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Friedrich Merz Warum sagt er nicht: "Ich bin Einkommensmillionär und das ist auch gut so"?

Gastautor: Rainer Zitelmann
18.11.2018, 10:09  |  2747   |   |   

Die Medien haben sich auf Friedrich Merz eingeschossen und ihn als Einkommensmillionär "entlarvt". Merz ist das peinlich. Er kennt die deutsche Neidkultur und verhält sich wie ein auf frischer Tat ertappter Dieb.

Es fing an mit der BILD-Zeitung, die in großen Lettern die absurde Frage stellte, ob man als Millionär überhaupt Bundeskanzler sein könne. Dann setzte BILD die Diskussion mit einer großen Leser-Aktion über das Vermögen bzw. Einkommen von Friedrich Merz fort. BILD initiierte dazu extra eine Leseraktion.

Merz druckste zunächst herum:
BILD-Leser per Video: "Herr Merz, sind Sie Millionär?" Merz: "Also, ich lebe in geordneten persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen, die mir eine hohe persönliche und politische Unabhängigkeit geben." Darauf wurde nachgefragt: "Wissen Sie nicht, ob Sie Millionär sind?"
Merz: "Doch, ich weiß das schon. Ich kenne meine Einkommens- und Vermögensverhältnisse."
Die erneute Nachfrage: "Warum sagen Sie nicht einfach: ‚Ja, ich bin Millionär'?"
Merz: "Ich liege jedenfalls nicht darunter."

BILD spann das Thema in mehreren Artikeln fort, gab nicht auf, bis Merz "zugab", dass er Einkommensmillionär ist. In der BILD AM SONNTAG sagt er jetzt: "Meine Frau und ich waren Studenten, als wir geheiratet und das erste Kind bekommen haben. In dieser Zeit mussten wir jede Mark umdrehen. Angefangen habe ich mit einem für eine Familie mit zwei Kindern überschaubaren Einkommen eines Referendars in Saarbrücken Heute verdiene ich rund eine Million Euro brutto."

Man merkt, dass es Merz peinlich ist, Millionär zu sein. Daher fügt er hinzu, er sei "Teil der gehobenen Mittelschicht". Begründung: "Für mich ist die gesellschaftliche Mitte nicht eine rein ökonomische Größe. Ich habe von meinen Eltern die Werte mitbekommen, die die Mittelschicht prägen: darunter Fleiß, Disziplin, Anstand, Respekt und das Wissen, dass man der Gesellschaft etwas zurückgibt, wenn man es sich leisten kann."

Das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien, die sich jetzt auf Merz einschießen und "entlarven", dass er zur Oberschicht gehört. Die "Süddeutsche Zeitung" brachte einen Artikel mit der Headline: "Gehört ein Millionär zur Mitte?" Der SPIEGEL titelte: "Warum Merz nicht zur Mittelschicht gehört."

Ich finde: Merz kann stolz darauf sein, Einkommensmillionär zu sein. Nur etwa 17.400 Menschen in Deutschland sind Einkommensmillionäre. Natürlich gehört Merz damit zu den Reichen, zur Oberschicht.

Offenbar ist es kein Problem, dass Andrea Nahles SPD-Parteivorsitzende ist, obwohl sie 20 Semester brauchte, bis sie ihr Studium mit einer Arbeit über Liebesromane abschloss - und danach ihre begonnene Doktorarbeit abbrach. Dass ihr Vorgänger Martin Schulz die Schule abgebrochen hat und danach eine Lehre als Buchhändler machte, wurde auch nicht als Argument gegen ihn ins Feld geführt. Wenn aber jemand als Wirtschaftsanwalt sehr gut verdient, dann ist das ein Makel.

DIE WELT: Merz hat "zugegeben" eine Million zu verdienen
DIE WELT griff das Thema auf und schrieb: "In einem Interview hat Friedrich Merz zugegeben, als Berater und Aufsichtsrat etwa eine Million Euro zu verdienen." Was heißt "zugegeben"? Man gibt einen Fehler zu, vielleicht sogar eine Straftat. Positive Dinge muss man nicht "zugeben". Eine verräterische Formulierung.

Zur Ehrenrettung der WELT: An anderer Stelle entlarvt sie die Kampagne in ihrer ganzen Absurdität: "Merz brach zusammen und gab sogar weinend zu, dass er wahrscheinlich Millionär sei. Er müsse allerdings zu Hause noch mal alles genau nachzählen. Ob die Mitgliedschaft in der gehobenen Mittelschicht bereits für eine strafrechtliche Verfolgung ausreicht, ist noch nicht ganz klar. Bislang wurde die gehobene Mittelschicht nicht als kriminelle Vereinigung eingestuft, steht allerdings unter verstärkter Beobachtung, genau wie die untere Oberschicht und die mittlere Oberschicht, von denen eine latente Terrorgefahr ausgehen soll. Merz wurde vor allem aufgrund guter Sozialprognosen nicht in Handschellen abgeführt. Als Resozialisierungsmaßnahme soll er sich gemeinsam mit anderen gefährdeten Individuen um den CDU-Vorsitz bewerben und sich dabei besonders mit dem Leben der unteren Mittelschicht und der mittleren Unterschicht vertraut machen."

Wowereit hat es richtig gemacht
Als der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit im Jahr 2001 fürchtete, dass seine Homosexualität von seinen politischen Gegnern "enthüllt" und als Instrument gegen ihn verwendet werden könnte, machte er einen klugen Schachzug: Er sagte öffentlich: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so." Damit war die Diskussion beendet. Er stand dazu, dass er schwul ist. Ich finde: Merz sollte auch dazu stehen, dass er reich ist. "Ich bin Einkommensmillionär, und das ist auch gut so."

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3 Kommentare

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Kommentare

Ob er diese Million verdient oder nicht, ist voellige Nebensache.

Das Gretchenfrage besteht darin, ob er all diese lukrativen Nebenjobs angeboten bekam, weil er so ein guter Wirtschaftsanwalt ist, oder wegen seines politischen Einflusses bzw als Investition von Lobbyisten in einen in Zukunft potentiell einflussreichen Politiker.

Nebenbei bemerkt laviert Merz auch bei politischen Themen stromlinienfoermig. Man fragt sich in erschreckender Analogie zu Merkel doch, fuer was er ueberhaupt steht, ausser fuer die eigene Karriere. Und wurde er damals nicht abserbviert, weil er doch nicht so als der grosse Kanller rueberkam mit dem Charisma eines Bierdeckels?
Lieber ein reicher Bundeskanzler
als etwa ein scheidungsruinierter, von ausländischen Diktatoren käuflicher.
(Nur als Beispiel gemeint. Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen wären rein zufällig.)
Ich konnte bisher nicht feststellen, dass die Leute Vorbehalte gegen Merz seines Reichtums wegen hatten. Er ist ein vielbeschäftigter Mann und muss in seinem Lebens viele richtige Entscheidungen getroffen haben.

Die alles entscheidenden Fragen sind doch:

1. Wie passen seine (dutzende) Tätigkeiten für verschieden Arbeitgeber mit der Unabhängigkeit seines politischen Amtes zusammen?
Wer hier keinen Interessenskonflikt sieht, ist offensichtlich einer Meinung mit Merz, wie dessen Politik jetzt (und später) aussieht. Arbeitnehmer können sich in Zukunft jedenfalls ziemlich warm anziehen.

2. Wie viel Zeit muss Merz haben, wenn er all diese Aufgaben PLUS den CDU-Vorsitz (oder noch mehr) wahrnehmen will? Der Normalsterbliche geht (völlig zurecht) davon aus, dass ein politisches Amt ein Fulltime-Job ist - besonders fleißige Leute schaffen es dann vielleicht noch, nebenher ein bisschen Anwalt zu sein. Für Merz scheinen andere Regeln von Raum und Zeit zu gelten.

Es besteht also aus gutem Grund Skepsis, ob Merz seiner Rolle als Vertreter der Partei (= des Volkes) gerecht werden kann. Sowohl vom Umfang, als auch vom Inhalt. Niemand neidet Merz seinen Reichtum. Dieses 'Argument' ist völliger Bullshit.
Man sollte aber äußerst wachsam sein, wenn einige Wenige an beiden Enden der Nahrungskette gleichzeitig sitzen!

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