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Besitzt die Wirecard-Aktie eigentlich einen Buffett’schen Burggraben?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
02.12.2018, 09:06  |  562   |   |   

Eine Eigenschaft, die Starinvestor Warren Buffett bei seinen Aktien schätzt, ist der metaphorische Burggraben. Hierbei handelt es sich in der Regel um Wettbewerbsvorteile wie beispielsweise eine starke Marke oder hohe Kundenloyalität, die ein Unternehmen gewissermaßen uneinholbar für die Konkurrenz werden lässt.

Eine spannende Frage im Kontext der Wirecard  (WKN: 747206)-Aktie könnte in diesem Sinne sein, ob auch dieser innovative Zahlungsdienstleister einen solchen metaphorischen Burggraben besitzt. Werfen wir daher einen Foolishen Blick auf ein paar relevante Aspekte diesbezüglich.

Wirecards möglicher bisheriger Konkurrentenschutz

Zum einen könnte man durchaus argumentieren, Wirecard besitze bereits aktuell einen Schutz vor der Konkurrenz. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen nämlich schon heute ein führender Spezialist für Zahlungsabwicklungen und Issuing. Wirecards derzeitiger Wettbewerbsvorteil könnte daher grundsätzlich in seinem bisherigen Know-how und seinem spezialisierten Angebot liegen.

Zudem brüstet sich Wirecard damit, dass es auch aus technologischer Sicht die Nase bei modernen Zahlungsabwicklungen vorne hat. Als Software- und IT-Spezialist würde Wirecard demnach konsequent sein Produktportfolio erweitern, was es einer neu aufkommenden Konkurrenz natürlich ebenfalls schwermachen könnte, das Unternehmen aus technologischer Sicht einzuholen.

Wenn du mich fragst, sind Know-how und technologischer Vorsprung jedoch leider relativ schwache Wettbewerbsvorteile, auf denen eine sichere und geschützte langfristige Investitionsthese ruhen sollte. Denn in einer sich aus technologischer Sicht ständig wandelnden Welt könnte vor allem dieses Kriterium ziemlich schnell veraltet sein, sofern beispielsweise ein namhafter größerer Konkurrent mit reichlich finanziellen Mitteln ernst machen und diesen Markt aufmischen möchte.

Wo Wirecard idealerweise hinsollte

Investoren und Interessierte sollten daher besser nach etwas suchen, das sich als nachhaltiger herausstellt. Und die gute Nachricht hierbei ist, dass es etwas Derartiges durchaus geben könnte. Die schlechte Nachricht lautet allerdings, dass es bis dahin leider noch etwas dauern könnte, bis sich dieser Wettbewerbsvorteil ausgeprägt hat.

Ein aussichtsreicher Wettbewerbsvorteil dieses innovativen Zahlungsdienstleisters könnte nämlich idealerweise in einem großen, globalen Kundennetz liegen, das gewissermaßen ein eigenes, schwer erreichbares Ökosystem kreiert und sich die Konkurrenz auf Jahre oder Jahrzehnte vom Leibe hält.

Wirecard verfügt mit seinen rund 40.000 mittelgroßen und Großkunden sowie 225.000 Kleinstkunden zwar bereits über einen ansprechenden Kundenstamm. Von einem uneinholbaren Netzwerk oder gar marktdominierenden Ökosystem dürfte Wirecard jedoch noch weit entfernt sein. Zumal in den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahres lediglich Transaktionsvolumina in Höhe von 90,2 Mrd. Euro abgewickelt wurden. Auch das ist bislang lediglich ein Bruchteil der derzeitigen digitalen Zahlungsvolumina.

Was das bedeutet

Versteh mich bitte nicht falsch. Die derzeitige Wachstumsstory von Wirecard ist nach wie vor beeindruckend und könnte weiterhin erst in den Kinderschuhen stecken. Zudem gehört Wirecard zu den größten Gewinnern des aktuellen Börsenjahres, was wohl sehr deutlich unterstreicht, dass der Zahlungsabwickler momentan vieles richtig macht.

Wer jedoch als Investor auf mögliche Wettbewerbsvorteile und damit größtmögliche Sicherheit schielt, könnte in Anbetracht der derzeitigen Größe des Unternehmens enttäuscht werden. Aus technologischer und produktinnovativer Sicht hat Wirecard zwar so einiges zu bieten, könnte jedoch nicht uneinholbar sein.

Ein richtiger Buffett’scher Burggraben dürfte daher erst entstehen, wenn Wirecard wirklich zu einem weltweit führenden Zahlungsabwickler wird, über ein großes, uneinholbares Kundennetzwerk verfügt und einen relativ signifikanten Anteil der Zahlungsvolumina abwickelt. Doch bis dahin könnte durchaus noch so manches Jahr vergehen.

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