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Baugutachten Taugen günstige Online-Bewertungen etwas?

03.12.2018, 09:00  |  183   |   |   

Von Martin Röser, Bauingenieur und Sachverständiger für Berlin und Leipzig bei der DKW Gruppe

Sie bewerben sie im Internet als "preisgünstige Alternative zum Baugutachten" oder auch als "Wohnmarktanalyse": Anbieter für Online-Gutachten. Schon ab 25 Euro soll es dort eine qualitative Bewertung der eigenen Immobilie geben. Doch kann das überhaupt sein - und was wird da letztlich angeboten?

Klar ist: Nur wenige Seiten umfassende Online-Analysen erfolgen allein aus der Ferne und in keinem der Fälle mit einem Gutachter am Standort. Was also für sparsame Immobilieninteressenten anfangs verlockend klingen mag, hat mit einer Vorort-Expertise eines professionellen Baugutachters oder Sachverständigen wenig gemeinsam.

Dennoch erwecken viele Internetangebote den Eindruck, dass sie "Expertise" liefern würden. Die Grundlagen für derartige Analysen sind in den meisten Fällen aber nur rein statistische oder auf Angebotspreise basierende Werte, die oft höher liegen können. Sowohl bei der geschätzten Bewertung einer Gebrauchtimmobilie nach Baujahr wie auch bei ihrem Verkehrswert können Online-Bewertungen allenfalls eine grobe Preisorientierung vorgeben. Eine genauestens auf eine Immobilie abgestimmte Preiserhebung ist in dieser Form also gar nicht möglich.

Ein Beispiel: Beim Vergleichswertverfahren1, das gelegentlich bei einer Bewertung für eine Immobilienfinanzierung herangezogen wird, kommt es darauf an, wie hoch der Wert ähnlicher Gebäude aus der direkten Umgebung ist - Immobilien also, die bezüglich Lage, Nutzung, Bodenbeschaffenheit und Zuschnitt vergleichbar sind. Würde man hier nun allein auf eine Online-Bewertung vertrauen, dann könnte der ermittelte Preis von der Realität deutlich abweichen. Darüber hinaus hat ein professionell erstelltes Baugutachten in der Regel auch folgende Vorteile:

  • Die Einschätzung von Bauingenieuren, Betriebswirten und Kaufleuten, die als Sachverständige ausgebildet sind, beruht auf Fachwissen und Erfahrung. Die Immobilie wird dabei stets persönlich in Augenschein genommen.
  • Ein Haus oder eine Wohnung werden dabei inklusive aller Außenwände und Zusatzräume - beispielsweise Dachboden und Keller - bewertet.


Man sollte sich beim Immobilienkauf also nicht allein auf sein Bauchgefühl verlassen. Denn Immobilien bergen eine Vielzahl von Überraschungen, positive wie negative.

Kosten für einen geprüften Gutachter starten bei 400 Euro
Fotografien einer Immobilie aus der Ferne reichen für ein professionelles Gutachten nicht aus. Insofern ist verständlich, dass ein ausgearbeitetes Baugutachten, etwa in Berlin, bei einer Mindestgebühr von 399 Euro startet und sich dann zusätzlich am Verkehrswert orientiert. Einige Gutachter verlangen auch pauschal zusätzlich zu einem Mindestbetrag 0,1 Prozent des ermittelten Verkehrswertes. Wer dennoch sparen will, kann auch nach einem Kurzgutachten fragen. Allerdings gehen diese häufig mit einem Haftungsausschluss einher.

Da aber das größte Risiko beim Kauf versteckte Mängel und vor allem auch Baumängel sein können, schafft nur ein von Experten erstelltes Gutachten Klarheit darüber, ob eine Immobilie ihren gesetzten Kaufpreis auch wirklich wert ist. Zudem hilft eine professionelle Schätzung, wenn es um die Höhe von Sanierungskosten geht. Ohne Prüfung der Bausubstanz ist all das nicht möglich. Gleichzeitig kann ein Baugutachter bei Neubauten als Berater zur Seite stehen, wenn etwa eine Familie ein Eigenheim errichten lässt, mit der Abnahme der einzelnen Bauphasen aber wenig Erfahrung hat. Letztlich kann der Eigentümer mit einem Gutachter viel Geld sparen, weil dieser zum Beispiel Baumängel rechtzeitig erkennt.

Geprüfte Gutachter lassen sich gut im Internet finden
Natürlich kann das Internet ein hilfreicher erster Anlaufpunkt sein, um Kontakt zu einem Baugutachter aufzunehmen und sich mit verschiedenen Angeboten vertraut zu machen. Häufig reicht schon eine einfache Suche, um ortsansässige Sachverständige zu finden, da viele von ihnen eigene Webseiten besitzen. Eine Übersicht aller zugelassenen Sachverständigen bieten unter anderem die Industriekammern der Bundesländer (IHK) sowie der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS) an.

1Die Daten hierfür kommen vom Gutachterausschuss und werden zumeist nur gegen eine Gebühr und nachweislicher Berechtigung (also Nachweis, dass man Sachverständiger ist) herausgegeben.



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