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Wie Amazon in Indien Fortschritte erzielt

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
07.11.2018, 12:00  |  482   |   |   

Als Walmart (WKN:860853) Anfang des Jahres 16 Mrd. US-Dollar für eine Mehrheitsbeteiligung am indischen E-Commerce-Start-up Flipkart ausgab, wollte der Einzelhändler das riesige Netzwerk von kleinen Läden des Landes nutzen, um seine Präsenz zu erweitern und seine Lieferfähigkeit zu stärken. Unterstützt durch die bestehende Vertriebsinfrastruktur von Flipkart und die eigenen Cash-and-Carry-Stores von Walmart war das der logische Weg, um sich an dem schnell wachsenden E-Commerce-Markt des Landes zu beteiligen, der bis 2026 voraussichtlich 200 Mrd. US-Dollar Umsatz erreichen wird.

Es sieht jedoch so aus, als würde Amazon (WKN:906866) Walmart bei der Umsetzung dieser Strategie zuvorkommen.

Amazon macht das sehr intelligent

Walmarts Blaupause, seine Waren in kleinen Läden zu bewerben und sie als Verkaufspunkte für Alltagsgegenstände zu nutzen, die auf dem Onlineportal von Flipkart gekauft wurden, ist solide. Dies wird es dem Einzelhändler ermöglichen, in lukrativen Branchen wie Lebensmittel voranzukommen und durch schnellere Lieferzeiten und eine schnellere Produktauswahl auch einen größeren Anteil am indischen E-Commerce-Markt zu gewinnen.

Daher stellt Walmart eine bedeutende Herausforderung für Amazon in Indien dar, aber Amazon versucht nun, seinen Rivalen mit dessen eigenen Waffen zu schlagen, indem das Unternehmen Indiens kleine Läden für seine Zwecke einsetzt. Lokale Ladenbesitzer in Indien, die jede Menge Alltagsgegenstände verkaufen, von Nadeln bis hin zu Lebensmitteln, fungieren als Amazon-Vertreter und informieren ihre Kunden über das Einkaufen über Smartphones, so ein Bericht der Bloomberg BusinessWeek.

Zu Beginn eines jeden Monats verteilen diese Vertreter Marketingmaterial wie Broschüren in ihren Gebieten, die Dörfer oder abgelegene Städte sein können. Die lokale Bevölkerung bestellt dann Artikel, die normalerweise nicht in ländlichen Gebieten erhältlich sind, was von hochwertigen Rasierern und teuren Gesundheitsprodukten bis hin zu Smartphones reichen kann.

Amazon sorgt dafür, dass die Artikel so schnell wie möglich, manchmal am nächsten Tag, an die Ladenbesitzer geliefert werden. Diese liefern dann an die Käufer, die nun wissen, dass sie jeden gewünschten Artikel über ein Onlineportal namens Amazon kaufen können. So führt Amazon die ländliche Bevölkerung Indiens ans Onlineshopping heran und bindet sie an sein Ökosystem.

Eine solche Strategie könnte sich als entscheidend für das langfristige Wachstum des Unternehmens erweisen, da Amazon sich nun positioniert, um von einem wichtigen Trend zu profitieren.

Die langfristige Bedeutung

Indien ist immer noch ein Entwicklungsland, in dem die Mehrheit der Bevölkerung in ländlichen Gebieten lebt; zwei Drittel der indischen Bevölkerung leben nach Angaben der Weltbank in Dörfern oder Kleinstädten. Allerdings haben nur 18 % der ländlichen Bevölkerung im Land Zugang zum mobilen Internet, verglichen mit 59 % im städtischen Indien.

Die nächste Runde des Smartphone- und Internetwachstums in Indien wird also von den ländlichen Gebieten des Landes getragen, und das macht sicherlich eine Menge aus. Denn es gab Ende Juni dieses Jahres trotz der geringen Verbreitung schätzungsweise 187 Mio. ländliche mobile Internetnutzer in Indien. Und in den kommenden Jahren werden dank günstigerer Datentarife und leichter zugänglicher Smartphones weitere Millionen hinzukommen. Internetnutzer in ländlichen Gebieten sind in der Regel jung, sodass sie von Amazon abhängig gemacht werden, um viele Jahre lang Kunden zu sein.

Wie sich herausstellt, machten kleinere Städte 41 % der Onlineshopper in Indien im vergangenen Jahr aus und ihre Zahl stieg schneller als die in den Metropolen, so das indische Marktforschungsunternehmen RedSeer Consulting. Darüber hinaus schätzt das Unternehmen, dass 55 % der aktiven Onlineshopper in Indien bis 2020 in außerhalb der großen Städte ansässig sein werden.

Die Gelegenheit

Das ländliche Indien macht 57 % des gesamten Einzelhandelsmarktes des Landes aus, angeblich mit einem Wert von 650 Mrd. US-Dollar, was natürlich ein deutlich größeres Potenzial verspricht als die 38,5 Mrd. US-Dollar, die im vergangenen Jahr im Land generiert wurden. Die Verlagerung von Offlinekunden aus dem ländlichen Indien auf Onlinekanäle wird Amazon also ein massives Potenzial bieten.

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