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Börsen-Zeitung Politischer Ölpreis, Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn

Nachrichtenagentur: news aktuell
23.11.2018, 22:35  |  733   |   |   
Frankfurt (ots) - Als der Brent-Ölpreis Anfang Oktober auf rund 85
Dollar je Barrel geklettert war, zeigten sich viele Analysten und
Manager aus der Ölindustrie davon überzeugt, dass die Notierung des
wichtigsten Energieträgers bis zum Jahresende auf 100 Dollar je
Barrel klettern würde. Dazu ist es bekanntlich nicht gekommen. Am
Freitag sackte die Notierung von Brent Crude um rund 6,5 Prozent auf
weniger als 59 Dollar ab. Dass viele Analysten so gründlich daneben
lagen, liegt vor allem daran, dass der Ölpreis nicht nur durch das
aktuelle Angebot, die von der globalen Konjunktur beeinflusste
Nachfrage, die freien Kapazitäten und die Produktionsplanungen der
Anleger beeinflusst wird. Der Ölpreis ist nicht zuletzt auch ein
politischer Preis.

Das begann bereits im Herbst 1973 mit der Ölkrise, als die
arabischen Ölexporteure die westlichen Länder wegen ihrer
Unterstützung Israels im Jom-Kippur-Krieg unter Druck setzten. Eine
weitere starke Beeinflussung des Ölpreises in jüngerer Zeit hat es
zwischen Juni 2014 und Januar 2016 gegeben. In dieser Zeit fiel der
Brent-Ölpreis von rund 115 Dollar bis auf 28 Dollar je Barrel.

Zwar spielte sicherlich auch eine große Rolle, dass die Kohäsion
innerhalb der Opec vor dem Hintergrund der steigenden Produktion
außerhalb des Kartells - vor allem in den USA und in Russland -
verloren ging und dass es den großen Anbietern wichtig war,
Marktanteile zu bewahren, deren Wiedergewinnung langfristige
Anstrengungen erfordert hätte. Dennoch hatte sich ein Anbieter wie
Saudi-Arabien, der auf hohe Öleinnahmen zur Sicherstellung
politischer Ruhe im eigenen Land angewiesen ist, wie zuvor noch
niemals auf einen derartigen Preisverfall eingelassen, der
normalerweise die Bereitschaft zum Kompromiss selbst mit Kontrahenten
wie den Iran gefördert hätte. Viele Beobachter sind davon überzeugt,
dass Saudi-Arabien auf Drängen der militärischen Schutzmacht USA
aktiv wurde, um Russland im Rahmen der Krim-Krise in die Knie zu
zwingen.

Bei dem aktuellen Preisverfall um rund 33 Prozent dürfte es jedoch
darum gehen, Saudi-Arabien unter Druck zu setzen. An den
entsprechenden Stellschrauben dreht dabei US-Präsident Donald Trump,
der Öl als politische Waffe bereits gegen den Iran eingesetzt hat, um
mit Hilfe der Sanktionen den wachsenden Einfluss Teherans in der
Region um den persischen Golf und in Syrien einzudämmen. Nach
Einschätzung vieler politischer Beobachter ist das zuvor enge
Verhältnis zwischen Trump und dem saudischen Kronprinz Mohammed
bin-Salman zuletzt abgekühlt, wobei sich auf mehreren Gebieten
Meinungsverschiedenheiten aufgetan haben - wobei der Mord an dem
saudischen Journalisten Jamal Khashoggi noch die geringste Rolle
spielt.

Ein wichtigerer Aspekt sind die Bestrebungen Trumps, ein
israelisch-palästinensisches Abkommen zu arrangieren, dass das
Problem aus israelischer Sicht ein für alle Mal lösen und dem noch
vor Saudi-Arabien wichtigsten US-Verbündeten in der Region den Rücken
frei halten würde. Während bin-Salman der Idee zugetan ist, soll sein
Vater, König Salman, in diesem Punkt stark bremsen. Ohne saudische
Ölmilliarden bestehen aber kaum Aussichten auf eine Zustimmung der
Palästinenser.

Trump soll auch unzufrieden damit sein, dass aus den von ihm groß
angekündigten saudischen Waffenkäufen in den USA über mehr als 110
Mrd. Dollar bislang nichts geworden ist. Saudi-Arabien hat im
laufenden Jahr bislang lediglich für 14,5 Mrd. Dollar bei der
US-Rüstungsindustrie bestellt. Der saudische Kronprinz hat inzwischen
sogar dafür gesorgt, dass sein Land in großem Umfang Waffen in
Russland kauft, was aus Sicht Trumps eine rote Linie überschreitet.
Trump steht zudem unter Druck aus dem Kongress, für ein Ende des von
den Saudis betriebenen Jemen-Kriegs zu sorgen.

Um Druck auf die Saudis auszuüben, hat sich Trump bereiterklärt,
dem Iran trotz der harten Sanktionen umfangreiche Ölexporte zu
genehmigen, was wie geplant den Ölpreis nach unten bugsiert hat. Wenn
dann noch vor allem Libyen, Venezuela und die USA zusammen rund 1
Mill. Barrel pro Tag mehr produzieren als erwartet, sind ausgeprägte
Reaktionen am Terminmarkt wie am Freitag die Folge. Ob sich
Saudi-Arabien traut, die Opec am 6. Dezember gegen den ausdrücklichen
Willen Trumps auf umfangreiche Förderkürzungen einzuschwören, wird
sich zeigen.

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