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Schattenbanken Paul Krugman über Schattenbanken: "Politiker im Tiefschlaf"

29.11.2018, 20:18  |  2927   |   |   

Paul Krugman, Träger des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften, warnt eindringlich vor wenig regulierten Schattenbanken. Das hätte die Finanzmärkte schon einmal an den Rand des Abgrundes gebracht. Doch das scheinen die verantwortlichen Politiker seiner Meinung nach längst vergessen zu haben.

Der US-amerikanische Volkswirtschaftsprofessor Krugman, der oft als Krisen-Orakel herhalten muss, gibt zwar zu, dass er nicht genau weiß, was die nächste Finanzkrise auslösen wird. Zurzeit deute nichts auf so etwas Ähnliches wie die Immobilienkrise hin, die am Anfang der letzten Krise stand, so Krugman in einem Interview mit "Business Insider". Aber die Politiker hätten vergessen, warum die Krise überhaupt ausgebrochen sei, meint Krugman und spricht von "Gedächnisschwund der Politik".

Krugman weist in diesem Zusammenhang auf Gefahren hin, auf die ebenfalls globale und europäische Institutionen wie der Financial Stability Board (FSB) der G20 oder die EZB hinweisen: So ist für Krugman der erneute Aufstieg des wenig regulierten Schattenbanken-Sektors ein möglicher Krisenherd.

Nach der jüngsten Finanzkrise hätten Ökonomen zum Beispiel den zu lose regulierten Markt für "Repurchase Agreements" (engl. für Rückkaufvereinbarung oder Repo) als einen der Hauptkrisenauslöser genannt, erklärt Krugman. Tatsächlich treten in den letzten Jahren immer mehr Finanzinstitute wie zum Beispiel Geldmarktfonds als so genannte "Repo-Partner" auf, die keine Banken sind.

Krugman definiert "Shadow Banking" als Institutionen, die wie Banken aussehen und funktionieren, aber nicht mit der gleichen Sorgfalt reguliert werden. Prominentes Beispiel einer so genannten "Schattenbank" ist der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock.

"Das Argument für eine grundlegende Revitalisierung des Systems der Bankenregulierung zur Abdeckung dieses breiteren Finanzuniversums ist wirklich stark", sagte Krugman. "Das ist wichtig, denn viele Leute drängen wirklich hart darauf, die begrenzten Finanzregelungen, die tatsächlich erlassen wurden, wegzunehmen... Es ist diese echte Amnesie, die in der Politik grassiert", so der renommiere Wissenschaftler.

Anfang des Jahres waren die Schattenbanken Thema beim Financial Stability Board (FSB) der G20-Staaten. Dabei hieß es, dass laut dem FSB-Report von 2017 das Ausmaß an Schattenbank-Aktivitäten auf einen Umfang von 99 Billionen US-Dollar gestiegen sei. Das mache etwa 30 Prozent des globalen Geldvermögens aus und sei der höchste Stand seit 2002.

Ende September dieses Jahres forderte EZB-Chef Mario Draghi mehr Regulierung zur Bekämpfung der wachsenden Risiken durch Schattenbanken. Laut Draghi mache der unzureichend regulierte Schattenbankensektor mittlerweile rund 40 Prozent des Finanzsystems in der gesamten EU aus, siehe hier.

Quellen:

Business Insider



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