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Headhunter zu Karrierechancen auf dem Fondsmarkt: „Die Gehälter im Portfolio-Management steigen nicht mehr“

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
08.11.2018, 16:32  |  531   |   |   
DAS INVESTMENT wagt den Marktausblick der etwas anderen Art – den auf den Personalmarkt. Wir haben bekannte Personalberater aus Deutschland befragt, wie sie den deutschen Fondsmarkt sehen und die Karrieremöglichkeiten dort einschätzen. Den Anfang macht Karin Schambach, Gründerin und Geschäftsführerin von Indigo Headhunters.DAS INVESTMENT: Wo sehen Sie die Fondsindustrie in Deutschland zurzeit?
Karin Schambach: Das derzeitige Bild ist zweigeteilt. Einerseits geht es der Fondsindustrie dieser Tage – noch – gut, andererseits ist sie nicht blauäugig. Die Marktteilnehmer sind sich der Tatsache bewusst, dass sie vor großen Umbrüchen und einer Konsolidierung stehen. Die Gründe hierfür sind die, die wir alle schon kennen: Regulatorik, die Auswirkungen von Mifid II, Margendruck und Markterwartung.
Gerade im Retail-Vertrieb besteht die Erwartung, dass zukünftig Kooperationen eine größere Rolle spielen werden. Im institutionellen Vertrieb wird der Kostendruck mit zunehmender Transparenz stärker, und die schwachen Renditen zwingen zum Handeln. Illiquide Assets werden wichtiger, die nicht jeder im Angebot hat, und zahlreiche Boutiquen bekommen eine Chance. Insofern entsteht auch hier eine neue Wettbewerbssituation.
Wird Ihrer Meinung nach die Zahl der Jobwechsel in naher Zukunft zunehmen?
Wir können uns aktuell nicht über mangelnde Aufträge und auch nicht über mangelnde Resonanz bei den Kandidaten, sprich zu wenig Interesse an Jobwechsel, beklagen – ganz im Gegenteil. Ich sehe auch nicht, dass dies in Zukunft abnimmt.
Warum nicht?
Die Umbrüche sind in der Industrie heute schon spürbar. Es gibt zahlreiche Restrukturierungen, um Prozesse zu verschlanken und Kosten einzusparen, wofür man häufig Know-how benötigt, das heute noch nicht an Bord ist – Beispiel Digitalisierung. Aber auch Chancen wie neue Services und Fondsstrukturen, die man in der Geschäftsentwicklung identifiziert, sollen möglichst schnell gehoben werden. Das funktioniert oft nur mit einer Verstärkung der Ressourcen.

Wo entstehen Ihrer Einschätzung nach künftig vermehrt Stellen: im institutionellen oder Wholesale-Vertrieb?
Ich sehe den Wholesale-Vertrieb vor einem stärkeren Umbruch als den institutionellen Vertrieb. Die institutionelle Welt hinkt auch heute noch den Entwicklungen hinterher, sodass wir hier noch mit einem längeren Vorlauf rechnen können. Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass auch in einer "moderneren" Welt der institutionelle Kunde einen Ansprechpartner beziehungsweise Berater seitens des Asset Managers braucht.
Anders ist es auf der Wholesale-Seite. Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass die Welt in fünf Jahren noch so aussieht wie heute. Deutlich sichtbar ist heute schon, dass Partnerschaften mit denjenigen, die über eine gute Infrastruktur verfügen, um den Retail-Investor zu erreichen, die Brücke zum Geschäftserfolg darstellen. Immer mehr Anbieter verstärken sich mit Experten, die die Tür in diese Welt aufstoßen können. Und diese Profile sind anders als die, die traditionell den Wholesale-Vertrieb dominiert haben.
Nach und nach werden solche Partnerschaften den Retail-Kanal abdecken. Dabei gehe ich selbstverständlich davon aus, dass digitale Plattformen den Markt dominieren werden. Wie lange dieser Prozess dauern wird, ist schwer zu sagen, aber wir haben es in anderen Industrien gesehen, dass die Disruption den Markt binnen kurzer Zeit revolutionieren kann.
Wie entwickeln sich die Gehälter im Vertrieb und im Portfoliomanagement?
Es gibt inzwischen eine große Diskrepanz zwischen der Entwicklung der Gehälter im Vertrieb und im Portfoliomanagement. Das liegt letztlich darin begründet, dass sich Deutschland zum Vertriebsmarkt entwickelt hat, während hierzulande kaum neue Ressourcen im Portfoliomanagement aufgebaut werden. Das hat massive Auswirkungen auf die Gehälter, die im Portfoliomanagement nicht mehr steigen. Im Unterschied klettern die Gehälter im Vertrieb weiter nach oben. Es ist heute keine Frage mehr: Im Vertrieb sind die Chancen deutlich höher, viel Geld zu verdienen, als im Portfoliomanagement.

Macht sich der Brexit bei Ihrer Arbeit bereits bemerkbar?
Der Brexit ist im Asset Management in Deutschland leider ein Randthema und wird es aus meiner Sicht auch bleiben. Wir sehen durchaus ein paar Sekundäreffekte, nämlich dass nicht bei jeder überregionalen Funktion heute automatisch entschieden wird, dass sie in London besetzt wird. Auch auf der Bankenseite ist es im Übrigen viel ruhiger als ursprünglich erwartet, auch wenn man immer wieder die Parolen liest, dass sich Frankfurt gegen andere Standorte, vor allem Paris, behauptet haben soll. Steigen würde die Nachfrage wohl nur, wenn es wirklich zu einem ungeregelten Ausstieg der Briten kommen sollte und Delegation der Fondsmanager Pflicht werden würden.
Welche Jobprofile sind im Vertrieb heutzutage mehr gefragt als noch vor drei oder vier Jahren?
Deutlich sichtbar ist die Professionalisierung der Branche: Im institutionellen Vertrieb sind fundierte regulatorische Kenntnisse heute begehrter denn je. Wir sehen das zum Beispiel daran, dass noch vor wenigen Jahren ein Wechsel aus dem Vertrieb einer Master-KVG in den institutionellen Vertrieb eines Asset Managers nahezu unmöglich war. Heute sind diese Profile extrem attraktiv.
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