DAX-0,21 % EUR/USD+0,01 % Gold0,00 % Öl (Brent)-0,12 %

Headhunter zu Karrierechancen auf dem Fondsmarkt: „Mittelgroße Asset Manager werden überflüssig“

Nachrichtenquelle: DAS INVESTMENT
12.11.2018, 09:00  |  455   |   |   
DAS INVESTMENT wagt den Marktausblick der etwas anderen Art – den auf den Personalmarkt. Wir haben bekannte Personalberater aus Deutschland befragt, wie sie den deutschen Fondsmarkt sehen und die Karrieremöglichkeiten dort einschätzen. Dieses Mal: Wilhelm-Christian Helkenberg, Geschäftsführer von Heads.DAS INVESTMENT: Wo sehen Sie die Fondsindustrie in Deutschland zurzeit?
Wilhelm-Christian Helkenberg: Grundsätzlich geht es den Asset Managern noch gut. 2017 und 2018 waren sehr gute Jahre. Neben den bekannten Herausforderungen ETFs, Regulatorik, den sinkenden Margen vor allem im institutionellen Geschäft und Zinsanlagen ohne Rendite – und Gebühren – steigen sehr viele Institutionelle auf illiquide Anlagen um. Hier müssen Asset Manager entsprechende Produkte anbieten.
Hinzu tritt der lange verschlafene Aufbruch in Richtung Digitalisierung, der neue Fertigkeiten und Erfahrungen erfordert. Im größeren Rahmen wird die Konsolidierung unter dem Margendruck weitergehen und mittlere Asset Manager überflüssig machen.
Wird Ihrer Meinung nach die Zahl der Jobwechsel in naher Zukunft zunehmen?
Ja. Einige Besetzungen werden Brexit-bedingt sein, wenn auch nicht viele und deutlich weniger als bei den Banken – Asset Manager tendieren eher zum Administrationsstandort Luxemburg. Ein weiterer Treiber sind die qualitativ höheren Anforderungen in puncto Produkt- und Kundenproblem-Kenntnis bei immer anspruchsvolleren Kunden.
Wo entstehen Ihrer Einschätzung nach künftig vermehrt Stellen: im institutionellen oder Wholesale-Vertrieb?
Klar im institutionellen Bereich. Treiber sind der ständige Anlagedruck der Institutionellen sowie deren immer komplexere Anlagen und höhere Ansprüche an die Beratungsqualität.

Wie entwickeln sich die Gehälter im Vertrieb und im Portfoliomanagement?
Es gibt einen deutlichen Anstieg der Fixgehälter im Vertrieb, am meisten im institutionellen Vertrieb – heute bei rund 140.000 bis 190.000 Euro fix – und etwas weniger im Wholesale-Vertrieb – heute bei 120.000 bis 160.000 Euro fix. Die Boni sind in etwa gleich geblieben: Im institutionellen Vertrieb gibt es bis zu 100 Prozent bei 100 Prozent Zielerfüllung; im Wholesale-Vertrieb sind es etwa 60 bis 80 Prozent bei 100-prozentiger Zielerreichung. Diese Werte gelten für Senior-Leute ohne Führungsverantwortung.
Im Portfoliomanagement sind ebenfalls steigende Gehälter zu beobachten, zumindest bei Multi-Asset- und strukturierten Produkten, im Rentenbereich eher weniger.
Welche Jobprofile sind im Vertrieb heutzutage mehr gefragt als noch vor drei oder vier Jahren?
Gefragt sind gute Produkt- und Investmentkenntnisse. Im institutionellen Bereich müssen Kandidaten Wissen über Kundenprobleme mitbringen – etwa was Solvency II für die Versicherungen bedeutet – und Lösungsansätze dafür parat haben. Auch im Wholesale steigen die Anforderungen vor allem in puncto Investmentkenntnisse, auch durch höhere Anforderungen der professionellen Fondsselekteure auf Kundenseite. Hinzu kommen, insbesondere bei Vertriebsstrategen, vermehrt Digitalisierungskenntnisse.
Und wie sieht es im Portfoliomanagement aus? Was müssen Kandidaten da heutzutage mitbringen?
Je nach Fokus des einzelnen Fondshauses sind vertiefte Kenntnisse in Investmentstrategien in ihrer Anlageklasse – wie Multi-Asset, ESG-Anlagen oder Alternatives – gefragt. IT- und KI-Kenntnisse sind naturgemäß besonders im Bereich der quantitativen und regelgebundenen Anlagestrategien zunehmend erforderlich, weniger aber bei Anlagestrategien, die auf Fundamentalanalyse basieren.

Stehen im Portfoliomanagement eher die Stars der Branche im Fokus oder setzen die Fondshäuser stärker auf Team-Ansätze?
"Stars" gab es ohnehin mehr im Publikumsfondsbereich, in dem man mit Namen geworben hat. Aber insgesamt gibt es eine Tendenz zu Teamansätzen, um Kompetenzen zu bündeln. Was allerdings auch nicht ohne Gefahr ist: Durchschnittsmeinungen und Kompromisse schlagen selten den Markt und verhindern eine außerordentliche Überrendite.
Ist es üblich, dass Vertriebsmitarbeiter zwischen aktiver und passiver Produktseite wechseln?
Üblich ist es immer noch, dass größerer Asset Manager, die aktive und passive Strategien anbieten, die Vertriebsteams trennen, damit sie glaubwürdig bleiben. Wechsel von Sales-Leuten von passiv zu aktiv gibt es durchaus, wenn auch nicht extrem häufig. In meinen Augen weniger, weil die Leute das intellektuell oder von der Mentalität her nicht bewältigen. Vielmehr deshalb, weil die einstellenden Personaler auf beiden Seiten jeweils sehr von den Besonderheiten ihres Produkts überzeugt sind und meinen, man benötige eine große Erfahrung hierin. Einstellende Unternehmen sind hier – wie eigentlich generell – wenig offen für Leute, die aus anderen Bereichen kommen – ein Fehler!

Weiterlesen auf www.dasinvestment.com


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel