein“ durch Brüssel.

Populistische Parteien erstarken überall in Europa - begründet auch durch einen gefühlten Verlust an nationalstaatlicher Autonomie und Kontrolle. Wie soll die Politik Ihrer Meinung nach mit Populisten umgehen?

Unsere Welt wird immer komplexer, die gegenseitigen internationalen Verflechtungen immer stärker. Einige Menschen stehen der Globalisierung skeptisch gegenüber, weil sie Sorge haben, die Geschwindigkeit nicht mitzuhalten und somit zu den Verlierern der Globalisierung zu werden. Populistische Bewegungen in Europa nutzen diese Ängste aus, indem sie den Menschen vermeintlich einfache und eindimensionale Lösungen für komplexe Probleme anbieten. Populisten geben vor, durch nationale Abschottung ganz schnell alle Probleme zu lösen. Das ist schon deshalb gefährlich, weil die Parolen der Populisten einzig dem Stimmenfang dienen und die Realität weitgehend ausklammern. Da werden dann gerne Fakten verdreht und bewusst Ressentiments geschürt. Es wird bewusst in Kauf genommen, zu hetzen und zu polarisieren.

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