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Joachim Wuermeling Krisenrisiko: "Finanz-Herz" der EU wird entnommen

19.11.2018, 12:06  |  1984   |   |   

In der vergangenen Woche lösste in Großbritannien der nächste Schritt zum Brexit personelle Veränderungen und ein Verfall des Pfunds aus. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, Joachim Wuermling, sprach am 19.11.2018 beim UBS Investment Kompass und warnte vor den Folgen für das europäische Finanzsystem.

Seit vergangenen Dienstag steht eine Brexit-Übergangsphase vom 29. März 2019 bis zum 31. Dezember 2020 fest - die Frist könnte verlängert werden. In diesem Zeitraum wird Großbritannien Teil des europäischen Binnenmarktes bleiben und das EU-Recht unverändert gelten. Was jedoch mit EU-Abkommen nach dem 29. März 2019 passiert, ist unklar. Es soll keine Forsetzung des Binnenmarktes geben. Finanzdienstleistungen wären illegale Bankgeschäfte - ebenso haben Kunden keinen Anspruch auf Leistungen, da Großbritannien zukünftig ein Drittstaat wäre.

Joachim Wuermeling konstatiert: "Für Kunden, die vor dem Austritt Verträge abgeschlossen haben, die nach dem Austritt weitergelten, ergeben sich die größten Probleme". Und weiter: "Denn es könnte sein, dass diese Verträge nun nicht mehr legal sind und eigentlich abgewickelt werden müssten". Seine Bedenken richten sich nicht nur auf die Kunden, sondern auch das kontinentale Finanzsystem:

"Einen internationalen Finanzplatz hatte die EU bislang mit London. Das ist nach dem Brexit nicht mehr der Fall. Und wenn wir nicht reagieren, werden entscheidende Finanzströme der EU künftig über einen Finanzplatz geleitet, der nicht unter unsere Jurisdiktion fällt und wo wir auch keine Aufsichtsbefugnisse haben".

Aus diesem Grund appeliert Wuermeling, dass die "EU und und ihre Mitgliedstaaten die Abhängigkeit vom Finanzzentrum in London aktiv abbauen müssen". In erster Linie geht es ihm um eine sichere Finanzierung der europäischen Wirtschaft, denn er sieht die Gefahren einer zunehmend instabilen globalen Wirtschafts- und Finanzordnung aufziehen. Aufgrund der unterschiedlichen EU-Organe und den vier Finanzplätzen Paris, Frankfurt, Amsterdam und Dublin plädiert Wuermeling für eine Beibehaltung der einzigartigen Struktur. Und mehr noch: "wir sollten sie zu unserem Markenkern ausbauen".

Jedoch vor dem Hintergrund der geringen Vernetzung innerhalb der EU beschäftigt sich Wuermeling auch mit der Frage nach dem Potenzial eines "globalen wettbewerbsfähigen Finanzplatz", der auf den Säulen: Netzwerk, Digitalisierung und marktgetriebene Spezialisierung, beruht. Wuermeling spricht sich u. a. für die Distributed Ledger Technology (DLT) und neue digitale Möglichkeiten aus. Abschließend sagte er: "Der Brexit kommt, der Brite geht. [...] Was entsteht, ist vielleicht ein neues, globales und vernetztes Finanzzentrum in der EU27; mit Herzen, die in Paris, Madrid, Frankfurt und an weiteren Orten schlagen; und einem digitalen Hirn, das bis in den letzten Winkel der EU verästelt ist".

Quelle:

Deutsche Bundesbank

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