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Marktausblick Korrektur an den Aktienmärkten: Einkauf zum niedrigsten Preis

Gastautor: Stefan Keller
08.11.2018, 16:20  |  311   |   |   

Internationale Aktien setzten die Anfang Oktober eingeleitete Kurskorrektur nach unten fort. Die Nervosität der Anleger hat sich aufgrund einer wahrscheinlichen Gewinnspitze, einer schnelleren Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten, des Handelskrieges zwischen den USA und China sowie der Schwäche der verarbeitenden Industrie in Europa erhöht. Trotz dieser Faktoren ist das Risiko-Rendite-Verhältnis des Aktienmarktes auf dem derzeitigen Niveau attraktiv.

Makroökonomischer Kontext
Seit Anfang des Jahres ist die US-Wirtschaft schneller gewachsen als die Volkswirtschaften anderer Industrieländer. Mit Ausnahme von Investitionen in Wohnimmobilien läuft der Konjunkturmotor nahezu auf Hochtouren. Das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen hat ein hohes Niveau erreicht, die Löhne steigen langsam an, und die Unternehmensinvestitionen sind stark im Aufwind, selbst dann, wenn man das etwas schwächere Ergebnis des Vormonats berücksichtigt. Für 2018 zeichnet sich trotz der politischen Spannungen nach wie vor ein Wachstum von knapp drei Prozent ab, das aufgrund des allmählichen Auslaufens der Steuerreformen und der steigenden Zinsen im Jahre 2019 auf 2,6 Prozent sinken dürfte.

Die Wirtschaft in der Eurozone zeigt ein eher gemischtes Bild, insbesondere nach der Veröffentlichung vorläufiger Daten des Einkaufsmanager-Indexes (PMI) des verarbeitenden Gewerbes in der vergangenen Woche, dessen Rückgang stärker als erwartet ausfiel und auf ein geringes annualisiertes BIP-Wachstum von nur 1,6 Prozent zu Beginn des vierten Quartals hindeutet. Zwar bleiben die Bruttowerte bis jetzt ermutigend, und die Inlandsnachfrage ist stark, doch verlieren Exporte und Industrieproduktion an Fahrt, weil sich das sich verschlechternde internationale Umfeld und die vielen Risiken durchschlagen. Die mögliche Erhöhung von Zöllen auf Automobile und ein harter Brexit sowie die konfliktuelle Haltung der italienischen Regierung könnten die vorsichtig optimistische Wachstumsprognose für dieses Jahr von zwei Prozent und für 2019 von 1,8 Prozent in einem ungünstigeren Licht erscheinen lassen.

Während die Wirtschaft in einigen Schwellenländern (Türkei, Argentinien) aus hauptsächlich binnenwirtschaftlichen Gründen in die Rezession gedrängt wurde, halten sich andere Volkswirtschaften trotz der Verknappung der Dollar-Liquidität besser. Der eskalierende Handelskrieg und die politischen Spannungen zwischen China und den Vereinigten Staaten, die das Wirtschaftswachstum in China beeinträchtigen, haben die chinesischen Behörden veranlasst, ihre Geld- und Fiskalpolitik zur Unterstützung der Binnenkonjunktur zu lockern. Diese Unterstützung sollte in den kommenden Monaten Früchte tragen und dazu beitragen, einen großen Teil der Märkte in Schwellenländern zu stabilisieren.

Unsere Prognosen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • ein Wirtschaftswachstum für dieses Jahr von knapp drei Prozent, das sich 2019 auf 2,6 Prozent verlangsamt
  • eine Stabilisierung des chinesischen Wirtschaftswachstums von über sechs Prozent in diesem und im nächsten Jahr, dank der Unterstützungspolitik
  • das Wachstum in der Eurozone bleibt mit zwei Prozent in diesem Jahr und 1,8 Prozent im nächsten Jahr auf Kurs, selbst wenn die Wirtschaft in der Region nach wie vor vielen politischen Risiken ausgesetzt ist


Erträge und Bewertungen
In der Zwischenzeit ist die Berichtsaison weiter vorangeschritten, rund 32 Prozent der S&P 500-Unternehmen haben bis heute ihre tatsächlichen Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht. Bei fast 85 Prozent fiel der Gewinnanstieg höher als erwartet aus und lag über dem Fünfjahresdurchschnitt, wobei bisher ein globaler Gewinnanstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt wurde. Dennoch sind die Geschäftsaussichten der Unternehmer für das kommende Jahr zurückhaltender, da die Gewinnspannen durch steigende Input-Kosten und Zinssätze unter Druck geraten können. Unter Berücksichtigung des erwarteten Gewinnwachstums im nächsten Jahr und trotz eines gewissen Drucks auf die Märkte sollte es positiv bleiben.

In Europa - wo es für Schlussfolgerungen noch zu früh ist, da bis jetzt erst weniger als 40 Stoxx 600-Unternehmen ihre Ergebnisse veröffentlicht haben - übertreffen laut Reuters rund 45 Prozent der angekündigten Ergebnisse die Erwartungen der Analysten. Jedoch liegt seit 2011 die Genauigkeit der Analystenbewertung in einem typischen Quartal bei nur 50 Prozent.

Mittlerweile sind die Bewertungen vernünftig und könnten als Puffer für die Aktienmärkte dienen. Nach der jüngsten Korrektur und in Erwartung eines Ertragswachstums rechnet der US-Aktienmarkt für die nächsten zwölf Monate mit etwa dem 16-fachen der erwarteten Erträge, während insbesondere Aktien aus Schwellenländern und der Eurozone vielversprechend bewertet werden.

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