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Highlights in enttäuschendem Gesamtmarkt

Gastautor: Marcus Landau
30.11.2018, 09:52  |  477   |   |   

In einem schwachen Börsenumfeld hat Wirecard alle heimischen Blue Chips in puncto Kursentwicklung meilenweit abgehängt. Da der Zahlungsdienstleister aber weiterhin dynamisch wächst, liegt der Aktienkurs des DAX-Aufsteigers 2018 noch deutlich unter seinem fairen Wert.

Das hatten sich die meisten Aktienanleger sicherlich ganz anders vorgestellt. Waren Analysten und Investoren Anfang 2018 noch von steigenden Kursen und einem guten Aktienjahr ausgegangen, notiert der DAX aktuell mit rund zwölf Prozent im Minus. So schlecht lief es schon seit 2010 nicht mehr. Die Verluste beim MDAX (-11,4%) und beim SDAX (-12,7%) liegen in ähnlicher Größenordnung und befinden sich damit sowohl von der Nulllinie, wie auch von den langfristigen Durchschnittsrenditen der Vergangenheit ebenfalls weit entfernt. Nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts hat es der DAX von 1987 bis 2017 (30 Jahre) auf eine durchschnittliche Rendite von 8,9% pro Jahr gebracht.

Diverse Belastungsfaktoren

Dabei liegen die nur zum Teil vorhersehbaren Gründe für die aktuell schwache Entwicklung der Börsen auf der Hand. An erster Stelle sind hier sicherlich die schwerwiegenden Handelsstreitigkeiten der USA mit diversen anderen Ländern zu nennen. Insbesondere aus diesem Grund haben auch die ersten Institute, wie etwa der Internationale Währungsfonds (IWF), damit begonnen, ihre Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum zu reduzieren. Das Ende des Booms ist also absehbar. Dabei bekommt das exportstarke Deutschland die Abkühlung besonders zu spüren. Darüber hinaus haben die zunehmenden Spannungen innerhalb Europas, bezogen auf die heimischen Aktienmärkte, eine wichtige Rolle gespielt. Die Konfliktherde haben sich 2018 kontinuierlich verschärft. Angefangen von der Brexit-Diskussion bis hin zu massiven Uneinigkeiten in der Haushaltspolitik (Stichwort italienische Staatsschuldenkrise). Besonders die ohnehin schon stark exportabhängige deutsche Automobilindustrie leidet zudem unter dem Dieselskandal. Dabei fallen gerichtlich verfügte Fahrverbote sowie Probleme bei der Zulassung verschiedener Modelle ins Gewicht. Entsprechend ist der DAXsector Automobile Index seit Anfang Januar auch um fast 21% gefallen.

Sonnenschein bei Wirecard

Zum Glück gab es jedoch auch Glanzlichter am wolkenverhangenen Börsenhimmel. Von den großen deutschen Standardwerten betrifft dies allen voran die Aktien von Wirecard, einem Software- und IT-Spezialisten für den elektronischen Zahlungsverkehr. Nach der Kursvervierfachung in den vorangegangenen zwei Jahren hat das Fintech-Unternehmen Ende September die Commerzbank aus dem DAX verdrängt. Trotz zuletzt deutlicher Verluste belaufen sich die Kurszuwächse allein in diesem Jahr bisher auf über 40%, sodass Wirecard, wenn man die Marktkapitalisierung betrachtet, inzwischen auf dem Niveau der Deutschen Bank rangiert. Auf den weiteren Plätzen folgen aus der ersten deutschen Börsenliga mit deutlichem Abstand Adidas (+21%) und die Deutsche Börse (+18%). Im MDAX und im SDAX haben sich Sartorius (+44%) und Evotec (+41%) bzw. Borussia Dortmund (+40%) und Carl Zeiss Meditec (+20%) bisher am besten geschlagen.

Dabei sehen Analysten bei allen drei DAX-Spitzenperformern auf Sicht von zwölf Monaten weiteres Kurspotenzial. Bei Adidas wurde die Gewinnschätzung für 2018 nach den deutlich besser als erwartet ausgefallenen Q3-Ergebniszahlen angehoben. Auch die Deutsche Börse befindet sich Analysen zufolge in einer guten Position, um Nettoerlöse und Gewinne über mehrere Jahre zu steigern. Die Aktien von Wirecard wurden nach Vorlage der endgültigen Quartalszahlen mit einem fairen Wert von 177,20 Euro gerade erst von einem Analysehaus von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft. Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern ist die Aktie des Fintech-Unternehmens zwar höher bewertet, der Zahlungsdienstleister weist dafür aber auch spürbar höhere Wachstumsraten auf.

Mit Bonus und Sicherheitspuffer

Für Aktienanleger, welche die positive Einschätzung zu Wirecard teilen, könnten Bonus Cap-Zertifikate eine interessante Anlagemöglichkeit darstellen. Neben dem attraktiven Kurspotenzial bietet diese Derivatevariante einen Sicherheitspuffer gegen moderate Aktienkursverluste. Sollten Wirecard-Aktien bis zum 21. Juni 2019 (Bewertungstag) niemals auf oder unter 100 Euro (Barriere) fallen, erhalten Besitzer entsprechender Papiere (z.B. WKN DD87Z0) eine Rückzahlung von 160 Euro je Zertifikat. Aus heutiger Sicht ergäbe sich daraus eine aufs Jahr umgerechnete Bonusrendite von 29,5%. Bei einer Verletzung der Barriere sind Bonuszahlung und Teilabsicherung jedoch hinfällig. Die Einlösung des Zertifikats orientiert sich dann am Kurs der Wirecard-Aktie am Bewertungstag, wobei die maximale Rückzahlung auch in diesem Fall 160 Euro beträgt.

Hohe Zinskupons garantiert

Ohne Barriere kommen dagegen Aktienanleihen aus. Hier bieten sich für eher konservativ ausgerichtete Wirecard-Fans möglicherweise Produkte mit einem Basispreis zwischen dem aktuellen Aktienkurs und dem erwähnten fairen Wert von rund 170 Euro an. Bei der Aktienanleihe mit der Wertpapierkennnummer DDK4X4 erhalten Anleger bei Fälligkeit Ende kommenden Jahres (27.12.2019) beispielsweise einen Zinskupon in Höhe von 9,25% per annum. Zudem wird die Aktienanleihe zum Nennwert zurückgezahlt, sofern die Anteile von Wirecard am Bewertungstag (18.12.2019) auf oder über dem Basispreis von 153,85 Euro notieren.

Andernfalls bekommen sie statt der Barzahlung 6,5 Wirecard-Aktien je Anleihe im Nominalwert von 1.000 Euro ins Depot gebucht. Beim aktuellen Briefkurs von 91,18% wirft die besagte Aktienanleihe derzeit eine aufs Jahr umgerechnete Seitwärtsrendite von 7,8% ab, während die Maximalrendite sogar 18,7% beträgt. In die Verlustzone geraten Anleger erst, wenn die Aktien in knapp 13 Monaten für weniger als 124,77 Euro zu haben sind. Berücksichtigen sollten Investoren, dass die Ausstattungsmerkmale der Anleihe auch deshalb so attraktiv ausfallen, weil der Aktienkurs von Wirecard relativ hohen Schwankungen unterliegt was den Konditionen des Zertifikats zugutekommt. Dadurch besteht jedoch zugleich ein entsprechendes Risiko dafür, dass der Basiswert am Bewertungstag deutlich unter dem Basispreis notiert und die Rückzahlung in Aktien erfolgt.

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Marcus Landau
Abt.-Direktor Public Distribution, DZ Bank

Marcus Landau, Derivate-Experte bei der DZ BANK, schreibt zu aktuellen Markt- und Produktthemen. Als Abteilungsdirektor Public Distribution ist er bei der DZ BANK für die Bereiche Vermarktung und Emission von Hebelprodukten und Zertifikaten mitverantwortlich und besitzt rund 15 Jahre Branchenerfahrung. In seinen Kommentaren beleuchtet er regelmäßig verschiedene Märkte und zeigt Handlungsmöglichkeiten für Anleger und Trader auf. Die DZ BANK ist einer der größten Derivate-Emittenten in Deutschland.

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