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CHRONIC UNEASE: CRASH 1987 UND HEUTE – GIBT ES WIRKLICH PARALLELEN?

Gastautor: Dr. Georg Oehm
16.11.2018, 17:45  |  1793   |   |   

Gestern Abend erklärte Ralph Acampora in einem Interview mit MarketWatch, dass ihn die aktuelle Marktlage an 1987 erinnere. Ob Acampora Recht hat oder nicht. Mal schauen. Während ich diese Zeilen schreibe, weisen mich einige Kollegen schon darauf hin, dass er so oft falsch gelegen habe, dass das auf keine Kuhhaut gehe. Klar. Stimmt.

Als Investoren mit Private-Equity-Ansatz basieren unsere Entscheidungen ja auch nicht allein auf Charts. Aber Charts sind ein wichtiges Element der Behavioral Finance und die ist für uns hoch relevant.

Neben Ralph Acampora gibt es im Moment einen sehr viel präsenteren Bären, der bereits seit dem Sommer große Treffsicherheit bezüglich seiner Aussagen aufweist: Michael „Mike“ Wilson, Chief U.S. Equity Strategist & Chief Investment Officer Institutional Securities & Wealth Management bei Morgan Stanley. „The man who saw the selling coming“, so begrüßte ihn Scott Wapner, Moderator von CNBC Fast Money Halftime Report am 25. Oktober beim Halftime Report.

Schon vor einem Jahr, am „30. Jahrestag“ des Crashs ’87, bin ich in den Keller gegangen und habe dort meine Diplomarbeit herausgesucht. Titel: „Der Kurssturz an den Aktienbörsen im Herbst 1987 – Darstellung von Verlauf und Erklärungsansätzen“, Kiel 1988.

Vor einem Jahr war nicht der Zeitpunkt, einen Bezug zur Historie herzustellen. Das empfinde ich heute anders und schreibe deshalb die nachfolgende Gegenüberstellung in vier Punkten:

Ansätze zur Erklärung des Kurssturzes 1987
versus
Aussagen Mike Wilson zur Situation heute

Mike Wilson hat sich als hoch relevanter Beurteiler der aktuellen Situation perfekt qualifiziert, weil er die vier aufgeführten Aussagen alle bei CNBC öffentlich getätigt hat.

Sie werden sich vielleicht fragen, was Prof. Reinhart Schmitt, meinen damaligen Professor und späteren Doktorvater, bewogen hat, meinen Themenvorschlag für eine Diplomarbeit zu akzeptieren. Es war wohl – neben anderem – wichtig, dass ich das Börsengeschehen vor dem Kurssturz 1987 seit Beginn meiner Banklehre im August 1984 bei der Dresdner Bank in Frankfurt am Main nicht nur genau beobachtet hatte, sonders selbst auch intensiv an den Märkten aktiv war. Außerdem war es mir gelungen, die Analyseabteilung der Dresdner Bank dafür zu gewinnen, mich bei der Diplomarbeit zu unterstützen. Dies gelang mir, weil ich den September vor dem Crash dort gearbeitet hatte und die Endphase der Entwicklung hautnah mitbekam.

1. Bewertung

Kurssturz 1987
„Ein Vergleich der absoluten Höhe der PE-Ratio zeigt das hohe Niveau der Gewinnbewertung in Japan. Dies hatte schon vor dem Kurssturz im Herbst 1987 eine Vielzahl von Analytikern veranlasst, für den japanischen Aktienmarkt einen Kurssturz zu prognostizieren. […] Das Bewertungsniveau der amerikanischen Aktien befand sich zwar auch im Bereich historischer Höchststände, aber eine Korrektur wurde aufgrund dieser Entwicklung noch nicht erwartet. Verschiedene europäische Aktienmärkte (Deutschland, Schweiz, Niederlande) wiesen bereits vor dem Kurssturz eine im Vergleich zu den USA und Japan niedrige PE-Ratio auf. Dieser Sachverhalt wurde zur Begründung von Anlageempfehlungen für diese Aktienmärkte genannt. []

Die Tatsache jedoch, daß der Kurssturz 1987 nicht von Japan ausging und europäische Aktienmärkte besonders starke Kursrückgänge im Herbst 1987 zu verzeichnen hatten, zeigt, daß die Höhe der Kurs-Gewinn-Verhältnisse allein zur Erklärung des Kurssturzes nicht ausreicht. Offenbar sind auch andere Faktoren für die Entwicklung der Aktienmärkte von Bedeutung.“

Mike Wilson 2018
Die gute Nachricht sei, dass der Bärenmarkt schon länger laufe, als die meisten wahrnehmen – seit Dezember 2017 bzw. Januar 2018. Neu sei, dass jetzt nicht nur Aktien in den Emerging Markets und Europa fallen, sondern auch in den USA. „A lot of damage now“ bei Tech-, Growth- und Small-Cap-Aktien. Aber 80 % der Korrektur sei bereits durch.
Die wirklichen Opportunitäten sieht er eher außerhalb der USA, weil dort der Bärenmarkt schon so lange läuft. Bei Growth ist er weiter vorsichtig, Zykliker findet er spannender, weil bei diesen die Korrektur weiter fortgeschritten ist. Bei vielen dieser Aktien sei eine mögliche Rezession bereits eingepreist.

Die Börse hat Humor. Zum Zeitpunkt der Aussagen von Mike Wilson laufen gerade „Discretionary & Tech“ – Sektoren, die er nicht empfiehlt …

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