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Marktkommentar: Stephan Rieke (Oddo BHF): Politisch getriebene Schaukelbörsen
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Marktkommentar Stephan Rieke (Oddo BHF): Politisch getriebene Schaukelbörsen

Nachrichtenquelle: Asset Standard
19.11.2018, 09:35  |  414   |   |   

Die Anleger hatten in den letzten Tagen Mühe, die Vielzahl an marktrelevanten Nachrichteneinzusortieren.

Die Anleger hatten in den letzten Tagen Mühe, die Vielzahl an marktrelevanten Nachrichten (u.a. Brexit, deutlich schrumpfendes deutsches Q3-BIP, italienische Regierung verweigert Haushaltskorrekturen, Handelsstreit zwischen USA und China) einzusortieren.

Freitag,16.11.2018

Aktienmärkte:

Am Donnerstag (15.11) sorgte die am Mittwochabend erfolgte Billigung des Entwurfs eines EU-Austrittsvertrags durch das britische Kabinett für einen freundlichen Handelsauftakt an den europäischen Aktienmärkten. Die Zuversicht hielt aber nicht lange an, zwei Minister und zwei Staatssekretäre erklärten ihren Rücktritt, die EU-Skeptiker unter den Torys bereiten ein Misstrauensvotum gegen Premierministerin Theresa May vor. Pressemeldungen zufolge will die mit den regierenden Konservativen verbündete nordirische Partei DUP der Regierungschefin die Unterstützung entziehen.

Die EU-Leitindizes zeigen für die laufende Woche durchwegs rote Zahlen (Euro STOXX 50: -1,2%, DAX 30: -1,5%, CAC: -1,4%, FTSE 100: -1,0%); unter den STOXX-Sektoren weist nur die defensive Telekommunikationsbranche ein positives Vorzeichen ( 1,2%) aus, die stärksten Abschläge mussten die Einzelhandelswerte (-3,7%) und Finanzdienstleister (-3,2%) hinnehmen. Vglw. widerstandsfähig erwiesen sich die 2018 schwer „unter die Räder“ gekommenen Autowerte (-21,5% seit 31.12.2017), die im Verlauf dieser Woche nur -0,1% abgaben. Deren europäischer Branchenverband meldete gestern einen Rückgang der Neuzulassungen im Oktober um -7,3% (nach -23,5%, jew. ggü. Vj.).

Pressemeldungen, die China angedrohte, nächste Runde an US-Strafzöllen sei auf Eis gelegt, sorgten gestern für Rückkäufe an der Wall Street. Der S &P 500 schloss mit 1,1%, was die Zwischenbilanz der laufenden Woche (-1,8%) wieder etwas näher an die Null-Linie heranführte; Immobilien- (-0,5%) und Grundstoffwerte (-0,6%) zeigten dabei gutes Stehvermögen, während die Marktsegmente Gebrauchsgüter (-3,3%) und Energie (-3,2%) unter Abgabedruck standen.

An den asiatischen Leitbörsen herrscht heute Morgen (16.11) ein durchwachsenes Bild, der rückläufige Nikkei 225 (-0,6%) beschloss die Handelswoche mit einem Verlust von - 2,6%, der südkoreanische KOSPI 200 (heute: 0,1%) mit 0,1% und der chinesische CSI 300 (heute: 0,5%) mit erfreulichen 2,9%.

Renten und Währungen:

Während Staatsanleihen der EWU-Kernmärkte im Wochenverlauf zulegen konnten, mussten Peripherie-Papiere angesichts des provokativen Kurses der italienischen Regierung leichte Abschläge hinnehmen; der Euro (aktuell: 1,134 US-$) zeigte per Saldo nur geringe Veränderungen. Das britische Pfund musste den zuletzt wieder stark belastenden politischen Nachrichten Tribut zollen und verlor sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch dem Euro.

Edelmetalle und Rohstoffe:

Gold (aktuell: 1215 US-$/Unze) konnte sich diese Woche leicht befestigen. Rohöl (Brent-Future aktuell: 67,3 US-$) stieg gestern trotz des gemeldeten sehr starken Anstiegs der US-Rohöllagerbestände ( 10,3 Mio. Barrel) den zweiten Tag in Folge, die Bilanz der laufenden Woche sieht aber weiter negativ aus.

Konjunkturelles Umfeld: 

Aus den Vereinigten Staaten wurden gestern erneut sehr niedrige Erstanträge für Arbeitslosenhilfe (216.000 nach 214.000), ein rückläufiger Philly Fed Index (November: 12,9 nach 22,2) und überraschend stark wachsende Einzelhandelsumsätze (Oktober: 0,8% nach -0,1%, jew. ggü. Vm.) gemeldet.

Aus der Eurozone kommt heute Vormittag die finale Inflationsrate für Oktober, die mit erwarteten 2,2% (ggü. Vj.) bereits das fünfte Mal in Folge über der Zielgröße der Europäischen Zentralbank liegen dürfte. Um 15:15 Uhr steht dann noch die US-Industrieproduktion für Oktober (e: 0,2%) auf dem Datenkalender.

Gerät Europas Wachstumsmotor ins Stottern?

Die im Wochenverlauf veröffentlichten Wirtschaftsdaten deuten auf eine Eintrübung der deutschen Wirtschaft. Zwar wurde eine Abschwächung bereits erwartet, die Zahlen fielen dennoch schlechter aus als prognostiziert. So schrumpfte das saisonbereinigte BIP im dritten Quartal um 0,2% ggü. Vq. (erwartet -0,1%). Diese Entwicklung zeichnete sich bereits in denen am Dienstag veröffentlichten ZEW-Indizes ab. Während die Einschätzung der Wirtschaftslage im Oktober noch auf einen Wert von 70,1 Zählern kam, sank der Wert mit 58,2 Punkten auf die schlechteste Einschätzung seit zwei Jahren und damit deutlich tiefer als die erwarteten 65,0 Punkte. Dagegen stieg der Index für die konjunkturellen Erwartungen leicht von zuvor -24,7 auf -24,1 Punkte (erwartet: -26,0).

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