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Vermögensverwalter Markus Richert: „Italien ist ein reiches Land mit einem armen Staat“

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
08.11.2018, 11:40  |  580   |   |   
Italiens Privathaushalte verfügen über deutlich höhere Vermögen als Deutsche oder andere europäische Privathaushalte, sagt Markus Richert. Der Seniorberater bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln erklärt, warum der südeuropäische Staat dennoch unter hohen Schulden leidet."Wer et hätt jewoss, der et hätt jedonn”, so lautet eine in Köln bekannte Redensart. Übersetzt ins Hochdeutsche soll das heißen: Wer es gewusst hätte, der hätte es getan. Hintergrund dieser Redensart ist die Legende einer Liebesgeschichte ohne Happy End und Wiedersehen. Niemals wiedersehen würden die Ratsmitglieder der EZB derzeit wohl auch gerne die Mitglieder der italienischen Regierung. Aber es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich die Probleme der drittgrößten Volkswirtschaft in der Europäischen Union auf diese Art so einfach lösen lassen.
Dabei kann man den Gründungsvätern der Währungsunion durchaus vorwerfen, dass sie die Probleme der Italiener nicht schon vorher gekannt hätten. Italien war nie ein Hort der Währungsstabilität und eine wirkliche Liebesbeziehung der EU zu Italien hat sich nie entwickelt. Allerdings hat die Europäische Union mit einer unglaublichen Politik der Großzügigkeit tatenlos zugesehen, wie Italien auf den Abgrund zuraste.
Das Einzige, was in Italien in den letzten Jahren gewachsen ist, war der Schuldenstand. Mittlerweile hat das Land den viertgrößten Schuldenstand der Welt. Mangelnde Reformen, überbordende Bürokratie und ein ineffizienter Staatsapparat erweisen sich als schwere Hypothek für die Wirtschaftskraft des Mittelmeerlandes.
"Die Realitätsverweigerung ist beängstigend"
Die Probleme waren schon lange vor der aktuellen italienischen Regierung greifbar. Aber die derzeitige Realitätsverweigerung der Lega und der Fünf-Sterne-Bewegung ist beängstigend. Auf direktem Weg steuert sie auf den finanzpolitischen Abgrund zu. Die Populisten in Rom tun so, als ob es den 2-Billionen-Euro-Schuldenberg gar nicht gäbe und sie bei der Neuverschuldung Vollgas geben könnten. Nur um teure Wahlversprechen zu bezahlen, soll das Defizit um weitere 2,4 Prozent wachsen. Das ist das Dreifache, was die EU zugestanden hatte.
Im Größenwahn legen sich die Populisten in Rom jetzt nicht nur mit der EU an, sondern fordern zusätzlich die globalen Finanzmärkte heraus. Regierungen nehmen über Staatsanleihen Kredit auf. Diese Finanzpapiere werden von großen Investoren wie Banken, Fonds und Vermögensverwaltern gekauft. Je riskanter die Staatsanleihen bewertet werden, desto höher liegen die Zinsen, die ein Staat dafür bieten muss. Manche Investoren bewerten die Bonität einer Regierung selbst, andere verlassen sich auf die Ratingagenturen.
Ratingagenturen senken Italiens Bonitätsnoten
Die führenden Ratingagenturen bewerten den Weg Roms zunehmend kritisch. Erst vor kurzem gab die US-Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) ihre Einschätzung ab. Anders als die Konkurrenz von Moody´s, zuvor die Bonität der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone auf aktuell Baa3 herabgestuft hatte, beließ es S&P bei BBB-. Sie hat allerdings den Ausblick von stabil auf negativ gesenkt.
Noch liegen die Ratings zwei Stufen über der Schwelle zum so genannten Ramschniveau. Ab dann gelten Anleihen eines Landes als hoch spekulativ. Experten halten eine weitere Verschlechterung der Bewertung für wahrscheinlich, falls sich die Schuldenlage weiter zuspitzen sollte.

Ab Ramschniveau drohen ernsthafte Probleme
Sollten allerdings alle vier großen Ratingagenturen Italiens Note auf Ramschniveau senken, hätte das Land ein extremes Problem. Spätestens dann dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) offiziell italienische Anleihen nicht mehr erwerben. Für konservative Anleger wären die Papiere dann tabu. Das träfe besonders den italienischen Bankensektor, da Italiens Geldhäuser besonders viele heimische Staatsanleihen in den Büchern haben.
Eine Insolvenz Italiens wäre dann durchaus möglich. Der Austritt aus der Union wäre die Folge, denn Italien ist zu groß um aufgefangen zu werden. Der Euro-Rettungsfonds wäre mit dem italienischen Schuldenberg heillos überfordert. Um nicht in den Abwärtssog hineinzugeraten, müsste sich die Eurozone von Italien abschotten. Im schlimmsten Fall drohen Italien dann Verhältnisse wie in Argentinien. Hyperinflation, Arbeitslosigkeit und Verarmung breiter Bevölkerungsschichten wären der Preis für die politische Realitätsverweigerung der derzeitigen Regierung.
In der Vergangenheit war die EU zu großzügig
Brüssel hat erst einmal den Haushaltentwurf der italienischen Regierung abgelehnt und hat eine Frist von drei Wochen eingeräumt, um die Haushaltspläne zu ändern. Es war ein historischer Moment. Zum ersten Mal überhaupt sah sich die Brüsseler Behörde zu diesem Schritt genötigt. Die Kommission hat dann abermals drei Wochen, um ihn zu prüfen. Kommt sie zu dem Ergebnis, dass der Haushalt immer noch gegen die EU-Regeln verstößt, kann sie ein Verfahren wegen einer signifikanten Abweichung eröffnen und Italien dazu verdonnern, 0,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung zurückzulegen.
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