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Besserer Kauf: Toyota oder VW?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
08.11.2018, 23:58  |  570   |   |   

Die Aktien von Autoherstellern standen in letzter Zeit mächtig unter Druck. Gründe waren unter anderem verlangsamte Absätze in den USA sowie in anderen wichtigen Märkten, außerdem die Sorge, dass neue Teilnehmer den Markt komplett aufbrechen. Dazu gesellen sich noch neue Mobilitätskonzepte, und schon lassen die Anleger lieber die Finger von den Aktien großer Hersteller.

Das sorgt im Umkehrschluss natürlich auch für die eine oder andere Chance. Die besten Automobilhersteller bleiben solide profitable Geschäfte. Sie bieten das Potenzial für nachhaltiges Wachstum sowie Dividenden, die der Gesamtrendite eines Investors im Laufe der Zeit einen deutlichen Schub verleihen können. Zwei der größten Automobilhersteller, Toyota (WKN:853510) und Volkswagen (WKN:766403), gehören zu denen, die im vergangenen Jahr einen Kursverlust hinnehmen mussten. Beide sind gut geführte Riesen mit Vormachtstellung in wichtigen regionalen Märkten. Nun, welche Aktie ist derzeit der bessere Kauf? Werfen wir doch einmal einen Blick darauf.

Bewertung und Wertentwicklung der Aktie

Weder Toyota noch Volkswagen hatten ein tolles Jahr, wenn man sich die Wertentwicklung der Aktien ansieht. Beide sind in den letzten 12 Monaten zurückgegangen. Die Volkswagen-Aktie hat einen noch etwas härteren Schlag erlitten als die von Toyota, aber beide sind nicht so schlimm gefallen wie einige ihrer Konkurrenten. (Die BMW-Aktie ist im Vergleich zum Vorjahr um 17 % gesunken; die Ford-Aktie ist sogar um 27 % gesunken.)

Betrachtet man die Bewertungskennzahlen, so werden beide Aktien etwas unter der historischen Norm für Autoaktien in guten Zeiten gehandelt (etwa das 10-fache der Einnahmen). Im Moment wird Toyota mit etwa dem 8,2-fachen der Gewinne der vergangenen 12 Monate gehandelt, Volkswagen beim etwas günstigeren 6,5-fachen der vergangenen Einnahmen.

Da Analysten für beide Unternehmen nach dem laufenden Geschäftsjahr einen leichten Ergebnisanstieg erwarten, sehen beide im Verhältnis zu den erwarteten Einnahmen etwas günstiger aus. Volkswagen wird etwa beim Fünffachen der für 2019 erwarteten Einnahmen gehandelt, für Toyota wird ein Faktor von 7,9 erwartet.

Wie sieht es bei VW und Toyota bei den Dividenden aus?

Toyota zahlt zweimal im Jahr eine Dividende. Im Geschäftsjahr, das am 31. März 2018 endete, zahlte man insgesamt 220 Yen pro Aktie, in den beiden vorangegangenen Geschäftsjahren waren es 210 Yen pro Aktie. Diese Dividende entspricht einer Rendite von rund 3,4 %.

Nach der Hauptversammlung im März zahlt Volkswagen einmal jährlich eine Dividende. Die diesjährige Dividende auf die Stammaktien von VW betrug 3,90 Euro, was einer Dividendenrendite von rund 2,8 % entspricht. VW hat in der Vergangenheit eine starke Dividende gezahlt, aber die enormen Kosten des Dieselskandals führten dazu, dass das Unternehmen seine Zahlung im Jahr 2016 auf lediglich 0,11 Euro reduzierte. 2017 zahlte man dann 2,00 Euro. Der aktuelle Geschäftsplan von VW sieht vor, die Ausschüttungsquote (der Prozentsatz des Netto-Cashflows, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird) von 30 % aufrechtzuerhalten.

Soll heißen: Derzeit zahlt Toyota die bessere Dividende, aber die von VW könnte im Laufe der Zeit steigen.

Wachstum und potenzielles Risiko

Volkswagen und Toyota teilen ein wichtiges Merkmal: In ihren Heimatmärkten sind beide wichtige Arbeitgeber. Das muss man auf dem Schirm haben, um sowohl das Risiko als auch das Wachstumspotenzial der beiden Unternehmen zu verstehen.

Toyota beschäftigt mehr als 200.000 Mitarbeiter in Japan; viele tausend weitere sind bei Unternehmen der sogenannten „Toyota Group“ beschäftigt, einem losen Zusammenschluss von Unternehmen, zu dem viele der wichtigsten Zulieferer von Toyota gehören. Volkswagen beschäftigt in Deutschland noch mehr Menschen, mehr als 288.000 mit Stand 30. Juni 2018. (Zum Vergleich: Ende 2017 beschäftigte General Motors (WKN:A1C9CM) weltweit rund 180.000 Mitarbeiter, davon rund 103.000 in den USA.)

Das sind derart riesige Zahlen, dass beide Unternehmen ein gewisses Maß an Schutz von ihrer jeweiligen Regierungen genießen: Keiner der beiden Konzerne wird in absehbarer Zeit wohl pleitegehen. Aber das hat eben auch eine Kehrseite: Es ist sehr schwierig für beide Unternehmen, in ihren Heimatländern im großen Stil Stellen abzubauen.

Das wiederum verkleinert in gewisser Weise das Risiko einer Investition in eines dieser Unternehmen, bedeutet aber auch, dass beide Unternehmen nur begrenzt in der Lage sind, ihre Kosten zu senken. Allerdings verfolgen sowohl Toyota als auch VW laufende Kostensenkungsmaßnahmen, die in den vergangenen Quartalen einige Vorteile gebracht haben – aber weitere Maßnahmen werden wahrscheinlich stark eingeschränkt sein.

Der Wachstumsplan von VW ist stark auf Elektrofahrzeuge und Investitionen in „nachhaltige Mobilität“ ausgerichtet. Ziel ist es, die operative Marge bis 2025 auf 7 bis 8 % zu steigern (von 6 % im Jahr 2015, ohne Sonderfaktoren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal), die Ausschüttungsquote der Dividende soll bei rund 30 % gehalten werden.

Der Wachstumsplan von Toyota ist eher Schritt für Schritt gehalten. Wie andere Konkurrenten (einschließlich VW und GM) ist auch Toyota dabei, die meisten seiner Fahrzeuge mit anderen zusammen zu entwickeln. Das soll die Kosten senken und die Geschwindigkeit erhöhen, mit der neue Modelle und Varianten auf den Markt gebracht werden können.

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